
Klingbeils Steuerreformentwurf stößt bei Steuerzahlerbund und Union auf Kritik wegen Nettoentlastung und Vereinsbesteuerung
Der Einkommensteuerreformentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil verspricht bis 2028 eine Bruttoentlastung von 10 Milliarden Euro, stößt aber bei Steuerzahlerbund und Unionspolitikern wegen der Nettoentlastung und der geplanten Vereinsbesteuerung auf scharfe Kritik.
Klingbeils Steuerreformentwurf
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat einen Gesetzentwurf zur Reform der deutschen Einkommensteuer vorgelegt, der die Bürgerinnen und Bürger bis 2028 im Vergleich zu 2026 um rund 10 Milliarden Euro brutto entlasten soll. Nach Gegenfinanzierungsmaßnahmen beträgt die Nettoentlastung knapp 5 Milliarden Euro. Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hatte sich am 2. Juli auf die Grundzüge geeinigt, die Reform soll in zwei Stufen 2027 und 2028 in Kraft treten. Laut Entwurf würden die Bürgerinnen und Bürger 2027 um 2,9 Milliarden Euro entlastet, 2028 folgen weitere 6,99 Milliarden Euro.
Der Bund der Steuerzahler kritisierte den Entwurf scharf. Verbandspräsident Reiner Holznagel nannte die Pläne in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen einen „Witz oder eine Provokation“ und sagte, der Entwurf lese sich wie eine „Giftliste“. Er bemängelte, dass kein Ausgleich der kalten Progression geplant sei, also der heimlichen Steuererhöhung, die Steuerzahler durch inflationsbedingte Lohnsteigerungen in höhere Tarifstufen bringt. Holznagel kritisierte auch die Abschaffung einer Steuervergünstigung für Unternehmer, die ihr Unternehmen im Alter oder bei Krankheit aufgeben, und wies darauf hin, dass kleine und mittlere Unternehmer davon profitiert hätten.
Wichtige Reformdetails
Der Entwurf enthält mehrere konkrete Maßnahmen. Das Kindergeld soll 2027 von 259 Euro auf 267 Euro und 2028 auf 272 Euro steigen. Der Grundfreibetrag soll bis 2028 auf 12.900 Euro ansteigen, während der Arbeitnehmer-Pauschbetrag bereits 2027 von 1.230 auf 1.430 Euro erhöht wird. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 70.601 Euro gelten. Die Regeln für steuerfreie Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sollen gelockert werden. Klingbeil hat erklärt, dass ein durchschnittlicher Haushalt bis 2028 über 600 Euro mehr pro Jahr verfügen würde.
- Aktuell
- 259 €
- 2027
- 267 €
- 2028
- 272 €
Die Gegenfinanzierung erfolgt teilweise durch höhere Steuern auf hohe Einkommen, einschließlich einer Vermögenssteuerkomponente von rund 3 Milliarden Euro, die seit Juli im Koalitionsvertrag dokumentiert ist. Der Entwurf sieht auch vor, die Freigrenze für Vereinseinkünfte von 5.000 Euro auf 1.000 Euro zu senken, was das Finanzministerium mit jährlichen Mehreinnahmen von rund 45 Millionen Euro erwartet. Dies würde kleine gemeinnützige Vereine nicht betreffen, aber wirtschaftliche Vereine, Vereine mit erheblichen Grundbesitz und Profisportvereine.
Koalitionsstreit
Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, warf Klingbeil vor, sein Wort zu brechen, da weniger als ein Drittel der ohnehin bescheidenen 10-Milliarden-Entlastung übrig bleibe.
Klingbeil bricht sein Wort, von der ohnehin mageren zehn Milliarden Euro Steuerentlastung bleibt nicht einmal ein Drittel übrig. Wir können uns dieses Blockadeverhalten der SPD weder wirtschaftlich noch politisch leisten.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagte der Bild, wer die Freigrenzen für Vereine senken wolle, ziele auf die falsche Stelle und treffe diejenigen, die oft keine finanziellen Reserven hätten oder sie in den Dienst der Gemeinschaft reinvestieren. Die finanzpolitische Sprecherin der SPD, Frauke Heiligenstadt, sagte, der Entwurf befinde sich noch in einem sehr frühen Koordinierungsstadium innerhalb der Bundesregierung, und wies darauf hin, dass die Koalition die Vereine im vergangenen Jahr durch ein Ehrenamtspaket gestärkt habe, einschließlich höherer Freibeträge für ehrenamtliche Tätigkeiten und erweiterter Haftungsprivilegien.
- Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD stellen Grundzüge der Einkommensteuerreform vor
- Gesetzentwurf wird verteilt; Steuerzahlerbund und Unionspolitiker kritisieren die Pläne


