
Deutschland beschuldigt Russland des Drohnenangriffs auf Flughafen Leipzig und schließt Konsulat in Bonn
Deutsche Behörden haben zwei mutmaßliche russlandnahe Verdächtige hinter einem Sprengstoffdrohnen-Anschlag auf ein ukrainisches Antonov-Transportflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle identifiziert, woraufhin Berlin russische diplomatische Einrichtungen schloss.
Ermittlungen und Profile der Verdächtigen
Deutsche Ermittler des Bundeskriminalamts identifizierten zwei Verdächtige im Zusammenhang mit einem versuchten Sabotageakt am Flughafen Leipzig/Halle. Nach Ermittlungsergebnissen, über die deutsche Medien berichteten, handelt es sich bei dem mutmaßlichen Hauptlogistikkoordinator und Ausbilder um einen in Russland geborenen Mann mit lettischem Pass, der Verbindungen zu russischen Geheimdiensten unterhält. Der Verdächtige traf Ende Juli über den Flughafen Berlin-Brandenburg ein, reiste mit einem Mietwagen nach Sachsen und verließ Deutschland zwei Tage vor dem Vorfall über Berlin. Der zweite Verdächtige, ein belarussischer Staatsangehöriger mit russischem Pass, wurde anhand von DNA identifiziert, die von einer auf dem Flugfeld gefundenen Drohne sichergestellt wurde. Diese Person hatte eine Vorstrafenakte in baltischen Staaten, darunter Litauen und Finnland, und reiste mit einem italienischen Touristenvisum, das Ende April in Minsk ausgestellt worden war, in den Schengen-Raum ein.
Der Sabotageversuch am Flughafen
Der Sabotageakt ereignete sich in der Nacht vom 4. auf den 5. August, als eine mit Sprengstoff beladene Drohne den Flügel eines ukrainischen Antonov An-124-Frachtflugzeugs traf, das auf dem Rollfeld parkte. Der Flughafenbetrieb wurde sofort nach der Entdeckung der unbemannten Drohne und ihres Zünders eingestellt. Etwa 20 Minuten später kollidierte eine zweite Drohne mit einem DHL-Frachtflugzeug, das daraufhin seinen Anflug abbrechen und nach Hannover ausweichen musste, wo Techniker geringfügige Schäden feststellten. Am 14. August entdeckten Sicherheitskräfte in der Nähe des Flugfelds eine weitere Sprengstoffdrohne sowie Bodenantennen, die zur Steuerung des Geräts dienten.
- Belarussischer Verdächtiger erhält italienisches Schengen-Touristenvisum in Minsk
- Lettischer Passinhaber reist über Berlin nach Deutschland ein und fährt nach Sachsen
- Sprengstoffdrohne trifft Flügel eines ukrainischen Antonov An-124-Frachtflugzeugs
- Ermittler finden weitere Sprengstoffdrohne und Steuerantennen in der Nähe des Flughafens
- Deutsche Minister machen Russland verantwortlich und ordnen Schließung des Bonner Konsulats an
- Ermittler identifizieren zwei Verdächtige, Moskau bestellt deutschen Geschäftsträger ein
Diplomatische Folgen und Sanktionen
Am 1. September schrieben Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul den Vorfall offiziell russischen staatlichen Stellen zu und stuften ihn als hybriden Angriff ein. Als Reaktion ordnete die Bundesregierung die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn an und kündigte die Vereinbarung, die den Betrieb des Russischen Hauses im Berliner Zentrum erlaubte. Wadephul kündigte an, zusätzliche EU-Sanktionen gegen russische Personen vorschlagen zu wollen.
Russland hat die Lage eskaliert und einen hybriden Angriff gegen Deutschland durchgeführt, und muss daher die Konsequenzen tragen.
Nach der Ankündigung bestellte das russische Außenministerium den deutschen Geschäftsträger Bernd Finke in Moskau ein. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, der Kreml werde auf alle deutschen Maßnahmen reagieren. Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte die deutschen Behörden, Beweise zu fabrizieren, und nannte Berlins Vergeltungsschritte einen schweren Fehler.
Weitere Sicherheitsvorfälle und europäische Reaktionen
Der Vorfall in Leipzig fiel mit mehreren anderen Angriffen auf die Infrastruktur in ganz Deutschland zusammen. Deutsche Behörden entdeckten am 1. September einen versuchten Sabotageakt gegen die Energieinfrastruktur in Bergheim. Am folgenden Tag wurden bei einer Explosion am Augsburger Hauptbahnhof zwei Menschen verletzt, während Sicherheitskräfte in Brandenburg Raketenwerfer in der Nähe einer Umspannstation des Kohlekraftwerks Jänschwalde entdeckten. Als Reaktion darauf bekundeten europäische Staats- und Regierungschefs ihre Solidarität mit Berlin, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski äußerte sich während eines EU-Ministertreffens in Irland zu der Eskalation.
Wir suchen keinen Konflikt mit Russland, aber es scheint, dass Russland einen hybriden Krieg gegen uns führt, und wir müssen Putin zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen.
Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot bestätigte, dass Frankreich die von Deutschland vorgeschlagenen Sanktionen unterstützen und zusätzliche Beschränkungen gegen die russische Schattenflotte vorschlagen werde.


