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Spanisches Gericht ordnet Beschlagnahmung von Dokumenten im PSOE-Hauptquartier an und belastet ehemaligen Parteichef in angeblichem Justiz-Sabotage-Ring

Agenten der spanischen Guardia Civil betraten am Mittwoch die Madrider Zentrale der regierenden Sozialistischen Partei, um Dokumente zu beschlagnahmen, während ein Richter des Nationalgerichts den ehemaligen Organisationssekretär Santos Cerdán in einem angeblichen kriminellen Komplott zur Destabilisierung von Gerichtsverfahren gegen die Partei und die Regierung belastete.

Operation in der Calle Ferraz

Agenten der Unidad Central Operativa (UCO) der Guardia Civil trafen am frühen Mittwochmorgen in der PSOE-Zentrale in der Calle Ferraz in Madrid ein. Die vom Richter des Nationalgerichts Santiago Pedraz genehmigte Operation war keine Überraschungsrazzia, sondern ein förmliches gerichtliches Ersuchen um bestimmte Dokumente und elektronische Dateien. Die UCO wollte die vollständigen Inhalte der Firmen-E-Mail-Konten des ehemaligen Organisationssekretärs Santos Cerdán, der Parteimanagerin Ana María Fuentes, des Kommunikationschefs Ion Antolín und anderer Mitarbeiter extrahieren, wobei die Durchsuchungen Zeiträume von 2021 bis zur Gegenwart abdeckten.

Beschlagnahmung verschiedener Dokumente und elektronischer Dateien im Rahmen einer Untersuchung eines Netzwerks zur Destabilisierung von Gerichtsverfahren gegen die regierende Partei.

Die angebliche kriminelle Struktur

Die von mehreren spanischen Medien eingesehene gerichtliche Anordnung von Richter Pedraz stellt Santos Cerdán an die Spitze des angeblichen Komplotts. Der Richter behauptet, dass Cerdán in seiner Eigenschaft als Organisationssekretär „die eigene Struktur der PSOE der kriminellen Struktur zur Verfügung gestellt“ habe. In der Anordnung wird aufgeführt, wie die Partei angeblich die Kosten der Aktivität übernommen, Personal für Verwaltungsaufgaben bereitgestellt, ihre Räumlichkeiten für Treffen zur Verfügung gestellt und die Logistik einschließlich Reise- und Fahrzeugmieten für Mitglieder des Netzwerks finanziert habe.

Von Beginn an trug es die Kosten der untersuchten Aktivität, erlaubte es, sein Personal für Verwaltungsaufgaben zu nutzen, stellte seine Räumlichkeiten für die Abhaltung von Treffen zur Verfügung oder trug die Kosten der Logistik.

Finanzielle Spur und Schlüsselfiguren

Die Untersuchung konzentriert sich auf die ehemalige PSOE-Militante Leire Díez und angebliche unregelmäßige Zahlungen an sie im Jahr 2024. Laut den Gerichtsdokumenten wurden diese Zahlungen über verschiedene Unternehmen oder Scheinrechnungen kanalisiert, darunter vier Zahlungen in Höhe von jeweils 4.000 Euro von der Beratungsfirma Zaño, die dem ehemaligen andalusischen Vizepräsidenten Gaspar Zarrías gehört, angeblich von Cerdán selbst arrangiert. Über Cerdán, Zarrías und Fuentes hinaus hat das Nationalgericht auch den Unternehmer Javier Pérez Dolset, zwei Anwälte und einen ehemaligen Polizeibeamten angeklagt. Die mutmaßlichen Straftaten, die untersucht werden, umfassen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Bestechung, Geheimnisverrat, Verleitung zu falscher Aussage, falsche Anschuldigung, Fälschung von Handelsdokumenten, Amtsmissbrauch, Einflussnahme und Straftaten gegen staatliche Institutionen.

Gleichzeitige Durchsuchungen

Während der Dokumentenbeschlagnahmung in der Ferraz-Zentrale durchsuchten UCO-Agenten gleichzeitig mehrere Privatwohnungen. Cerdáns Haus in Milagro, Navarra, wurde den ganzen Morgen durchsucht, die Aktion endete gegen 15:00 Uhr, und die Agenten verließen das Haus mit verschiedenen Dokumenten. Auch das Haus von Gaspar Zarrías in Madrid und die Residenz des Unternehmers Javier Pérez Dolset in Móstoles, Madrid, wurden durchsucht. Das Gericht hat Zugangsprotokolle zur Ferraz-Zentrale für 26 Personen an 36 bestimmten Daten zwischen April 2024 und Mai 2025 angefordert, darunter Besuche des ehemaligen Kommissars José Manuel Villarejo und des ehemaligen PP-Staatssekretärs für Sicherheit Francisco Martínez.

Politische Auswirkungen

Die Nachricht von der UCO-Operation in der Ferraz-Zentrale störte die parlamentarische Kontrollsitzung der Regierung im Kongress. Die Koalitionspartner der Regierung zeigten wachsende Unruhe. ERC-Sprecher Gabriel Rufián bezeichnete die Aktion als „schreckliche Anomalie“ und setzte irreguläre Finanzierung als rote Linie: Seine Partei werde Neuwahlen fordern, falls Beweise für illegale Finanzierung vorlägen. Vizepräsidentin Yolanda Díaz äußerte von ihrem Sitz aus ihr Missfallen, während Sumars Enrique Santiago das, was er als „sehr organisierte dreigleisige Destabilisierungsoperation“ bezeichnete, anprangerte, an der die politische Rechte, eine Minderheit innerhalb der Justiz und die US-Botschaft in Madrid beteiligt seien.

Wenn es Beweise gäbe, würden wir Neuwahlen fordern.

Zeitleiste der Schlüsseldaten

Die gerichtliche Anordnung hebt 36 bestimmte Daten hervor, die mit justiziellen Entwicklungen in Fällen von Personen in der Nähe der Regierung zusammenfallen. Der Zeitraum beginnt um den 24. April 2024, als Premierminister Pedro Sánchez einen offenen Brief veröffentlichte, in dem er eine Phase der Reflexion über seine Kontinuität ankündigte, nachdem vorläufige Ermittlungen gegen seine Frau Begoña Gómez eingeleitet worden waren. Andere markierte Daten stimmen mit Entwicklungen in den Fällen des ehemaligen Generalstaatsanwalts, Sánchez' Bruder David Sánchez, des „Koldo-Falls“ und Verfahren gegen den Partner der Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso überein.

Schlüsseldaten der Untersuchung des 'Caso Leire Díez'
  1. Premierminister Sánchez veröffentlicht offenen Brief, in dem er über seine Kontinuität nachdenkt, nachdem ein Verfahren gegen seine Frau Begoña Gómez eröffnet wurde.
  2. Leire Díez teilt ihrem Mitarbeiter Vicente Fernández mit, dass Santos Cerdán sie für erbrachte Leistungen bezahlen möchte.
  3. Leire Díez erhält angeblich vier Zahlungen in Höhe von jeweils 4.000 Euro von der Beratungsfirma Zaño, arrangiert von Cerdán.
  4. Das Nationalgericht leitet Verfahren gegen Díez wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten ein, die mit Versuchen verbunden sind, Polizei- und Gerichtsverfahren zu beeinflussen.
  5. UCO beschlagnahmt Dokumente im PSOE-Hauptquartier und durchsucht Wohnungen von Cerdán, Zarrías und Pérez Dolset; Cerdán wird formell angeklagt.
Madrid · Milagro · Móstoles

8 Quellen

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