Kurz gefasst
Letschert teilte der Kammer am Donnerstag, 22. Oktober, in einem Brief mit, der Deckel von 2,5 Prozent sei angesichts der reservierten 40 Millionen Euro pro Jahr nicht mehr machbar.
Berichte beziffern die jährlichen Kosten für die Beibehaltung des Deckels bei 2,5 Prozent teils auf 160 Millionen Euro, teils auf 120 Millionen – bei einer Rücklage von 40 Millionen Euro.
Der langfristige Zins für Studienkredite soll von 2,7 auf 3,3 Prozent steigen; die DUO erhöhte den Zins Anfang Oktober 2026 auf 3,28 Prozent für 15-Jahres-Kredite.
Eine feste Zinssenkung von etwa 0,2 Prozentpunkten wird geprüft, doch die Ministerin räumt ein, dass das Budget für eine substanzielle Maßnahme zu klein ist.
- Januar 2023Der Zins für Studienkredite wird erstmals seit Jahren wieder über null festgesetzt, auf 0,46 Prozent
- 2024Der Zins steigt ein Jahr nach 0,46 Prozent auf 2,56 Prozent, was die Koalitionsparteien zu einer Obergrenze veranlasst
- Anfang Oktober 2026Die DUO erhöht den Zins auf 3,28 Prozent für Kredite mit Rückzahlung innerhalb von 15 Jahren
- 22.10.Ministerin Letschert kippt den Deckel von 2,5 Prozent in einem Brief an die Kammer
Was das Kabinett beschlossen hat
Das niederländische Kabinett hat seinen Plan aufgegeben, die Zinsen für Studienkredite bei 2,5 Prozent zu deckeln. Bildungsministerin Rianne Letschert (D66) legte die Entscheidung am Donnerstag, 22. Oktober, in einem Brief an die Zweite Kammer dar. D66, VVD und CDA hatten den Deckel im Koalitionsvertrag vereinbart und dafür 40 Millionen Euro pro Jahr reserviert. Die Ministerin erklärt nun, diese Summe reiche nicht aus, weil die Beibehaltung des Zinssatzes von 2,5 Prozent deutlich mehr kosten würde als die Rücklage. Die gemeldeten jährlichen Kosten weichen voneinander ab: Einige Berichte nennen 160 Millionen Euro, andere 120 Millionen, während NOS die Kosten mit mindestens dem Vierfachen des reservierten Budgets beziffert.
Warum der Zins steigt
Die Zinsen für Studienkredite werden von der Regierung festgelegt und jeweils für fünf Jahre fixiert. Die globalen Zinsen sind gestiegen, teils wegen des Kriegs im Iran, und der langfristige Zins für Studienkredite dürfte von 2,7 auf 3,3 Prozent klettern. Anfang Oktober erhöhte die Dienst Uitvoering Onderwijs (DUO) den Zins auf 3,28 Prozent für Kredite, die innerhalb von 15 Jahren zurückgezahlt werden, während Kredite mit einer Rückzahlung über 35 Jahre um 0,37 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent stiegen. Im Januar 2023 wurde der Zins erstmals seit Jahren wieder über null festgesetzt, auf 0,46 Prozent, und erreichte ein Jahr später 2,56 Prozent. Dieser Anstieg veranlasste D66, VVD und CDA, sich auf eine Obergrenze zu verständigen.
Die Koalition wollte den Deckel nur für die aktuelle Studentengeneration einführen, sodass frühere Studierende der sogenannten pechgeneratie, die jahrelang keine Studienbeihilfe erhielten, ausgeschlossen geblieben wären. NOS berichtet zudem, ein früherer Bildungsminister habe 2023 gewarnt, ein Deckel könne das Budget des Ministeriums leeren. Steigen die eigenen Refinanzierungskosten der Regierung, muss das Ministerium die Differenz tragen, was schnell zweistellige Millionenbeträge pro Jahr erreichen kann.
Alternativen und Reaktionen
Letschert bringt eine feste Zinssenkung von etwa 0,2 Prozentpunkten ins Spiel, die unabhängig vom Zinsniveau gelten soll. Bei hohen Zinsen könnte diese Variante teurer werden als das Budget von 40 Millionen Euro, weil Studierende ihre Kredite dann langsamer zurückzahlen würden. Eine bewegliche Obergrenze ist eine weitere Möglichkeit, die die Ministerin als sehr komplex und für die Zielgruppe schwer verständlich beschreibt. Sie räumt ein, dass das verfügbare Budget zu klein für eine substanzielle Maßnahme ist, von der (frühere) Studierende tatsächlich profitieren würden.
Der Landelijke Studentenvakbond (LSVb) zeigt sich wütend und argumentiert, das Kabinett lasse die Studierenden mit einer schweren Last zurück.
„Die einzige Sicherheit, die dieses Kabinett den Studierenden gewährt, ist die Sicherheit, dass die Zinsen in den kommenden Jahren weiter steigen werden.“
Auch das Interstedelijk Studenten Overleg (ISO) ist enttäuscht, dass das Versprechen nicht eingehalten wird.
„Die Koalition hat ein Versprechen gegeben, das sie nun nicht halten kann. Die Studierenden sind erneut die Opfer leerer Versprechen.“
Wie es weitergeht
Letschert debattiert nächste Woche mit der Zweiten Kammer über den Bildungsetat. In ihrem Brief heißt es, sie wolle das Problem zügig mit dem Parlament erörtern. Ein Meinungsbeitrag in de Volkskrant argumentiert, der Kreditzins liege seit Einführung des Darlehenssystems unter der Inflation, und verweist auf eine Prognose des Centraal Planbureau (CPB) von 3,3 Prozent Inflation in diesem Jahr. Derselbe Beitrag merkt an, dass der Zins für die Kredite der pechgeneratie daran gekoppelt ist, was die Regierung für ihre eigene Kreditaufnahme zahlt.