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Klima·22. Aug.

Pilzsaison in Deutschland droht zu scheitern – Sommerdürre stoppt Fruchtbildung in Hessen und Rheinland-Pfalz

Wochenlange hohe Temperaturen und trockene Böden haben verhindert, dass Pfifferlinge und Steinpilze in Westdeutschland sprießen. Experten sagen deshalb für Anfang September geplante Pilzwanderungen ab, setzen aber auf Herbstregen.

Anhaltende Dürre stoppt Sommerfruchtbildung

Waldböden in Hessen und Rheinland-Pfalz bleiben leer, da anhaltende Sommerhitze und Trockenheit das Wachstum essbarer Pilze unterdrücken. Pilzsammler, die nach Pfifferlingen suchen, haben im Juli und August in deutschen Wäldern praktisch nichts gefunden. In Fulda beobachtete Pilzexperte Alex Maier, dass das Feuchtigkeitsdefizit tief in die lokalen Grundwasserreserven reicht, sodass der Waldboden für die Pilzentwicklung nicht bereit ist. Er erklärte, dass vereinzelte Regenschauer den trockenen Boden nicht beheben könnten, da das Myzel kontinuierlichen und durchdringenden Regen über längere Zeiträume benötigt, bevor es reagieren kann.

Die Bedingungen für eine gute Saison waren bisher schlecht.

— Alex Maier

In Hofheim am Taunus berichtete Pilzexperte Thomas Lehr, dass das trockene Wetter Sommerarten wie Pfifferlinge und Sommersteinpilze 2026 zunehmend unwahrscheinlich macht. Obwohl Pilze flexible unterirdische Netzwerke besitzen, die Dürren überstehen können, ohne abzusterben, äußerte Lehr wenig Optimismus für die unmittelbare Region Rhein-Main, sofern sich die Wetterlage nicht grundlegend ändert.

Biologische Anforderungen des unterirdischen Myzels

Die sichtbaren Pilze, die von Sammlern geerntet werden, stellen nur die reproduktiven Fruchtkörper eines unterirdischen Organismus dar. Die Hauptlebensstruktur ist das Myzel, ein ausgedehntes unterirdisches Netzwerk aus Pilzfäden, das direkt mit Baumwurzeln interagiert. Dr. Till Panter, ein Experte mit Sitz in Rheinhessen, stellte fest, dass Pilze unter schwerer Dürre noch mehr leiden als Waldbäume. Arten wie Steinpilze und Pfifferlinge leben in mykorrhizaler Symbiose mit Wirtsbäumen, was bedeutet, dass dürregestresste Bäume die Energie und Nährstoffe, die ihren Pilzpartnern zur Verfügung stehen, verringern.

Die Bildung von Fruchtkörpern erfordert zwei unterschiedliche Umweltbedingungen, die zusammenwirken müssen. Erstens wirken anhaltend niedrige Temperaturen, insbesondere kalte Nächte, als biologischer Auslöser, der das Myzel zur Bildung von Fruchtkörpern anregt. Zweitens muss der Boden durchgehend feucht sein, damit die heranwachsenden Strukturen anschwellen und an die Oberfläche drängen können. Sobald sowohl kalte Nächte als auch durchdringende Regenfälle eingetreten sind, benötigt das Myzel noch bis zu zwei Wochen, um erntefähige Pilze zu produzieren.

Pilzfruchtplan und Bedingungen in Westdeutschland
  1. Juli–SeptemberTraditionelle Sommersaison für Pfifferlinge und Sommersteinpilze bringt aufgrund trockener Böden praktisch keine Pilze hervor.
  2. Anfang September 2026Pilzexperte Klaus Rödder sagt geplante Exkursionen in der Vulkaneifel ab.
  3. September–Oktober 2026Fenster für Steinpilze, falls anhaltende Regenfälle und kühle Nächte innerhalb von etwa sechs Wochen eintreten.
  4. Oktober–November 2026Erwartete Hauptsaison im Herbst, in der sich verspätete Fruchtkörper noch entwickeln könnten.

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Abgesagte Exkursionen und Ausblick auf den Herbst

Da die Bodenverhältnisse in Westdeutschland weiterhin trocken sind, reduzieren Mykologen ihre saisonalen Aktivitäten. Klaus Rödder, ein Pilzexperte mit Sitz in der Vulkaneifel, sagte für Anfang September geplante geführte Pilzwanderungen ab, weil die Waldböden keinerlei Pilzaktivität aufweisen. Er warnte, dass kurze Regenschauer nicht ausreichen, um den biologischen Kreislauf nach Wochen der Hitze wieder in Gang zu setzen.

Es ist auch möglich, dass die Pilzsaison komplett ausfällt.

— Klaus Rödder

Dr. Till Panter schloss ebenfalls ein spätes Auftauchen von Pfifferlingen in Rheinhessen in diesem Jahr aus, merkte jedoch an, dass Steinpilze im September oder Oktober noch erscheinen könnten, wenn anhaltende Niederschläge eintreten. Pilze benötigen kontinuierlichen Regen im kommenden Monat und eineinhalb, um das Myzel wiederzubeleben und das Herbstwachstum zu ermöglichen.

Wenn es so bleibt, werden die Leute wenig bis gar nichts finden.

— Till Panter

Langfristige saisonale Verschiebungen

Pilzexperten in Hessen und Rheinland-Pfalz beobachten, dass sich der jährliche Rhythmus der Pilzfruchtbildung in den letzten Jahren in den Herbst verschoben hat. Heiße und trockene Sommer verzögern zunehmend die Entwicklung der Fruchtkörper und verschieben das Kernfenster für die Pilzsuche in den späten Oktober und November. Dieser Trend verdichtet die Pilzernte auf einen kürzeren Zeitraum und verringert die Verlässlichkeit traditioneller saisonaler Kalender. Klaus Rödder beobachtete, dass Pilze nicht mehr den Lehrbuchplänen folgen, sodass Pilzsammler von der Wetterentwicklung im Spätherbst abhängig sind.

Fulda · Hofheim am Taunus · Daun
Alex Maier
Alexander MaierDaunFuldaHofheim am Taunus

4 Quellen

  • Pilzsaison bleibt bislang aus - so ist die Prognose
    DIE WELT·22. Aug.
  • Pilzsaison droht auszufallen - darauf kommt es jetzt an
    DIE WELT·22. Aug.
  • Hoffen auf Regen: Pilzsaison droht auszufallen - darauf kommt es jetzt an
    ZEIT ONLINE·22. Aug.
  • Hessen: Pilzsaison bleibt bislang aus - so ist die Prognose
    N-tv·22. Aug.

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