
Häftling flieht aus Duisburger Gefängnis über das Dach nach Durchsägen der Zellengitter
Ein 35-jähriger Untersuchungshäftling ist am frühen Sonntagmorgen aus der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn geflohen, nachdem er die Gitterstäbe seiner Zelle durchgesägt und über das Dach geklettert war.
Der Fluchtweg
Ein 35-jähriger Häftling ist am Sonntagmorgen gegen 03:20 Uhr aus der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn in Nordrhein-Westfalen geflohen. Die Ermittler stellten fest, dass der Mann über einen längeren Zeitraum einen Gitterstab in seiner Zelle im dritten Stock, die zum Innenhof hin liegt, durchtrennt hatte. Vor der Flucht nutzte er seinen Zellentisch als Hebel, um das zusätzliche feine Drahtgitter aufzubrechen, zwängte sich durch die enge Lücke und kletterte die Innenfassade hinauf, um das Dach über dem vierten Stock zu erreichen.
Nachdem er die Sicherungsbarrieren entlang der Dachkante überwunden hatte, gelangte der Häftling auf unbekannte Weise ins Freie auf der Außenseite des Komplexes. Die 1912 als Anbau an das Amtsgericht Hamborn errichtete Justizvollzugsanstalt liegt direkt im Stadtgebiet ohne umlaufende Außenmauer. Auf ihrer Nordseite entlang der Körnerstraße verjüngt sich das Gebäude auf drei Stockwerke und grenzt direkt an Nachbargebäude, was niedrigere Dachabschnitte bietet. Die Duisburger Polizei leitete sofort eine großangelegte Fahndung in der Region ein.
- In Untersuchungshaft genommen wegen Verdachts des schweren Diebstahls
- Zu sechs Jahren Haft wegen Wohnungseinbrüchen verurteilt, Berufung anhängig
- Flieht durch das Zellenfenster und über das Anstaltsdach
Versteck und Vorbereitung
Nach der Flucht entdeckten die Gefängnisbehörden einen verborgenen Hohlraum unter dem Linoleumboden nahe einer der Zellenwände. Das Versteck war bei den regelmäßigen Zellenkontrollen unentdeckt geblieben. Lukas Kockmann, Sprecher des nordrhein-westfälischen Justizministeriums, bestätigte den Fund des versteckten Fachs.
Wir konnten bereits ein ausgeklügeltes Versteck im Boden der Zelle lokalisieren. Wir müssen davon ausgehen, dass in diesem Versteck ein Werkzeug deponiert wurde, mit dem er die Stahlstreben überhaupt erst durchsägen konnte.
Beamte bestätigten, dass bei der Untersuchung des Raums nach dem Ausbruch keine Schneidwerkzeuge in dem Hohlraum zurückgelassen wurden.
Hintergrund des Häftlings und Vorstrafen
Bei dem Flüchtigen handelt es sich nach Angaben der Behörden um einen serbischen Staatsangehörigen, der seit dem 10. Februar 2026 wegen des Verdachts des schweren Diebstahls in Untersuchungshaft in der JVA Duisburg-Hamborn saß. Ende Mai 2026 wurde er nach einer Verurteilung wegen zwei hochwertiger Wohnungseinbrüche zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Justizbeamte erklärten, dass dieses Urteil zum Zeitpunkt seiner Flucht noch nicht rechtskräftig war.
Nach Angaben aus Justizkreisen wurden bei den Einbrüchen wertvoller Schmuck und mehr als 200.000 Euro Bargeld gestohlen. Während die Behörden auf die erhebliche kriminelle Raffinesse hinwiesen, die bei diesen Straftaten an den Tag gelegt wurde, bestätigten die Strafverfolgungsbehörden, dass der Mann nicht als Gewalttäter eingestuft worden war.
Politische Prüfung und Ermittlungen
Der Ausbruch löste sofortige Überprüfungen der Abläufe innerhalb der nordrhein-westfälischen Justiz aus. Justizminister Benjamin Limbach entsandte einen ministeriellen Sicherheitsspezialisten direkt in die JVA Hamborn, um zu klären, wie es zu dem Sicherheitsverstoß kommen konnte.
Die heutige Flucht ist absolut inakzeptabel. Die oberste Priorität ist jetzt die schnelle Ergreifung des geflohenen Untersuchungshäftlings.
Limbach erklärte, die Ermittler würden die Anstalt untersuchen, um Schwachstellen zu schließen.
Wir werden vollständig untersuchen, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen unverzüglich die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Der Vorfall rückt die Führung der Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen erneut in den Fokus. Das Ministerium war bereits nach Bestechungsermittlungen gegen Gefängnismitarbeiter in den Anstalten Euskirchen, Limburg und Willich in die Kritik geraten, wo Angestellte angeblich Zahlungen annahmen, um Häftlingen verbotene Gegenstände wie Mobiltelefone und nicht genehmigte Privilegien zu verschaffen. Am Sonntagnachmittag meldete die Duisburger Polizei keine bestätigten Sichtungen des geflohenen Mannes.


