
Gesundheitsreform stößt im Bundestag auf scharfe Kritik von Opposition und Ländern
Der Vorschlag von Gesundheitsministerin Nina Warken, ein Defizit von 19 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen, stößt auf einen Chor der Kritik von Grünen, Linken und AfD, während die Bundesländer warnen, dass die Kürzungen Krankenhäuser auf dem Land und Innovationen gefährden.
Eröffnungssalven
Am Freitag fand im Bundestag die erste Lesung des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes statt, des Koalitionsplans zur Eindämmung des explodierenden Defizits der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Parallel dazu debattierte der Bundesrat über seine Position, und die Länderminister reihten sich ein, um Änderungen zu fordern. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) teilte dem Plenum mit, das Defizit für 2027 betrage nun „knapp 19 Milliarden Euro“, fast 4 Milliarden Euro mehr als frühere Prognosen, sodass Handlungszwang bestehe.
Unser Gesetz verlangt von jedem etwas, aber niemandem etwas Unzumutbares.
Die Zahlen hinter dem Alarm
Warken erläuterte, dass die Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben der GKV ohne ein Gesetz weiter wachsen würde, was die Beitragssätze immer weiter in die Höhe treiben könnte. Der Kabinettsentwurf sah ursprünglich Einsparungen von 15,3 Milliarden Euro vor, doch steigende Kosten erfordern nun zusätzliche 2,5 Milliarden Euro, die „gehoben“ werden müssen – durch weitere Verhandlungen. Die Koalition hat sich ein enges Vier-Wochen-Fenster gesetzt, um die Extrasumme zu vereinbaren und gleichzeitig einen Puffer zur Stabilisierung der Beiträge zu erhalten.
Wut der Opposition
Die drei Oppositionsparteien im Bundestag fielen über den Gesetzentwurf her. Der grüne Gesundheitsexperte Janosch Dahmen wies ihn als „Kürzungskahlschlag mitten hinein in die Versorgung“ zurück. Martin Sichert von der AfD nannte das Paket eine „Katastrophe“ und schwor, mit Volkswiderstand die Regierung zu stürzen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Stella Merendino, sagte, die in den letzten Tagen gesehenen Proteste seien erst der Anfang, und sagte zur Koalition: „Eure Zeit ist wirklich abgelaufen.“
Das ist kein gezieltes Sparpaket, sondern ein Kahlschlag mitten in die Versorgung.
Länder wehren sich
Auch im Bundesrat verlief die Kritik parteiübergreifend. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) warnte, die Maßnahmen gefährdeten „Versorgungsstrukturen gerade in Flächenländern“ und untergrüben das Innovationsumfeld, wobei er auf jüngste Investitionsstopps von Pharmaunternehmen in seinem Land verwies. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) nannte den Gesetzentwurf ein „reines Spargesetz ohne echte Reformen“ und eine „politische Geisterfahrt.“
Ein zentraler Kritikpunkt mehrerer Länder ist ein Ungleichgewicht bei der Bundesfinanzierung. Während die Regierung plant, ihren Beitrag zu den Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern um einige hundert Millionen Euro zu erhöhen, kürzt sie gleichzeitig den regulären Bundeszuschuss an die Krankenkassen um 2 Milliarden Euro. Der Bundesratspräsident, der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte, erklärte, er erwarte, dass die Länderkammer den Vermittlungsausschuss anruft, ein Schritt, der das Gesetz verzögern könnte, auch wenn es nicht zustimmungspflichtig ist.
Was das Gesetz bewirken würde
Warkens Entwurf zielt darauf ab, die GKV-Beitragssätze durch Ausgabenbegrenzung im gesamten Gesundheitswesen zu stabilisieren. Zu den Bestimmungen gehören die Einschränkung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehegatten, höhere Zuzahlungen für Arzneimittel, Hilfsmittel und Krankenhausaufenthalte sowie kostendämpfende Regelungen für Arztvergütungen, Krankenhäuser und Pharmaunternehmen. Christos Pantazis von der SPD betonte, dass zwar niemand überlastet werden dürfe, „nichts zu tun aber die teuerste und unsozialste Option von allen wäre.“
Nichts zu tun wäre die teuerste und unsozialste Option von allen.
Das Gesetz muss nun die parlamentarischen Ausschüsse durchlaufen. Angesichts der tiefen Feindseligkeit der Opposition und ernster Bedenken der Länder stehen der Regierung einige angespannte Wochen des Feilschens bevor, um ihr Prestigeprojekt zur Kostendämpfung auf Kurs zu halten.


