
Mitarbeiter des Stralsunder Meeresmuseums erhalten Drohungen nach Tod eines Buckelwals
Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund erhalten anhaltende Drohungen und Strafanzeigen, nachdem sie von Rettungsversuchen für einen sterbenden Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel abgeraten hatten.
Online-Gegenwind und Drohungen
Wissenschaftler und Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund erhalten weiterhin beleidigende Nachrichten und Gewaltandrohungen, vier Monate nach der Bergung eines gestrandeten Buckelwals namens Timmy. Die Feindseligkeit begann Mitte März 2026, nachdem ein prominenter Online-Influencer wissenschaftliche Institutionen und Nichtregierungsorganisationen für ihr Vorgehen mit dem gestrandeten Tier kritisiert hatte. Meeresexperten hatten empfohlen, den sterbenden Wal vor der Ostseeinsel Poel auf natürliche Weise sterben zu lassen, anstatt einzugreifen.
Die öffentliche Reaktion eskalierte schnell per E-Mail, Telefon und in sozialen Medien und richtete sich sowohl gegen die Einrichtung als auch gegen einzelne Forscher. Angreifer forderten, das Museum niederzubrennen, und sandten direkte körperliche Drohungen an Mitarbeiter. Ein Museumssprecher beschrieb die anhaltende Welle der Feindseligkeit, die nach den Kommentaren des Influencers begann.
Seit etwa Mitte März sind wir einer Shitstorm ausgesetzt, der bis heute anhält.
Sicherheitsmaßnahmen und falsche Anschuldigungen
Die Belästigung führte zu kommunalen Datenschutzmaßnahmen, um die Belegschaft zu schützen. Alle Museumsmitarbeiter, deren Namen in Medienberichten erschienen, stellten bei den örtlichen Behörden Anträge auf Auskunftssperren, um zu verhindern, dass die Einwohnermeldeämter ihre Privatadressen und persönlichen Daten an Privatpersonen oder Unternehmen weitergeben. Zudem entfernte das Museum vorübergehend das Mitarbeiterprofilverzeichnis von seiner offiziellen Website.
Museumsdirektor Burkard Baschek bestätigte, dass die Anfeindungen bis in das private Umfeld der Mitarbeiter reichten. Baschek merkte an, dass feindselige Nachrichten direkt an Familienangehörige von Forschern gesendet wurden. Online-Gruppen beschuldigten die Wissenschaftler der vorsätzlichen unterlassenen Hilfeleistung, wobei einige Nutzer fälschlicherweise behaupteten, die Forscher hätten das Tier absichtlich sterben lassen, um sein Skelett in einem Museum auszustellen oder seine Überreste für Millionen von Euro zu verkaufen.
- Ein Online-Influencer stellt die wissenschaftliche Empfehlung zu dem gestrandeten Wal in Frage und löst Online-Beleidigungen aus.
- Die Polizei Stralsund leitet Strafverfahren ein, nachdem Drohungen und beleidigende Nachrichten an Museumspersonal gesendet wurden.
- Die Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigt, dass sie eine dreistellige Zahl von Eingaben im Zusammenhang mit dem Fall bearbeitet.
- Museum meldet anhaltende Drohungen und bestätigt, dass Mitarbeiter städtische Auskunftssperren beantragt haben.
Polizei- und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen
Die Polizei in Stralsund und die Staatsanwaltschaft in Schwerin führen mehrere strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit den Drohungen und Beleidigungskampagnen. Polizeisprecherin Juliane Boutalha von der Stralsunder Polizei bestätigte, dass die Polizei in engem Kontakt mit dem Museum stehe, um Strafanzeigen zu registrieren, sobald die gesetzlichen Schwellenwerte erreicht seien.
Da wir uns derzeit in einem laufenden Ermittlungsverfahren befinden, kann ich keine Einzelheiten nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Generell möchte ich jedoch anmerken, dass wir in engem Kontakt mit dem Meeresmuseum stehen, und sobald Tatsachen bekannt werden, die strafrechtlich relevant sind, werden selbstverständlich Strafanzeigen aufgenommen.
Mehrere regionale Behörden haben seit April 2026 Beschwerden im Zusammenhang mit dem Fall erhalten. Im Juni 2026 bestätigte die Staatsanwaltschaft Schwerin, dass sie eine dreistellige Zahl von Eingaben und Verfahren im Zusammenhang mit dem Wal bearbeite. Medienberichten zufolge wurden bei weiteren Staatsanwaltschaften in der Region zusätzliche Strafanzeigen eingereicht, darunter auch Anzeigen gegen den Landesumweltminister.


