68 % der Deutschen lehnen Abschaffung der Rente mit 63 ab – Koalition und Gewerkschaften rebellieren gegen Rentenreform
Eine Insa-Umfrage unter 1.005 Deutschen vom 6. und 7. August 2026 zeigt, dass 68 % die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ablehnen und 77 % mit der Rentenpolitik der Bundesregierung insgesamt unzufrieden sind.
Umfrageergebnisse
Eine repräsentative Insa-Umfrage unter 1.005 Befragten, durchgeführt am 6. und 7. August 2026 für Bild am Sonntag, zeigt eine breite Ablehnung der Rentenreformpläne der Bundesregierung. 68 % der Befragten lehnen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab, nur 24 % befürworten diesen Schritt, 8 % machten keine Angabe. Das Thema ist für viele persönlich relevant: 56 % gaben an, die Rente mit 63 bereits genutzt zu haben oder nutzen zu wollen, 32 % verneinten dies, 12 % machten keine Angabe. Die allgemeine Zufriedenheit mit der Rentenpolitik der Regierung ist gering: 77 % sind unzufrieden, nur 16 % zufrieden.
- Gegner der Abschaffung der Rente mit 63
- 68 %
- Befürworter der Abschaffung der Rente mit 63
- 24 %
- Gegner der Sozialabgaben auf Minijobs
- 61 %
- Befürworter der Sozialabgaben auf Minijobs
- 30 %
- Unzufrieden mit der Rentenpolitik
- 77 %
- Zufrieden mit der Rentenpolitik
- 16 %
Was die Reform beinhaltet
Die sogenannte Rente mit 63 ist irreführend benannt. Arbeitnehmer, die 45 Beitragsjahre angesammelt haben, können vor dem regulären Renteneintrittsalter von 67 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen, wobei das tatsächliche Zugangsalter bereits auf etwa 64,5 Jahre gestiegen ist und schrittweise auf 65 Jahre steigen wird. Die Abschaffung ist Teil eines umfassenderen Pakets der Alterssicherungskommission, die am 23. Juni 2026 33 Empfehlungen an die Bundesregierung übermittelte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete das Projekt als eines der schwierigsten Reformvorhaben unserer Zeit und versprach gemeinsam mit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), alle 33 Empfehlungen umzusetzen.
Ein zweiter Pfeiler der Reform würde Minijobber erstmals zur Zahlung von Sozialabgaben verpflichten, die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abdecken. Die Umfrage ergab, dass 61 % diese Maßnahme ablehnen, 30 % befürworten sie, 9 % äußerten keine Meinung. Ausnahmen für Schüler werden erwogen.
- Rentenkommission legt der Bundesregierung 33 Reformempfehlungen vor
- Insa befragt 1.005 Personen zur Rentenreform für Bild am Sonntag
- Umfrageergebnisse veröffentlicht: 68 % lehnen Abschaffung der Rente mit 63 ab
Koalitionsrebellion
Das Versprechen, alle 33 Empfehlungen umzusetzen, hielt nicht sechs Wochen. Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) fordern den Erhalt der Rente mit 63. Sie argumentieren, dass die Abschaffung Ostdeutschland besonders hart treffen würde, da viele Rentner dort ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind. Die SPD-Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (Brandenburg) und Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) haben ähnliche Positionen vertreten.
Insa-Chef Hermann Binkert sagte der Bild, dass es den Regierungsparteien bisher nicht gelungen sei, die Bevölkerung von der geplanten Rentenreform zu überzeugen.
Den Regierungsparteien ist es bisher nicht gelungen, die Bevölkerung von der geplanten Rentenreform zu überzeugen. So bekommt man die dramatisch schlechte Stimmung nicht gedreht.
Gewerkschaftlicher Widerstand
Gewerkschaftsführer haben sich der Opposition angeschlossen. Verdi-Chef Frank Werneke sagte der Bild am Sonntag, es sei ermutigend, dass immer mehr Ministerpräsidenten erkennen, dass der Vorschlag der Kommission zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren falsch sei. Die IG-Metall-Bundesvorsitzende Christiane Benner nannte die Regel gerecht und schlug Skeptikern vor, einen Hochofen, eine Werft oder ein Fließband zu besuchen, um das zu verstehen. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte, Menschen, die früh eine Ausbildung begonnen und fast ein halbes Jahrhundert gearbeitet hätten, sollten am Ende ihres Arbeitslebens nicht wie eine Zitrone ausgepresst werden. Robert Feiger, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, sagte, jemand, der 45 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt habe, habe einen abschlagsfreien Renteneintritt verdient.
Regierungsverteidiger
Nicht jeder in der Koalition wankt. Die CDU-Mittelstandsführerin Gitta Connemann beharrte darauf, dass die Union am Plan festhalten werde.
Das Rentenpaket ist kein Buffet. Man kann sich nicht nur nehmen, was einem schmeckt. Der Kompromiss ist hart erarbeitet worden. Wer ihn jetzt zerpflückt, bekommt am Ende gar keine Reform. Das schadet allen Generationen.
Der politische Hintergrund ist für die Regierungsparteien düster. Im aktuellen Deutschlandtrend von Infratest dimap liegt die Union bei 21 % und die SPD bei 12 %, was der Koalition zusammen 33 % beschert – weit entfernt von einer Mehrheit. Die AfD führt mit 28 %.


