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Makroökonomie·vor 2 Std.

DIW senkt deutsche Wachstumsprognose auf 0,5 % und warnt vor Rezession bis zum Sommer

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erklärt, der Iran-Krieg und der Energiepreisschub bremsten die Erholung, wobei die Wirtschaft voraussichtlich im zweiten und dritten Quartal schrumpfen werde.

Prognose halbiert

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine BIP-Wachstumsprognose für 2026 auf nur noch 0,5 Prozent halbiert, gegenüber den im März prognostizierten 1,0 Prozent. Für 2027 wurde die Prognose von 1,4 Prozent auf 0,8 Prozent gesenkt. Die Revision erfolgt vor dem Hintergrund, dass der Iran-Krieg und der daraus resultierende Energiepreisschock die exportlastige Wirtschaft belasten. Das DIW erwartet, dass die Produktion im zweiten und dritten Quartal leicht zurückgeht – eine technische Rezession – bevor sie sich zum Jahresende stabilisiert.

Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar – aber wir erleben keine zweite 2022/23: Der Schock ist geringer, die Energieversorgung ist weiterhin sicher, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs.

DIW halbiert deutsche BIP-Wachstumsprognose · %
2026 (März-Prognose)
1 %
2026 (Juni-Prognose)
0.5 %
2027 (März-Prognose)
1.4 %
2027 (Juni-Prognose)
0.8 %

Inflation und Arbeitsmarkt unter Druck

Die Inflation wird voraussichtlich 2,9 Prozent in diesem Jahr und 3,0 Prozent im Jahr 2027 erreichen und damit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank bleiben. Dies schmälert die Kaufkraft der Haushalte und trübt die Aussichten für den privaten Konsum. Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 auf 6,4 Prozent steigen, bevor sie im darauffolgenden Jahr wieder auf 6,2 Prozent sinkt.

Industrie schlägt Alarm

Energieintensive Sektoren wie die Chemieindustrie tragen die Hauptlast. Eine Umfrage des Chemieverbands VCI ergab, dass mehr als 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen mit weiteren Belastungen durch teure Rohstoffe und Logistik rechnen. BASF-Chef Markus Kamieth zeigte sich angesichts des Inflationsdrucks und drohender Lieferkettenstörungen weiter vorsichtig für das zweite Halbjahr. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup fügte hinzu, dass die Rohstoff- und Transportpreise in diesem Jahr nicht signifikant fallen werden. Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser glaubt unterdessen, dass sich die globalen Ölvorräte erst 2027 normalisieren könnten, während Exxon Mobil warnt, dass die Lagerbestände nur noch wenige Wochen von kritischen Tiefständen entfernt sind, die die Preise wieder anheizen könnten.

Staatsausgaben als einzige Stütze

Jegliches Wachstum in diesem Jahr ist laut DIW ausschließlich auf öffentliche Ausgaben zurückzuführen. Höhere Verteidigungsausgaben und der verzögerte Einsatz von Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität leisten eine bescheidene Unterstützung. DIW-Präsident Marcel Fratzscher forderte die Regierung jedoch auf, sich nicht auf breite Maßnahmen wie die Kraftstoffsubvention zu verlassen, nannte sie teuer, schlecht zielgerichtet und ein Geschenk an die Ölkonzerne.

Die Bundesregierung sollte diesen Fehler kein zweites Mal machen und die Kraftstoffsubvention daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern.

Er empfahl stattdessen einen gezielten Energiekostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte, ähnlich dem im Jahr 2022 eingeführten.

Berlin

6 Quellen

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