
Deutschland deklassiert Curaçao 7:1 – Debütanten schreiben mit erstem WM-Tor Geschichte
Livano Comenencia glich in der 21. Minute für die kleine Karibiknation aus und löste Jubelstürme aus, bevor Julian Nagelsmanns Mannschaft in Houston mit sechs ungekrönten Toren antwortete.
Deutschland startete am Sonntag in Houston mit einem souveränen 7:1-Sieg über Turnierdebütant Curaçao in die WM 2026, doch der Auftakt der Gruppe E wird ebenso sehr dafür in Erinnerung bleiben, dass die kleinste Nation, die je eine WM erreicht hat, auf der größten Bühne ihr erstes Tor erzielte.
Curaçaos historischer Moment
Curaçao, eine karibische Inselnation mit nur 158.000 Einwohnern, geriet früh in Rückstand, als Felix Nmecha nach einem schnellen Doppelpass mit Florian Wirtz in der sechsten Minute einen Treffer ins Tor schlenzte – das schnellste Tor des Turniers bisher. Die vierfachen Weltmeister schienen auf einen unkomplizierten Abend zuzusteuern, bis Livano Comenencia in der 21. Minute einen abgefälschten Linksschuss durch die Abwehr abfeuerte, der Torwart Manuel Neuer überwand. Das Tor, Curaçaos erstes in der WM-Geschichte, versetzte ihre Fans in Ekstase und glich zum 1:1 aus.
Das Tor war absolut fantastisch für uns alle, für die Nation auch. Es ist mehr Geschichte, die geschrieben wird.
Das Tor gab Curaçao 17 Minuten lang Hoffnung, aber Deutschland stellte vor der Pause die Kontrolle wieder her. Nico Schlotterbeck köpfte in der 38. Minute eine Ecke von Nathaniel Brown zum 2:1 ein, und Kai Havertz verwandelte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit einen von Nmecha herausgeholten Elfmeter zum 3:1.
Deutsche Schleusen öffnen sich nach der Halbzeit
Julian Nagelsmanns Mannschaft, die ihren ramponierten internationalen Ruf nach den schockierenden Vorrunden-Ausfällen 2018 und 2022 wiederherstellen will, zeigte eine gnadenlose zweite Halbzeit. Jamal Musiala hielt einen Verteidiger ab und schob den Ball zum vierten Tor ein – in seinem ersten Pflichtspieleinsatz seit seinem Beinbruch bei der Klub-WM 2025. Nathaniel Brown, eine Überraschung im Kader nach herausragender Form bei Eintracht Frankfurt, traf bei seinem WM-Debüt. Der eingewechselte Deniz Undav, der trotz seiner Position als zweitbester Torschütze der Bundesliga hinter Harry Kane auf der Bank saß, steuerte ein Tor und zwei Vorlagen bei, bereitete Browns fünften Treffer vor und Havertz' siebten.
Wir haben Tore nach Standards erzielt, Tore aus dem Ballbesitz heraus, Tore aus dem Umschaltspiel nach Ballgewinnen.
Havertz, von der FIFA zum Spieler des Spiels gekürt, vollendete seinen Doppelpack mit einem feinen Abschluss zum Endstand und besiegelte damit Deutschlands höchsten WM-Sieg seit dem 8:0 gegen Saudi-Arabien im Jahr 2002. Die Leistung verlängerte Deutschlands Siegesserie auf zehn Pflichtspiele in Folge.
Advocaats Tränen und Stolz in der Niederlage
Dick Advocaat, der 78-jährige Veteran, der zuvor die Niederlande und Südkorea trainierte, weinte vor dem Anpfiff, als seine Mannschaft Geschichte schrieb. Er wurde zum ältesten Trainer, der je eine Mannschaft bei einer WM führte. Nach dem Schlusspfiff bestand er darauf, dass das Ergebnis keine Schande sei.
Das ist keine Schande. Ich denke, wir können immer noch stolz sein.
Flügelspieler Kenji Gorré beschrieb gemischte Gefühle: Stolz, das Turnier erreicht und ein Tor erzielt zu haben, aber Enttäuschung über die Höhe der Niederlage, die die höchste gegen einen Debütanten war, seit Südkorea 1954 mit 0:9 gegen Ungarn verlor.
Ausblick und Anklänge an 2014
Deutsche Medien wiesen darauf hin, dass der einzige höhere Auftaktsieg 2002 gelang, als ein 8:0 gegen Saudi-Arabien den Weg ins Finale ebnete. Die internationale Presse, insbesondere in Argentinien und Brasilien, zog unvermeidliche Parallelen zu Deutschlands 7:1-Halbfinal-Demontage Brasiliens 2014. Das brasilianische Blatt O Globo berichtete, dass im Internet weit verbreitet Memes kursierten, die die beiden 7:1-Ergebnisse verglichen. Deutschland, das als nächstes auf die Elfenbeinküste trifft, bevor es gegen Ecuador spielt, geht nun mit einer gesunden Tordifferenz und neuem Selbstvertrauen in ein Turnier, in dem es den fünften Titel anstrebt.
- Felix Nmecha erzielt das schnellste Tor des Turniers (6. Minute).
- Livano Comenencia gleicht für Curaçao aus und erzielt das erste WM-Tor der Nation.
- Nico Schlotterbeck köpft Deutschland wieder in Führung.
- Kai Havertz verwandelt einen Elfmeter zum 3:1.
- Jamal Musiala erzielt Deutschlands viertes Tor.
- Nathaniel Brown trifft bei seinem WM-Debüt.
- Deniz Undav erzielt das sechste Tor.
- Kai Havertz vollendet seinen Doppelpack zum 7:1-Endstand.

