
Erdbeben in Venezuela: Über 50.000 Vermisste, Militär übernimmt Kontrolle über Katastrophengebiet
Zwei starke Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten am Mittwochabend den Norden Venezuelas. Mindestens 920 Menschen kamen ums Leben, mehr als 50.000 werden vermisst. Die Regierung hat den am schwersten betroffenen Bundesstaat La Guaira unter militärische Kontrolle gestellt und Zufahrtsstraßen gesperrt.
Die Beben und ihre Folgen
Zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5, gemessen vom US Geological Survey, erschütterten am Mittwochabend (24. Juni) innerhalb von Sekunden die Nordküste Venezuelas. Die Beben ebneten Hunderte von Gebäuden dem Erdboden gleich, darunter Wohnhäuser, Krankenhäuser und Einkaufszentren. Bewohner der Hauptstadt Caracas berichteten von aufreißenden Wänden und einstürzenden Hochhäusern in Staubwolken.
Das zweite Beben war laut dem Europäischen Mittelmeer-Seismologischen Zentrum das schwerste in Venezuela seit dem Beben der Stärke 7,7 im Jahr 1900.Das war das stärkste Erdbeben, das ich je erlebt habe. Es fühlte sich an, als stünde man nicht auf festem Boden, sondern auf Pudding.
Rettungsbemühungen und der Wettlauf gegen die Zeit
Bis Freitag war die bestätigte Zahl der Toten auf 920 gestiegen, mehr als 3.300 Verletzte und über 50.000 Menschen werden noch vermisst, so der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. Rettungsteams aus mehreren Ländern, darunter der Schweiz, Mexiko, Kolumbien und Deutschland, arbeiten gegen das 72-Stunden-Überlebensfenster, nach dem die Chancen, Überlebende zu finden, drastisch sinken.
Überlebende berichteten, sie hätten mit bloßen Händen in den Trümmern gegraben, da schwere Ausrüstung knapp war.Die Suche in den Trümmern ist eine gewaltige Aufgabe.
Ein Ziegelstein fiel auf meine Tochter, und sie stürzte die Treppe hinunter. Wir konnten noch rausrennen, während die Trümmer fielen. Es war schrecklich, einfach schrecklich.
Militarisierung der Regierung und öffentliche Wut
Die Regierung der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez erklärte La Guaira zum Katastrophengebiet und setzte das Militär ein, um die Ordnung aufrechtzuerhalten und die Rettungsarbeiten zu unterstützen. Die Zufahrtsstraßen zur Region, die den wichtigsten internationalen Flughafen und Seehafen Venezuelas beherbergt, wurden aus humanitären und gesundheitlichen Gründen gesperrt, sagte Innenminister Diosdado Cabello. Mehr als 70.000 Familien sind dort betroffen. Die öffentliche Frustration über die langsame offizielle Reaktion kochte jedoch über, als Rodríguez ein wohlhabendes Viertel von Caracas besuchte; Angehörige der Opfer skandierten „raus, raus“ und warfen ihr vor, die Tragödie für politische Zwecke auszunutzen. Rodríguez, die nach der Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte im Januar die Macht übernahm, nannte den Moment „kritische Stunden für die Rettung von Menschenleben.“
- Zwei Erdbeben (Stärke 7,2 und 7,5) erschüttern den Norden Venezuelas.
- Rettungsoperationen beginnen; erste Todeszahlen werden in Dutzenden gemeldet.
- Todeszahl steigt auf 920; La Guaira militarisiert und Zufahrtsstraßen gesperrt.
- USA sagen 150 Millionen Dollar Hilfe zu; erste internationale Rettungsteams treffen ein.
- Nachbeben der Stärke 4,9 erschüttert Nordküste; Rodríguez bei Ortsbesichtigung ausgebuht.
Internationale Hilfe und Sanktionserleichterungen
Die USA sagten 150 Millionen Dollar Hilfe zu und kündigten eine Lockerung der Sanktionen an. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, Berlin werde alles tun, um schnelle Unterstützung zu gewährleisten, und ein 46-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) landete in Caracas an Bord eines Bundeswehr-Transportflugzeugs A400M. Die UN schätzte die direkten Schäden auf rund 6,7 Milliarden Dollar.
Wir arbeiten unermüdlich an dieser Aufgabe.
Ölproduktion nicht betroffen
Ölministerin Paula Henao bestätigte, dass die Ölförderung durch die Katastrophe nicht unterbrochen wurde und bei 1,2 Millionen Barrel pro Tag bleibt. Alle Produktionsanlagen seien betriebsbereit, und die Treibstoff- und Erdgasversorgung sei gesichert, sagte sie. Das Land, geschwächt durch jahrzehntelange wirtschaftliche und politische Krisen, ist fast vollständig auf Öleinnahmen angewiesen.


