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Diplomatie·vor 3 Std.

Deutschland scheitert erstmals bei Wahl in den UN-Sicherheitsrat und unterliegt Portugal und Österreich

Deutschland hat einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat für den Zeitraum 2027–2028 verpasst und unterlag bereits im ersten Wahlgang Portugal und Österreich. Es ist das erste Mal, dass Berlin bei einer Kandidatur für den Sicherheitsrat abgelehnt wurde.

Deutschland erlitt am Mittwoch eine historische diplomatische Niederlage, als die UN-Generalversammlung seinen Antrag auf einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat für die Amtszeit 2027–2028 ablehnte. Portugal erhielt 134 Stimmen und Österreich 131, beide übertrafen die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 127 Stimmen. Deutschland kam nur auf 104 Stimmen und schied im ersten Wahlgang aus. Das Ergebnis wurde von der Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock, bekanntgegeben.

Ein Novum in der deutschen UN-Geschichte

Deutschland war bereits sechsmal im Sicherheitsrat vertreten, zuletzt 2019–2020, und hatte traditionell alle acht Jahre einen Sitz gewonnen. Diplomaten bestätigten, dass das Land bei einer Kandidatur noch nie zuvor gescheitert war. Die beiden freien Sitze für die Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten werden ab dem 1. Januar 2027 von Portugal und Österreich besetzt, die Dänemark und Griechenland ablösen. Simbabwe, Trinidad und Tobago sowie Kirgisistan wurden am selben Tag ebenfalls für ihre jeweiligen Regionalgruppen gewählt.

Österreich, Portugal, Trinidad und Tobago und Simbabwe haben die erforderliche Mehrheit erreicht und sind damit für die am 1. Januar 2027 beginnende Amtszeit in den Sicherheitsrat gewählt.

Ein später Start und ein starkes Feld

Deutschland gab seine Kandidatur erst 2020 bekannt, Jahre nach Österreich (2011) und Portugal (2013). Der frühere deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen sagte, Berlin sei zu spät in den Wahlkampf eingestiegen. „Nach unserer letzten Amtszeit 2019–20 haben wir uns zurückgelehnt und diese Werbekampagne nicht so intensiv geführt, wie wir es hätten tun sollen“, sagte Heusgen dem RBB-Inforadio. „Im letzten Jahr sind wir massiv eingestiegen, aber da waren viele Stimmen bereits vergeben.“ Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte, die Lehre sei, künftig früher innerhalb der Europäischen Gruppe zu koordinieren, um konkurrierende Kandidaturen zu vermeiden.

Im letzten Jahr sind wir massiv eingestiegen, aber da waren viele Stimmen bereits vergeben.

Außenpolitische Positionen als Hindernis

Außenminister Johann Wadephul verwies auf Deutschlands entschlossene Unterstützung für die Ukraine und seine engen Beziehungen zu Israel als Faktoren, die Stimmen gekostet hätten. „Wir haben immer klare Positionen zu bestimmten Themen bezogen, und das sind Positionen, die nicht alle Mitgliedstaaten teilen“, sagte Wadephul. Er fügte hinzu, es sei „kein Geheimnis“, dass Russland, ein ständiges Mitglied des Sicherheitsrats, Ressentiments gegen Deutschland geschürt habe. Die NZZ berichtete, dass Länder des Globalen Südens Deutschland zunehmend „Doppelmoral“ vorgeworfen hätten – kompromisslos beim russischen Angriffskrieg in der Ukraine, aber zurückhaltend bei der Beurteilung der Handlungen der USA oder Israels im Iran, in Gaza oder im Libanon. Wadephul räumte ein, dass Deutschlands besondere Verantwortung gegenüber Israel „uns die eine oder andere Stimme gekostet haben mag“.

Da ist unsere feste Unterstützung für die Ukraine. Russland will eine solche Stimme nicht im Sicherheitsrat.

Innere Kritik

Das Ergebnis löste im Inland heftige Kritik aus. AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete es auf X als „Blamage“. Die AfD hatte zuvor bereits Deutschlands jährliche Beiträge von rund fünf Milliarden Euro an das UN-System in Frage gestellt; Deutschland ist der zweitgrößte Nettozahler. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller nannte das Ergebnis „eindeutig und enttäuschend“ und forderte, das Bekenntnis Deutschlands zu einer regelbasierten Ordnung und zum Völkerrecht müsse klarer werden. Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte Portugal und Österreich und betonte, die Kandidatur sei richtig gewesen und werde Deutschland „langfristig“ nutzen. Er sagte, Deutschlands Verantwortung innerhalb der UN habe sich durch das Ergebnis nicht geändert.

Die Aufgaben, die wir in den Vereinten Nationen haben, ändern sich durch dieses Ergebnis nicht. Deutschland bleibt eine verlässliche Säule des multilateralen Systems.

Wie es weitergeht

Die Niederlage erschwert Merz' Bestreben, Deutschland als führende Macht in Europa und als Stimme in globalen Fragen wie dem Ukraine-Krieg und der Zukunft Gazas zu positionieren. Mehrere Kommentatoren wiesen darauf hin, dass die Relevanz des UN-Sicherheitsrates abgenommen habe und wichtige geopolitische Entscheidungen zunehmend außerhalb New Yorks getroffen würden. RP Online argumentierte, dass Merz‘ breiterer außenpolitischer Kurs – mehr bilaterale Diplomatie, strategische Partnerschaften mit China, Brasilien und arabischen Staaten sowie Bemühungen um eine Stärkung der EU – der Weg bleibe, der zähle. Der Sicherheitsrat ist das einzige UN-Gremium, das völkerrechtlich verbindliche Resolutionen, einschließlich Sanktionen und militärischer Interventionen, verabschieden kann.

Stimmenauszählung UN-Sicherheitsrat, Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten · votes
Portugal
134 votes
Österreich
131 votes
Deutschland
104 votes
Schlüsselmomente der deutschen UN-Sicherheitsrat-Bewerbung
  1. Österreich gibt seine Kandidatur für die Amtszeit 2027–2028 bekannt
  2. Portugal gibt seine Kandidatur bekannt
  3. Deutschland dient seine letzte Amtszeit im Sicherheitsrat (2019–2020)
  4. Deutschland gibt seine Kandidatur bekannt, Jahre nach seinen Konkurrenten
  5. UN-Generalversammlung stimmt ab; Deutschland verliert im ersten Wahlgang
  6. Portugal und Österreich beginnen ihre zweijährige Amtszeit
New York · Berlin

8 Quellen

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