KI-generiert·Mehr erfahren
© Norddeutscher Rundfunk
Verkehr·vor 2 Std.

Bahn-Generalüberholung gestaltet Deutschlands Hauptverkehrskorridore um: Berlin–Hamburg wiedereröffnet, neue Sperrung auf der Berliner Stadtbahn

Nach elfmonatiger Sperrung und sechswöchiger Verzögerung ist der verkehrsreichste Schienenkorridor zwischen Berlin und Hamburg am Sonntag wieder in Betrieb gegangen. Am selben Tag begann eine sechsmonatige Baupause auf der Berliner Stadtbahn, während die Verbindung Hamburg–Hannover den Ersatzverkehr ausweitete.

Das deutsche Schienennetz ist am 14. Juni in eine neue Phase seines umfassenden Infrastrukturprogramms eingetreten: Eine lang erwartete Wiedereröffnung wurde gefeiert, gleichzeitig wurden Reisende auf zwei anderen Hauptachsen mit frischen Sperrungen konfrontiert.

Hamburg–Berlin nach Verzögerung wieder frei

Die vollständig sanierte 278 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Hamburg beförderte am Samstagabend die ersten Güterzüge und am Sonntagmorgen die ersten Personenzüge. Die Wiedereröffnung beendet eine elfwöchige Sperrung, die am 1. August 2025 begann. Ursprünglich sollte das Projekt Ende April abgeschlossen sein, verzögerte sich jedoch um sechs Wochen, weil ein ungewöhnlich strenger Winter den Boden gefrieren ließ und den im Fahrplan vorgesehenen Zeitpuffer aufzehrte. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB-Infrastrukturtochter InfraGo, dankte den betroffenen Fahrgästen für ihre Geduld und bezeichnete die Arbeiten als die größte Einzelmaßnahme im Sanierungsprogramm des Konzerns für Schienenkorridore, das bis 2036 läuft.

Fernverkehrszüge werden auf einigen Abschnitten bis Ende Juni mit reduzierter Geschwindigkeit verkehren, während die technischen Abnahmetests fortgesetzt werden. Die planmäßige ICE-Fahrzeit wurde wegen des höheren Verkehrsaufkommens um zwei Minuten auf 107 Minuten verlängert. Die Strecke ist auch Teil der neuen Direktverbindung von Prag über Berlin und Hamburg nach Kopenhagen, die Anfang Mai an den Start ging.

Berliner Stadtbahn: Ein halbes Jahr ohne Fernverkehr

Kurz nach der Rückkehr der Strecke Hamburg–Berlin begann eine weitere längerfristige Sperrung. Die Bauarbeiten auf dem rund zwölf Kilometer langen Viaduktkorridor der Stadtbahn durch die Berliner Innenstadt begannen am Sonntag und dauern bis zum 12. Dezember. In dieser Zeit verkehren keine Regional- und Fernverkehrszüge zwischen Berlin-Charlottenburg und Ostbahnhof; sie werden umgeleitet oder gestrichen. Der S-Bahn-Verkehr ist weitgehend nicht betroffen, allerdings sind drei Wochenendsperrungen geplant: 26.–29. Juni, 24.–27. Juli und 31. Juli–3. August. Die Deutsche Bahn konzentriert sich auf Brücken-, Gleis- und Weichenarbeiten an den Bahnhöfen Hauptbahnhof, Zoologischer Garten und Ostbahnhof.

Hamburg–Hannover: Qualitätsoffensive ausgeweitet

Die vielbefahrene Strecke Hamburg–Hannover, einer der am stärksten belasteten Schienenkorridore Deutschlands, weitete am selben Tag ihre Einschränkungen aus. Im Rahmen einer Qualitätsoffensive, die Anfang Mai begann, wurde der Abschnitt zwischen Lüneburg und Hannover vom 14. Juni bis zum 10. Juli vollständig gesperrt. Die Regionalzüge RE3 und RB31 zwischen Uelzen und Lüneburg wurden eingestellt und durch stündliche Busse ersetzt. Auch die RE2- und RE3-Verbindungen zwischen Lüneburg, Uelzen, Celle und Hannover wurden auf Busverkehr umgestellt, während eine dritte S-Bahn-Linie (S61) den Abschnitt zwischen Celle und Hannover verstärkt. Fernverkehrsfahrten zwischen Hannover und Hamburg dauern aufgrund von Umleitungen etwa 30 Minuten länger. Eine vollständige mehrmonatige Generalsanierung des gesamten Korridors ist für 2029 geplant.

Wichtige Meilensteine der Bahnbauarbeiten in Deutschland
  1. Strecke Hamburg–Berlin wird für die Generalsanierung gesperrt.
  2. Teilweise Wiedereröffnung der Strecke Hamburg–Berlin zwischen Hagenow und Berlin.
  3. Strecke Hamburg–Berlin vollständig wiedereröffnet. Sperrung der Berliner Stadtbahn beginnt. Hamburg–Hannover weitet Sperrung auf Lüneburg–Uelzen aus.
  4. Qualitätsoffensive Hamburg–Hannover soll abgeschlossen sein.
  5. Bauarbeiten auf der Berliner Stadtbahn sollen beendet sein.

Politischer Gegenwind für die Deutsche Bahn

Die sechswöchige Verlängerung des Projekts Berlin–Hamburg zog Kritik der Regierungskoalition auf sich, die eine bessere Planung und transparentere Kommunikation forderte.

Für die kommenden Korridorsanierungen brauchen wir verlässliche Zeitpläne und transparente Kommunikation.

Auch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) äußerte Unmut über kurzfristige Änderungen während der Arbeiten an der Strecke Hamburg–Hannover, die unter anderem durch die Verzögerung auf der Strecke Hamburg–Berlin ausgelöst wurden. Geschäftsführerin Carmen Schwabl sagte, die Anpassungen hätten für alle Beteiligten enorme Herausforderungen dargestellt, und forderte die Bahn auf, die Sperrfenster effizient zu nutzen und vor 2029 auf weitere großflächige Arbeiten zu verzichten.

Programm der Korridorsanierungen

Die Deutsche Bahn geht jahrzehntelange Unterinvestitionen mit einem Plan an, bis 2040 mehr als 4.000 Kilometer stark belasteter Gleise auf 40 Korridoren zu modernisieren. Das gerade abgeschlossene Projekt Berlin–Hamburg brachte 165 Kilometer neue Gleise, 249 neue Weichen, sechs neue Stellwerke und die Modernisierung von 28 Bahnhöfen; die Belegschaft umfasste etwa 1.000 Arbeiter. Der Etat war auf 2,2 Milliarden Euro angesetzt, doch nach Abschluss der Schlussabrechnung ist mit einer Kostenüberschreitung zu rechnen. Als Nächstes stehen laut Bahn zwei weitere Korridorsanierungen an, die in etwa einem Monat abgeschlossen sein sollen.

Berlin · Hamburg · Hannover

6 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Gesellschaft & Wissenschaft