Schiedsstelle verhängt Sozialplan für Zalando-Standort Erfurt, keine Transfergesellschaft
Nach monatelanger Blockade hat eine Schiedsstelle einen Sozialplan für die 2.100 Beschäftigten des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt verhängt und damit den Weg für die Schließung des Standorts Ende September freigemacht.
Hintergrund
Im Januar 2026 kündigte Zalando die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt, Thüringen, an – einem Standort, der für das Wachstum des Online-Modehändlers zentral war. Die Entscheidung löste Proteste des Betriebsrats, der Gewerkschaften und der Mitarbeiter sowie Kritik der Thüringer Landesregierung aus. Die Beschäftigten stapelten aussortierte Arbeitskleidung vor dem Gebäude, bildeten eine Kette aus Arbeitsjacken rund um das Gelände und sammelten Unterschriften. Trotz des öffentlichen Drucks hielt Zalando an seinem Plan fest, den Standort Ende September zu schließen.
- Zalando kündigt Schließung des Logistikzentrums Erfurt an
- Schiedsstelle legt verbindlichen Sozialplan vor
- Geplante Schließung des Standorts Erfurt
Schiedsspruch
Nach monatelangen festgefahrenen Verhandlungen setzte das Arbeitsgericht Erfurt eine Einigungsstelle ein, die nun einen verbindlichen Sozialplan vorgelegt hat. Der Plan regelt vor allem Abfindungen für die rund 2.100 betroffenen Beschäftigten. Der Betriebsrat konnte jedoch keine Finanzierung für eine Transfergesellschaft durchsetzen, die den Arbeitnehmern den Wechsel zu neuen Jobs erleichtert hätte. Zalando weigerte sich, zusätzliche Mittel bereitzustellen, und die Einigungsstelle konnte eine solche Maßnahme rechtlich nicht erzwingen. Der Betriebsrat bezeichnete die Haltung des Unternehmens als „beschämend“.
Auch wenn ein wirtschaftlich akzeptables Ergebnis für die Belegschaft erzielt wurde, bleibt ein äußerst bitterer Nachgeschmack.
Auswirkungen auf die Beschäftigten
Rund 1.800 Mitarbeiter haben unbefristete Verträge, während etwa 300 befristet beschäftigt sind, deren Verträge auslaufen. Mit dem Sozialplan sind nun die rechtlichen Voraussetzungen für Massenentlassungen erfüllt. Zalando hat in seinen Finanzberichten Rückstellungen in Höhe von 80 Millionen Euro für die Schließung gebildet, die Abfindungen und mögliche Zusatzkosten wie Leiharbeiter abdecken. Das Unternehmen bestätigte, dass der Standort wie geplant Ende September geschlossen wird.
Reaktionen
Der Betriebsrat dankte der Öffentlichkeit für die Unterstützung während des gesamten Konflikts. Zuvor hatte er einen fairen und sozialverträglichen Plan gefordert und auf Zalandos Milliardeninvestitionen verwiesen, darunter die Übernahme von About You, Aktienrückkäufe und Sportsponsoring. Der Betriebsrat hatte erklärt: „Wir lassen uns nicht wie Müll entsorgen.“ Die Schließung markiert das Ende einer Einrichtung, die eine Schlüsselrolle im frühen Wachstum von Zalando spielte.


