Anhaltende Sommerdürre verzögert Herbstpilzsaison in Norddeutschland
Mykologen berichten, dass wochenlange hohe Temperaturen und minimale Niederschläge das Pilzwachstum in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zum Erliegen gebracht haben, wodurch sich die Haupternte in den Spätherbst verschiebt.
Dürre verzögert Pilzaufkommen in Norddeutschland
Anhaltende sommerliche Trockenperioden in Norddeutschland haben die Hauptsaison für Herbstpilze verzögert und lassen Sammler in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit leeren Körben zurück. Regionale mykologische Fachleute berichten, dass die jüngste heiße und trockene Witterung das Aufkommen gängiger Speisepilze wie Steinpilze, Maronenröhrlinge und Wiesenpilze eingeschränkt hat. Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz stehen Sammler vor trockenen Waldböden, auf denen normalerweise frühe Arten wie Pfifferlinge gesammelt werden.
Die Pilzberater Jonas Frank und Sine Ulukaya, die die Bildungsplattform Pilzgeflüster Schleswig-Holstein betreiben und Exkursionen rund um Kiel und Rendsburg leiten, bestätigten, dass die Sommerernte spärlich blieb.
Die aktuelle Dürre hat tatsächlich Auswirkungen auf das Wachstum der Pilze.
Feuchtigkeitsschwellen und Pilzbiologie
Pilze sind stark auf Bodenfeuchtigkeit angewiesen, um oberirdisch sichtbare Fruchtkörper zu bilden. Der Hamburger Pilzcoach Linus Koch wies darauf hin, dass sich verstärkende Hitzephasen die Waldflora, -fauna und das Pilzmyzel stark belasten. Laut regionalen Experten sollten Sammler eine Faustregel beachten: Bekannte Speisepilze erscheinen in der Regel zwei bis vier Wochen nach ergiebigen Regenfällen, die auf längere Trockenperioden folgen.
Die biologischen Anforderungen unterscheiden sich je nach Art erheblich. Der Rostocker Pilzcoach Robert Sprunk erklärte, dass Mykorrhizapilze wie der Steinpilz auf komplexe symbioseartige Beziehungen mit Wirtsbäumen angewiesen sind und anhaltende Feuchtigkeit benötigen. Im Gegensatz dazu können saprophytische Arten wie der Schopf-Tintling oft nach einem einzigen starken Regenschauer schnell sprießen.
- Sommersteinpilzaufkommen in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet
- Kurze Trockenperiode führt zu vorübergehendem Rückgang der Pilzzahlen
- Große Artenvielfalt reicht bis weit in die Herbstsaison hinein
- Sommerdürre stoppt den Beginn der Herbstpilzernte
- Weitere Wachstumsverzögerungen erwartet, falls die Trockenheit ohne Regen anhält
Saisonale Vergleiche mit der Ernte 2025
Der schleppende Start im August 2026 steht im Gegensatz zu den regionalen Erträgen, die während der Pilzsaison 2025 erzielt wurden. In Mecklenburg-Vorpommern brachte 2025 starke Ergebnisse für gezielte Sammlungen, beginnend mit einer breiten Welle von Sommersteinpilzen im ganzen Bundesland im Juli. Während eine kurze Trockenperiode im Oktober 2025 zu einem vorübergehenden Rückgang führte, erholte sich die robuste Artenvielfalt und hielt bis November an.
In Hamburg bewertete Linus Koch die Ernte 2025 für Speisepilze als durchwachsen, geprägt von abwechselnden Dürreperioden und intensiven Niederschlägen. Frank und Ulukaya stellten fest, dass in Schleswig-Holstein 2025 etwas geringere Mengen gesammelt wurden als in früheren Jahren. Sollte die Trockenheit bis in den September 2026 anhalten, warnen Experten, dass die Hauptsaison im Herbst weiter nach hinten verschoben wird.
Verteilung der Sammelaktivitäten und Lebensraumvielfalt
Um eine Überernte in beliebten Wäldern während der verkürzten Herbstsaison zu vermeiden, empfehlen Experten, die Sammelgewohnheiten auf verschiedene Jahreszeiten, Lebensräume und Arten auszuweiten. Robert Sprunk wies darauf hin, dass die saisonale Pilzsuche das ganze Jahr über möglich ist, beginnend bereits im März oder April für Morcheljäger.
Wenn man die Hauptsaison im Herbst betrachtet, in der die meisten und auch die prominenten Arten ihre Fruchtkörper zeigen, wird es in den Regionen wahrscheinlich einen verzögerten Start geben.
Sprunk riet Sammlern, übersehene Standorte wie ältere öffentliche Parks und kommunale Grünflächen zu erkunden, die häufig vielfältige Pilzgemeinschaften beherbergen und gleichzeitig den Fußgängerverkehr in beliebten Staatswäldern entlasten. In städtischen Gebieten bietet Hamburg abwechslungsreiche Lebensräume in innerstädtischen Parks und Randwäldern. Frank und Ulukaya empfehlen, die Datenbank der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zu konsultieren, um zu ermitteln, ob die lokalen Waldböden kalkhaltig oder sauer sind, sodass Sammler ihre Exkursionen auf bestimmte Zielarten abstimmen können.


