Ladendiebstähle im deutschen Einzelhandel erreichen Rekordwert von 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2025, so eine EHI-Studie
Kundendiebstähle, Mitarbeiterdiebstähle und organisierte Kriminalität trieben die Verluste auf ein viertes Rekordhoch in Folge, so das Kölner EHI-Handelsforschungsinstitut.
Rekordverluste
Die Verluste durch Diebstahl im deutschen Einzelhandel stiegen im Jahr 2025 auf über 4,3 Milliarden Euro, ein Anstieg von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der vierte Anstieg in Folge, so eine Studie des Kölner EHI-Handelsforschungsinstituts. Die Zahl markiert einen neuen Höchststand. Die gesamten Inventurdifferenzen, die auch organisatorische Fehler wie falsche Preisauszeichnungen umfassen, stiegen um 3,2 Prozent auf 5,11 Milliarden Euro – ebenfalls ein Rekord. Einzelhändler verlieren rund ein Prozent ihres Umsatzes durch diese Differenzen, und dem deutschen Staat entgehen laut EHI-Schätzung jedes Jahr rund 590 Millionen Euro an Mehrwertsteuereinnahmen.
Wer stiehlt?
Kundendiebstähle machten mit rund 3,05 Milliarden Euro den größten Anteil aus. Ein Drittel dieser Summe wird organisierten kriminellen Gruppen zugeschrieben. Der Instituts-Experte Frank Horst bezeichnete die Bekämpfung organisierter und gewerbsmäßiger Diebstähle als die größte Herausforderung. Angestellte der Einzelhandelsunternehmen selbst verursachten Verluste in Höhe von 910 Millionen Euro, während Personal von Lieferanten und Dienstleistungsfirmen (wie Handwerker und Reinigungskräfte) für weitere 370 Millionen Euro verantwortlich war.
- Kundendiebstahl
- 3.05 Mrd. €
- Mitarbeiterdiebstahl
- 0.91 Mrd. €
- Diebstahl durch Lieferanten-/Dienstleistungspersonal
- 0.37 Mrd. €
Treiber des Anstiegs
Zwischen 2020 und 2025 stiegen die gesamten Diebstahlverluste um fast 29 Prozent, und allein die Kundendiebstähle legten um mehr als 41 Prozent zu. Die EHI-Studie führt die hohe Inflation als teilweise Erklärung an: Die Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum um mehr als 20 Prozent, die Lebensmittelpreise um rund 35 Prozent. Horst merkte an, dass viele Einzelhändler glauben, dass das aktuelle politische Klima und der wirtschaftliche Ausblick die Verbraucher und Angestellten finanziell unter Druck setzen und zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führen. Der Personalmangel in den Geschäften erleichtere zudem die Begehung von Straftaten.
Viele Einzelhändler glauben, dass die aktuelle politische Situation und der wirtschaftliche Ausblick die Verbraucher und Angestellten finanziell unter Druck setzen, was zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führt.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) nannte zudem einen schwindenden Respekt vor Eigentum, eine geringere Akzeptanz rechtlicher Regeln und Defizite in der Strafverfolgung als weitere Faktoren. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth warnte vor zunehmend professionellen Banden, die Auftragslisten von Kunden aus der Unterwelt abarbeiten.
Es werden regelrechte Bestelllisten von Auftraggebern aus der Unterwelt abgearbeitet.
Selbstbedienungskassen verursachen höhere Verluste, aber das EHI sagt, ihr Anteil sei noch zu gering, um der Haupttreiber des Anstiegs zu sein; die meisten nicht bezahlten Artikel an Selbstbedienungskassen resultierten aus Bedienungsfehlern und nicht aus vorsätzlichem Diebstahl.
Reaktion und Ausblick
Horst sagte, Diebe würden immer aggressiver und Sicherheitsfirmen wird empfohlen, stichsichere Westen zu tragen. Der HDE forderte eine konsequentere Verfolgung von Ladendiebstählen und eine bessere Ausstattung von Polizei und Gerichten. Für 2026 erwartet Horst keinen weiteren Anstieg, sofern keine weiteren politischen oder gesellschaftlichen Umwälzungen eintreten und verbesserte Präventionsmaßnahmen greifen.
Die Diebe werden immer aggressiver.
Die Studie befragte 103 Unternehmen, die 21.225 Geschäfte betreiben, wobei die Ergebnisse auf den gesamten deutschen Einzelhandel hochgerechnet wurden. Häufig gestohlene Artikel sind alkoholische Getränke, Tabakwaren, Kaffee und Rasierklingen.


