
Deutschland erwägt Rückkehr zur Wehrpflicht bis Mitte 2027 – Freiwilligen-Rekrutierung bricht ein
Berlin muss bis zum 31. Juli 2027 entscheiden, ob die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt wird, nachdem eine Freiwilligen-Kampagne in fünf Monaten nur 530 Rekruten brachte – weit weniger als nötig, um die Bundeswehr zu vergrößern.
Eine Rekrutierungskampagne, die scheiterte
Deutschlands Bemühungen, seine Streitkräfte durch Freiwilligenmeldungen zu vergrößern, bleiben dramatisch hinter den Zielen zurück. Um den Anspruch von Bundeskanzler Friedrich Merz zu erfüllen, Euroas stärkste konventionelle Armee aufzustellen, muss die Bundeswehr von 185.000 Berufssoldaten bis 2035 auf mindestens 260.000 wachsen. Ein freiwilliger Wehrdienst und eine verpflichtende Erfassung aller 18-jährigen Männer wurden gestartet, doch von Januar bis Mai 2026 meldeten sich von rund 300.000 kontaktierten nur 530 Freiwillige.
Wenn wir diese Ziele nicht auf freiwilligem Wege erreichen können, müssen wir zur Wehrpflicht zurückkehren. Die Entscheidung muss bis zum 31. Juli nächsten Jahres fallen.
Das Wehrpflicht-Modell
Thomas Röwekamp, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages, sagte der AFP, dass die Wehrpflicht keine pauschale Einberufung eines gesamten Jahrgangs bedeuten würde – jährlich werden in Deutschland rund 350.000 Männer volljährig. Stattdessen wäre die Einberufung gezielt: Nur so viele junge Menschen würden eingezogen, wie die Bundeswehr jährlich benötigt, um ihre Rekrutierungsziele zu erreichen. Röwekamp betonte, dass es ihm vor allem darum gehe, die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten zu erhöhen, die Kampfjets, Kriegsschiffe, Panzer und Patriot-Luftabwehrsysteme bedienen.
Der geopolitische Druck
Der Vorstoß zum Wiederaufbau der militärischen Personalstärke Deutschlands hat zwei Ursachen: eine wachsende Bedrohung durch Russland und die Unberechenbarkeit des Verbündeten USA. Berlin schätzt, dass die russischen Streitkräfte bereits ab 2029 für eine direkte militärische Konfrontation mit dem Westen bereit sein könnten. Friedrich Merz hat die Truppenverstärkung als unerlässlich für die nationale und europäische Sicherheit bezeichnet.
Eine Kluft zwischen den Generationen
Röwekamp räumte ein, dass sich eine Jugendbewegung gegen den Militärdienst regelmäßig in Deutschland mobilisiert, und sagte, er verstehe ihre Unruhe. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 seien Sicherheitsthemen aus dem öffentlichen Diskurs der jüngeren Generation weitgehend verschwunden. „Meine Empfehlung ist, dass wir einen Dialog mit dieser Generation beginnen“, sagte er und argumentierte, dass Themen wie Krieg, Frieden und die Notwendigkeit der Verteidigung wieder in die nationale Debatte eingeführt werden müssten.
Der Weg zur Entscheidung
Die Parlamentsspitze hat eine feste Frist gesetzt: Bis zum 31. Juli 2027 muss die Regierung entscheiden, ob die Freiwilligen-Rekrutierung gerettet werden kann oder ob die Wehrpflicht zurückkehren muss. Röwekamp äußerte „ernste Zweifel“, dass die „sehr ambitionierten“ Freiwilligenziele erreicht werden können, was eine politische Wende hin zur Wehrpflicht immer wahrscheinlicher mache.
- Aktuell
- 185000 Soldaten
- Ziel 2035
- 260000 Soldaten

