
Drei Tote bei Massenpanik auf überfülltem Boot im Ärmelkanal vor der französischen Küste
Ein zehnjähriges Kind und zwei Frauen starben durch Erdrücken auf einem Schlauchboot mit 105 Passagieren vor Nordfrankreich. Rettungsaktionen in Calais und eine gerichtliche Untersuchung wurden eingeleitet.
Überfülltes Schlauchboot gerät vor Nordfrankreich in Schwierigkeiten
Ein zehnjähriges Kind und zwei Frauen in ihren Dreißigern starben am Montag bei dem Versuch, von Nordfrankreich nach Großbritannien über den Ärmelkanal zu gelangen. Die französischen Behörden teilten mit, die Opfer seien auf einem überfüllten Schlauchboot mit 105 Menschen erdrückt worden. Das Boot geriet bei ruhiger See in Schwierigkeiten, nachdem es von der nordfranzösischen Küste nahe Bleriot Plage und Wissant abgelegt hatte. Schlepper betrieben das Boot als Taxi und nahmen Passagiere auf, die vom Strand aus ins flache Wasser wateten. Ein Notarztteam wurde per Helikopter zum französischen Seenotrettungsschiff gebracht, wo die Besatzung die drei Opfer für tot erklärte.
François-Xavier Lauch, Präfekt von Pas-de-Calais, äußerte sich auf einer Pressekonferenz zu den Erkenntnissen.
Offenbar gab es keine Ertrunkenen, es handelte sich wahrscheinlich um Erdrücken, was genauso schrecklich ist, besonders wenn man an das zehnjährige Kind denkt.
Rettungsaktion und Ermittlungen
Das Rettungsschiff legte am Vormittag im Hafen von Calais an, um die überlebenden Passagiere von Bord zu lassen, von denen neun nicht lebensbedrohliche medizinische Behandlung benötigten. Bis 10:30 Uhr Ortszeit waren sechs Rettungsboote im Einsatz, um nach möglichen weiteren Personen im Wasser zu suchen. Die Staatsanwaltschaft in Boulogne-sur-Mer leitete eine gerichtliche Untersuchung ein, um die genauen Umstände der Massenpanik zu klären. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie chaotischer Abfahrten entlang der Küste, bei denen bereits in der Vorwoche drei Leichen geborgen wurden. In einem separaten Vorfall am Montag in Gravelines durchtrennte die französische Polizei ein Schlauchboot und setzte Tränengas ein, um eine große Gruppe von Migranten vor dem Ablegen zu zerstreuen.
- Überfülltes Schlauchboot mit 105 Menschen sendet Notruf vor Wissant
- Sechs Rettungsboote führen Suchaktion vor der nordfranzösischen Küste durch
- Französisches Rettungsschiff erreicht Calais mit Überlebenden und drei Toten
- Papst Leo hält Rede in Metz zur Aufnahme von Migranten in Europa
Überfahrtszahlen und maritime Sicherheitsmaßnahmen
Nach Angaben des britischen Innenministeriums hatten bis Ende September 2026 insgesamt 18.609 Menschen den Ärmelkanal erfolgreich überquert. Das ist ein Rückgang um 42 Prozent im Vergleich zu 32.188 im gleichen Zeitraum 2025 und ein Rückgang um 26 Prozent gegenüber 25.165 bis zu diesem Zeitpunkt im Jahr 2024. Im gesamten Jahr 2025 überquerten mehr als 41.000 Menschen den Kanal, mindestens 29 kamen ums Leben; im Jahr 2026 gab es bisher mindestens 17 Todesfälle im Kanal. Trotz des Rückgangs der Gesamtzahlen im Jahresvergleich erreichten am Mittwoch mehr als 700 Menschen das Vereinigte Königreich – der höchste Tageswert des Jahres. Nach zwei unkontrollierten Landungen von Schlauchbooten an der britischen Küste in der vergangenen Woche ordnete die britische Innenministerin Shabana Mahmood eine dringende Überprüfung durch das Border Security Command an.
- 2024 (Ende September)
- 25165
- 2025 (Ende September)
- 32188
- 2026 (Ende September)
- 18609
Politische Reaktionen beiderseits des Kanals
Der offizielle Sprecher des britischen Premierministers reagierte am Montag auf die Todesfälle und bezeichnete das Ereignis als Erinnerung an die Risiken des Menschenschmuggels.
Wir sind zutiefst betroffen über die Nachricht von den Todesfällen in Frankreich heute. Es ist eine deutliche Erinnerung an die Gefahren, die von den kriminellen Banden ausgehen, die schutzbedürftige Menschen aus Profitgier ausbeuten, und wir werden unermüdlich weiterarbeiten. Es ist das Versprechen des Premierministers, mehr zu tun, um diese gefährlichen Reisen zu verhindern.
Stunden nach der Rettung hielt Papst Leo in der nordostfranzösischen Stadt Metz eine Rede, in der er die Europäer aufforderte, Migranten willkommen zu heißen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Bootsüberfahrten bleiben in beiden Ländern ein zentrales Thema der politischen Debatte, nachdem Frankreich und das Vereinigte Königreich im April eine Vereinbarung zur verstärkten Geheimdienstzusammenarbeit und Küstenüberwachung getroffen hatten.

