
Alexander Dobrindt verteidigt Innenetat von 16,7 Milliarden Euro gegen russische hybride Bedrohungen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verteidigte im Bundestag eine geplante Aufstockung des Haushalts um 950 Millionen Euro und warnte, das Land sei täglich mit hybrider Kriegsführung und Sabotageversuchen im Zusammenhang mit Russland konfrontiert.
Haushaltsaufstockung und erweiterte Befugnisse
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stellte am 10. September 2026 den Haushaltsentwurf 2027 für das Bundesministerium des Innern im Bundestag vor. Der Haushalt soll um über 950 Millionen Euro auf 16,7 Milliarden Euro aufgestockt werden. Im Rahmen des Finanzierungsplans erhalten das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei zusätzliches Personal. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das für die nationale Cybersicherheit zuständig ist, und das Technische Hilfswerk erhalten beide erhöhte Mittelzuweisungen. Dobrindt wies den Widerstand des Parlaments gegen die geplanten digitalen Ermittlungsbefugnisse und eine geplante Reform des Nachrichtendienstes zurück.
Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind täglich Ziel hybrider Kriegsführung.
Hybride Angriffe und Sabotageermittlungen
Der Minister schilderte jüngste Sicherheitsvorfälle im Anschluss an eine Sondersitzung des parlamentarischen Innenausschusses, die von den Grünen beantragt worden war. Dobrindt warnte, dass russische Saboteure und Wegwerf-Agenten weiterhin versuchten, deutsche Ziele zu treffen. In München warfen Anfang des Monats zwei bulgarische Staatsangehörige, eine 28-jährige Frau und ein 38-jähriger Mann, Brandsätze von einem Fahrzeug aus in der Nähe von Räumlichkeiten, die den Rüstungskonzern Rohde & Schwarz und den Drohnenhersteller Helsing beherbergen, einen Zulieferer der ukrainischen Streitkräfte. Die Behörden nahmen beide Verdächtigen in Untersuchungshaft und durchsuchten drei Wohnungen im Münchner Stadtgebiet. Dobrindt brachte den Münchner Vorfall zudem mit Stromnetzstörungen, Cyberangriffen auf die Berliner Stadtverwaltung und einer mit Sprengstoff beladenen Drohne in Verbindung, die Anfang August in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden war.
- Deutschland eröffnet das Gemeinsame Analyse- und Strategiezentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid)
- Mit Sprengstoff beladene Drohne in der Nähe ukrainischer Frachtflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt
- Verdächtige werfen Brandsätze in der Nähe von Rüstungsfirmen in München
- Alexander Dobrindt stellt erweiterten Innenetat vor und warnt vor täglichen Bedrohungen
Debatte über Geheimdiensterkenntnisse und Beweise
Koalitionspolitiker verteidigten die offizielle Zuschreibung des Leipziger Flughafenvorfalls an Russland gegen Forderungen nach einer sofortigen Offenlegung forensischer Beweise. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, erklärte, dass Strafverfahren weiterhin der Staatsanwaltschaft unterlägen und vor Gericht und nicht in frühen öffentlichen Verlautbarungen ihren Platz hätten. Alexander Throm von der CDU sagte, die Forderungen von AfD, BSW und Die Linke nach öffentlichen Beweisen ähnelten der Position des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der zuvor eine Beteiligung bestritten und gefragt hatte, wo die Beweise seien. Dobrindt hielt daran fest, dass die Benennung der Täter hybrider Operationen notwendig sei, und erklärte, dass diejenigen, die wiederholt Beweise forderten, während sie vorhandene Erkenntnisse ignorierten, Sabotage betrieben.
Migrationszahlen und parlamentarische Kritik
Oppositionsabgeordnete äußerten starke Einwände gegen die Mittelverteilung im gesamten Innenressort. Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch bezeichnete den Haushaltsentwurf als haushaltspolitisch unverantwortlich und kritisierte Kürzungen bei Programmen der politischen Bildung im Lichte der jüngsten Gewinne der AfD bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Die Grünen-Abgeordneten Leon Eckert und Marcel Emmerich kritisierten Kürzungen bei der Finanzierung von Integrationskursen für Einwanderer, wobei Emmerich dem Minister vorwarf, redundante Verwaltungszentren einzurichten. Als Reaktion verwies Dobrindt auf Grenzsicherungsstatistiken und stellte fest, dass die Behörden 60.000 unerlaubte Einreisen verhindert und 1.700 Schleuser festgenommen hätten seit Beginn der Legislaturperiode. Er kündigte außerdem an, dass die vorübergehenden Grenzkontrollen über den 15. September 2026 hinaus bestehen blieben, und wies auf einen Rückgang der Erstanträge auf Asyl um rund 75 Prozent im Vergleich zu 2024 hin.


