
Bari Fußballclub von Insolvenzermittlung bedroht; De Laurentiis-Familie wegen Betrugs angeklagt
Italienische Staatsanwälte haben Aurelio und Luigi De Laurentiis wegen falscher Buchführung und betrügerischen Bankrotts im Zusammenhang mit dem finanziellen Zusammenbruch der SSC Bari angeklagt; dabei wurden Durchsuchungen in den Büros des Vereins sowie bei Napoli und Filmauro durchgeführt.
Die Ermittlungen
Am 7. Juli 2026 durchsuchte die italienische Finanzpolizei die Büros der SSC Bari, der SSC Napoli und von Filmauro im Rahmen einer Untersuchung der Insolvenz von Bari. Die Staatsanwaltschaft von Bari hat Luigi De Laurentiis, alleiniger Geschäftsführer der SSC Bari, und seinen Vater Aurelio De Laurentiis, Präsident von Napoli und gesetzlicher Vertreter von Filmauro, wegen falscher Unternehmenskommunikation und betrügerischen Bankrotts angeklagt. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Bilanz des Vereins von 2024 und einen Antrag auf gerichtliche Liquidation aufgrund von Insolvenz.
Der Caprile-Transfer
Im Mittelpunkt des Falls steht der Transfer des Torhüters Elia Caprile. Bari kaufte Caprile von Leeds United und verkaufte ihn dann im Juli 2023 für 2,2 Millionen Euro an Napoli. Die Ermittler sagen, der Deal habe keine Weiterverkaufsklausel enthalten, sodass Napoli, als er Caprile später für etwa 8 Millionen Euro an Cagliari verkaufte, den gesamten Kapitalgewinn von 7 Millionen Euro einstrich. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass dies Bari einen angemessenen Anteil vorenthalten und zu seiner finanziellen Notlage beigetragen habe. Durchsuchungen richteten sich auch gegen drei ehemalige Sportdirektoren und Capriles Berater, die jedoch nicht angeklagt sind.
- Bari kauft Torhüter Elia Caprile von Leeds United.
- Bari verkauft Caprile für 2,2 Millionen Euro ohne Weiterverkaufsklausel an Napoli.
- Napoli verkauft Caprile für etwa 8 Millionen Euro an Cagliari und verbucht einen Kapitalgewinn von 7 Millionen Euro.
- Bari steigt nach der Relegation gegen Südtirol in die Serie C ab.
- Durchsuchungen bei Bari, Napoli und Filmauro; Luigi und Aurelio De Laurentiis angeklagt.
Finanzielle Schwierigkeiten und Abstieg
Die Untersuchung ergab, dass Bari zwischen 2019 und 2025 Verluste in Höhe von rund 30 Millionen Euro angehäuft hatte, sodass der Verein ein erhebliches Defizit und keinen konkreten Sanierungsplan aufwies. Nachdem Bari am 22. Mai 2026 nach einer Relegation gegen Südtirol in die Serie C abgestiegen war, beantragte die Staatsanwaltschaft die gerichtliche Liquidation wegen Insolvenz. Dies wäre die dritte Insolvenz des Vereins innerhalb von gut zehn Jahren.
Reaktion der De Laurentiis-Familie
Die Familie De Laurentiis gab eine Erklärung ab, in der sie sich über die Vorwürfe „erstaunt“ zeigte und zuversichtlich war, dass ihre Position schnell geklärt werde. Sie betonten, dass der Caprile-Transfer vor Abschluss von einem unabhängigen Sachverständigen bewertet worden sei und dass die Verluste von Bari, die im Fußball üblich seien, routinemäßig aus eigenen Mitteln der Eigentümer gedeckt würden.
Bari, Napoli, Aurelio und Luigi De Laurentiis haben mit Erstaunen von den Vorwürfen erfahren, die in dem Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss der Staatsanwaltschaft am Gericht von Bari erhoben und heute Morgen vollstreckt wurden.
Mögliche sportliche Konsequenzen
Die Bundesstaatsanwaltschaft wird voraussichtlich Unterlagen von den ordentlichen Gerichten anfordern. Nach dem Sportgerichtskodex kommen mögliche Verstöße gegen Artikel 31 (Führung und wirtschaftliche Angelegenheiten) in Betracht, der nur dann zu Geldstrafen oder Punktabzügen führen kann, wenn das Vergehen die Meisterschaftszulassung direkt betrifft (was bei Napoli nicht der Fall ist), sowie Artikel 4 über die sportliche Loyalität, eine in schweren Fällen angewandte Ermessensregel. Die bisherige Rechtsprechung zeigt, wie schwierig es ist, rechtswidriges Verhalten ohne klaren Nachweis der Absicht zu beweisen, wie im Fall der Juventus-Kapitalgewinne zu sehen war.


