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Diplomatie·vor 1 Std.

Deutschland steht vor enger UN-Sicherheitsratswahl gegen Österreich und Portugal für die Amtszeit 2027–2028

Die UN-Generalversammlung stimmt am Mittwoch über die nichtständigen Sitze für 2027–2028 ab, wobei drei EU-Staaten um zwei westeuropäische Plätze konkurrieren.

Der Wettbewerb

Deutschland, Österreich und Portugal sind die drei Kandidaten aus der Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten (WEOG), die sich um zwei nichtständige Sitze im UN-Sicherheitsrat für die Amtszeit 2027–2028 bewerben. Die Abstimmung in der 193 Mitglieder umfassenden Generalversammlung wird voraussichtlich nach 16:00 Uhr deutscher Zeit am Mittwoch stattfinden. Für einen Sitzgewinn ist eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist seit Freitag in New York und wirbt um Unterstützung. Er sagte am Mittwochmorgen im Deutschlandfunk, er habe bei seinen Gesprächen weitere Stimmen für Deutschland gewinnen können. „Wir wussten von Anfang an, dass es ein schwieriger Wettbewerb wird, weil wir zwei andere gute Kandidaten aus Europa haben“, so Wadephul und fügte hinzu, er bleibe zuversichtlich, dass Deutschland die erforderliche Schwelle erreichen werde.

Was auf dem Spiel steht

Ein Sitz im Sicherheitsrat verspricht mehr internationales Gewicht und Einfluss. Der Rat ist das einzige UN-Gremium, das rechtlich bindende Resolutionen verabschieden kann, auch wenn er weithin als durch Vetos seiner fünf ständigen Mitglieder – China, Russland, die Vereinigten Staaten, Frankreich und das Vereinigte Königreich – blockiert gilt.

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Dienstag in Berlin: „Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, auch der Außenminister, ich persönlich und viele Kabinettskollegen, um es uns zu ermöglichen, die Zustimmung der UN-Generalversammlung zu erhalten.“ Deutschland war laut UN im Jahr 2026 der größte Beitragszahler zum UN-Haushalt, während die Vereinigten Staaten nichts zum ordentlichen Haushalt beigesteuert haben.

Die Wahlkampfstrategien der Wettbewerber

Österreich kandidiert unter dem Motto „Partnerschaft – Dialog – Vertrauen“ und beruft sich auf seine Neutralitätstradition, um sich von den beiden NATO-Mitgliedern im Rennen abzugrenzen. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hat die Perspektive eines kleinen Landes im Rat und das Fehlen einer großen Kolonialvergangenheit Österreichs als Vorteil im Globalen Süden hervorgehoben. Österreich begann seine Kandidatur 2011 vorzubereiten, kurz nach dem Ende seiner letzten Amtszeit im Rat.

Portugal startete seinen Wahlkampf 2013 und hebt seine Offenheit gegenüber der Welt und seine kulturellen Verbindungen rund um den Globus hervor. Alle drei Länder haben in ihren Kampagnen ihr Bekenntnis zum Multilateralismus betont. Ungarn hat angekündigt, für Deutschland zu stimmen.

Reformforderungen

Vor der Abstimmung forderte die Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock, eine Reform des Sicherheitsrats. „Die dortigen permanenten Blockaden untergraben massiv die Glaubwürdigkeit der gesamten Vereinten Nationen“, sagte die frühere deutsche Außenministerin im Podcast „Playbook“ von Politico. Sie bezeichnete die Reform als „überfällig“, merkte jedoch an, dass sie bisher gescheitert sei, weil sie die Zustimmung der fünf Vetomächte erfordere.

Baerbock verteidigte die UNO auch gegen grundsätzliche Kritik: „Kein einziger Tag wäre diese Welt besser dran ohne die Vereinten Nationen.“ Sie sagte, die Organisation sei gerade für Krisenzeiten geschaffen worden und müsse auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben.

Deutschlands Erfolgsbilanz

Deutschland hat sich seit der Wiedervereinigung alle acht Jahre um einen Sitz im Sicherheitsrat beworben und war stets erfolgreich. Es war sechsmal nichtständiges Mitglied, zuletzt 2019–2020. Diesmal ist der Ausgang offen, und Deutschland könnte zum ersten Mal scheitern. Wadephul räumte ein, dass Deutschlands weitgehend unkritische Haltung zu Israels Vorgehen im Nahen Osten Stimmen kosten könnte.

Wir haben das Völkerrecht stets klar verteidigt und werden das auch in Zukunft mit großer Konsequenz tun.

Wenn Deutschland gewählt wird, würde es ab Januar 2027 für zwei Jahre als nichtständiges Mitglied amtieren. Die Abstimmung könnte in mehrere Runden gehen, falls nur ein Kandidat im ersten Wahlgang genügend Unterstützung erhält.

New York

8 Quellen

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