
Innenminister schaffen Einstimmigkeitsprinzip ab und isolieren AfD vor Wahl in Sachsen-Anhalt
Die Konferenz der Innenminister hat ihr Einstimmigkeitsprinzip abgeschafft und eine Schwelle von 13 der 16 Stimmen eingeführt, nachdem die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent erreicht hatte.
Reform der Abstimmungsregel
Die Konferenz der Innenminister (IMK) hat ihre Geschäftsordnung geändert und die langjährige Vorgabe einstimmiger Beschlüsse aller 16 Bundesländer aufgegeben. Nach dem neuen Verfahren benötigen gemeinsame Beschlüsse eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 13 Stimmen. Die Regeländerung soll verhindern, dass ein einzelnes Land – konkret ein von der Alternative für Deutschland (AfD) geführtes – ein Veto gegen Beschlüsse der Konferenz einlegen kann. Die IMK koordiniert die nationale Innenpolitik und deckt operative Bereiche von Abschiebeprotokollen bis hin zum Katastrophenschutz und der zivilen Verteidigung ab. Der Bundesinnenminister nimmt an den Sitzungen als Gast mit Rede- und Antragsrecht teil, das Stimmrecht bleibt jedoch ausschließlich den 16 Landesministern vorbehalten.
Ausschluss aus vorbereitenden Gremien
Über die Anpassung der Abstimmungsschwelle hinaus haben die etablierten Parteien beschlossen, einen künftigen AfD-Innenminister von informellen Arbeitsgruppen der Konferenz auszuschließen. Die Landesinnenministerien koordinieren ihre Politik in zwei traditionellen Lagern: den SPD-geführten „A-Ländern“ und den CDU- und CSU-geführten „B-Ländern“. Historisch wurden Innenminister aus Koalitionsregierungen unter Führung der Grünen in Baden-Württemberg und der Linken in Thüringen in einem der beiden Lager integriert. Joachim Herrmann, Innenminister Bayerns und derzeitiger Sprecher der B-Länder, bestätigte, dass ein AfD-Minister von diesen geschlossenen Vorbereitungssitzungen ausgeschlossen würde.
Der Beschluss von CDU und CSU ist klar: Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD.
Herrmann erklärte, die Aussicht, einen AfD-Minister in die Unionsgruppe aufzunehmen, sei völlig ausgeschlossen.
Das wird nicht passieren.
Vertreter aus SPD-regierten Ländern erklärten ebenfalls, dass ein AfD-Minister aus der A-Länder-Gruppe ausgeschlossen würde, sodass ein potenzieller AfD-Vertreter während der vorbereitenden politischen Verhandlungen isoliert bliebe.
Nachwirkungen der Wahl in Sachsen-Anhalt
Die Verfahrensänderungen folgen auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026, bei der die AfD 43,8 Prozent der Stimmen errang und damit vor der CDU mit 17,2 Prozent lag. Der AfD fehlen drei Sitze zur absoluten Mehrheit im Landtag. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der Partei, hat erklärt, er wolle sich kurz vor Weihnachten zur Wahl des Ministerpräsidenten stellen. Für die für Anfang Dezember 2026 angesetzte IMK-Sitzung wird Sachsen-Anhalt weiterhin durch die geschäftsführende Innenministerin Tamara Zieschang von der CDU vertreten, da die Koalitionsverhandlungen andauern.
- AfD
- 43.8 %
- CDU
- 17.2 %
Institutionelle Streitigkeiten und rechtliche Herausforderungen
Die Maßnahmen innerhalb der IMK folgen auf breitere administrative und rechtliche Auseinandersetzungen um die Rolle der AfD in der deutschen Regierungsführung. Im Bundestag, wo die AfD mit 151 Abgeordneten die zweitgrößte Fraktion bildet, wurde der Partei der Zugang zum größeren Otto-Wels-Sitzungssaal verwehrt, den die kleinere SPD-Fraktion nutzt – eine Entscheidung, die das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bestätigte. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass kommunale Beamte und Landräte besondere verfassungsrechtliche Treuepflichten haben, was rechtliche Grundlagen für institutionelle Schutzmaßnahmen bietet. Rechtliche und politische Beobachter merken jedoch an, dass die Aufgabe des Einstimmigkeitsprinzips der IMK den Charakter ihrer gemeinsamen Erklärungen verändert. Nach der 13-Stimmen-Regel sind bis zu drei abweichende Länder rechtlich nicht verpflichtet, Beschlüsse der Konferenz umzusetzen, die sie abgelehnt haben.
- AfD gewinnt 43,8 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
- Konferenz der Innenminister tagt mit geschäftsführender Ministerin Tamara Zieschang
- Ulrich Siegmund strebt Wahl zum Ministerpräsidenten vor Weihnachten an


