
Deutschland verliert erstmals Wahl in den UN-Sicherheitsrat – Österreich und Portugal gewinnen Sitze
Deutschland hat am Mittwoch erstmals den Einzug als nichtständiges Mitglied in den UN-Sicherheitsrat verpasst, während Österreich und Portugal die beiden frei gewordenen Sitze für die westeuropäische Gruppe bereits im ersten Wahlgang für sich entscheiden konnten.
Deutschland hat am Mittwoch erstmals in seiner Geschichte eine Wahl in den nichtständigen Sitz des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen verloren. Österreich und Portugal sicherten sich die beiden verfügbaren Plätze der westeuropäischen Gruppe bereits im ersten Wahlgang. Die Niederlage, die von Außenminister Johann Wadephul als „schwere Schlappe“ bezeichnet wurde, löste in Berlin gegenseitige Schuldzuweisungen über die diplomatische Strategie der Regierung aus.
Die Abstimmung
Portugal erhielt 134 Stimmen, Österreich 131 – beide deutlich über der benötigten Zweidrittelmehrheit von 127. Deutschland kam nur auf 104 Stimmen und landete damit abgeschlagen auf dem dritten Platz. Die Ergebnisse wurden von der Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock, Deutschlands ehemaliger Außenministerin, bekannt gegeben. Die geheime Abstimmung umfasste 191 stimmberechtigte Mitgliedsstaaten; Afghanistan und Venezuela sind derzeit vom Stimmrecht ausgeschlossen.
Reaktionen in Berlin
Bundeskanzler Friedrich Merz räumte den Rückschlag ein, bestand jedoch darauf, dass Deutschlands Rolle bei der UNO unverändert sei.
Wadephul, der sich seit Freitag zu Lobbygesprächen mit Delegierten in New York aufgehalten hatte, nannte das Ergebnis „eine wirkliche Enttäuschung“ und erklärte, er habe persönliche Konsequenzen erwogen, sehe aber letztlich keinen Grund für einen Rücktritt. Die Stimmen der Opposition waren schärfer. Agnieszka Brugger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, bezeichnete das Ergebnis als „diese peinliche Niederlage“ und warf Merz und Wadephul vor, der Bewerbung keine moderne Substanz verliehen zu haben.Deutschland bleibt eine verlässliche Säule des multilateralen Systems. Wir tragen diese Verantwortung mit Entschlossenheit.
Schuldzuweisungen an Moskau
Wadephul machte Russland offen für die Mobilisierung von Widerstand gegen die deutsche Kandidatur verantwortlich.
Er deutete auch an, dass Deutschlands besondere Verantwortung gegenüber Israel, die in der Schoa wurzelt, Stimmen gekostet haben könnte – insbesondere bei Staaten, die Israels Politik kritisch gegenüberstehen. Der Minister bekräftigte, dass Deutschland diese Verantwortung nicht aufgeben werde.Es ist kein Geheimnis, dass Russland Stimmung gegen Deutschland gemacht hat. Da ist unsere feste Unterstützung für die Ukraine; die Tatsache, dass Russland eine solche Stimme nicht im Sicherheitsrat haben will.
Politische Folgen
Das Ergebnis wurde von innenpolitischen Rivalen sofort aufgegriffen. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Jürgen Hardt, nannte es „bedauerlich“, während der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic von einem „spürbaren außenpolitischen Rückschlag“ sprach. Die Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, bezeichnete es als „Ohrfeige für den sogenannten Außenkanzler“, und AfD-Chefin Alice Weidel fügte dem Regierungszeugnis eine weitere „Peinlichkeit“ hinzu. Die Niederlage erhöht den Druck auf die Koalitionsregierung von Merz, die mit Wirtschaftsreformen zu kämpfen hat.
Allgemeine Dynamik
Beobachter wiesen auf strukturelle Faktoren hin. Viele kleinere Staaten verübeln die Dominanz der fünf ständigen Vetomächte und zögerten möglicherweise, ein weiteres großes Land wie Deutschland in den Rat einziehen zu sehen. Deutschlands relativ später Wahlkampfstart verschaffte zudem Portugal und Österreich einen Vorteil, die ihre Kandidaturen früher angekündigt hatten. Das Land bleibt der viertgrößte Finanzbeitragszahler der UNO – das aber überzeugte die Generalversammlung nicht.
- Portugal
- 134 Stimmen
- Österreich
- 131 Stimmen
- Deutschland
- 104 Stimmen


