
Deutsche Unterstützung für schnellen EU-Beitritt der Ukraine fällt auf 41 Prozent, EU-weit 47 Prozent
Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung unter 16.795 Menschen in allen EU-Mitgliedstaaten ergab, dass 83 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer wollen, dass ihr Land in den kommenden Jahren der EU beitritt – gegenüber 47 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger. In Deutschland sank die Unterstützung auf 41 Prozent.
Unterstützung sinkt in Deutschland und EU-weit
Eine am Dienstag, dem 13. Oktober, veröffentlichte Umfrage der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Unterstützung für einen EU-Beitritt der Ukraine in den kommenden Jahren seit Beginn des russischen Angriffskriegs gesunken ist. Die Stiftung beauftragte mit ihrem Instrument zur Messung der öffentlichen Meinung, Eupinions, eine repräsentative Umfrage unter 16.795 Menschen in allen EU-Mitgliedstaaten, die im Juni 2026 durchgeführt wurde. In Deutschland befürworteten 41 Prozent einen schnellen Beitritt im Juni 2026, gegenüber 61 Prozent im März 2022 – ein Rückgang um 20 Prozentpunkte –, während 59 Prozent dagegen waren. EU-weit sank die Unterstützung von 69 Prozent im März 2022 auf 47 Prozent in der Juni-Umfrage, und 53 Prozent der EU-Befragten waren dagegen. Unter den Ukrainerinnen und Ukrainern wollen 83 Prozent, dass ihr Land in den kommenden Jahren der EU beitritt.
- 2022-03
- 61 %
- 2026-06
- 41 %
Die Frage bezog sich ausdrücklich auf eine Mitgliedschaft „in den kommenden Jahren“, sodass die Ergebnisse nicht belegen, dass eine Mehrheit einen ukrainischen Beitritt grundsätzlich oder dauerhaft ablehnt. Deutschland leistet die stärkste militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine, was seine Skepsis in den Daten besonders hervortreten lässt.
Wo Deutschland unter den großen Mitgliedstaaten steht
Unter den zehn größten EU-Ländern ist die deutsche öffentliche Meinung mit 41 Prozent Unterstützung besonders skeptisch. Nur Rumänien verzeichnet einen niedrigeren Wert von 40 Prozent. Polen liegt bei 43 Prozent. Die stärkste Unterstützung unter den großen Mitgliedstaaten gibt es in Schweden mit 69 Prozent, während Spanien und Portugal jeweils 63 Prozent erreichen. Deutschland liegt deutlich unter diesen Ländern, und die Meinungen innerhalb der EU gehen weit auseinander.
- Schweden
- 69 %
- Spanien
- 63 %
- Portugal
- 63 %
- Polen
- 43 %
- Deutschland
- 41 %
- Rumänien
- 40 %
Kosten und die Gründe für Zweifel
Auf die Frage nach der besonderen Herausforderung, die ein EU-Beitritt der Ukraine für die EU darstellen würde, nannten 36 Prozent der Deutschen finanzielle Belastungen, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 28 Prozent, womit Deutschland bei dieser Sorge an der Spitze liegt. Nur 37 Prozent der Deutschen würden kurzfristige wirtschaftliche Kosten für ihr eigenes Land akzeptieren, wenn diese dazu beitrügen, die Mitgliedschaft der Ukraine zum Erfolg zu führen. EU-weit sagten dies 38 Prozent, während es in der Ukraine 67 Prozent waren. Die Frage betraf Kosten für das eigene Land, nicht höhere persönliche Ausgaben. Nur 13 Prozent der Deutschen erwarten, dass die EU mit der Ukraine als neuem Mitglied an Einfluss gewinnt.
Finanzierung und das Fazit der Stiftung
Miriam Kosmehl, Osteuropa-Expertin der Bertelsmann Stiftung, bezeichnete die prekäre finanzielle Lage der Ukraine als Herausforderung für die gesamte EU.
Die prekäre finanzielle Situation der Ukraine ist eine Herausforderung für die gesamte EU, denn Stabilität in unserem großen europäischen Nachbarn liegt in unserem gemeinsamen Interesse.
Allein der Wiederaufbau wird auf mehr als 500 Milliarden Euro geschätzt. Kosmehl sagte, zur Deckung dieses Bedarfs brauche es eine Mischung aus sich ergänzenden Instrumenten.
Dafür ist es entscheidend, die Unterstützung der Bevölkerung zu erhalten.
Die Stiftung kommt zu dem Schluss, dass ein tieferer Dialog zwischen Regierungen und Bürgerinnen und Bürgern nötig ist, um die Lücke zwischen Politik und öffentlicher Meinung zu schließen. Die Mitgliedschaft bleibt das erklärte Ziel der EU und gilt als Eckpfeiler einer künftigen europäischen Sicherheitsordnung, weshalb das strategische Ziel der Integration überzeugender vermittelt werden sollte.


