
Nicușor Dan warnt vor zunehmender Hassrede und Extremismus bei Gedenkfeier zum Iași-Pogrom
Der rumänische Präsident Nicușor Dan hat in einer Botschaft zum 85. Jahrestag des Iași-Pogroms erklärt, Hassrede werde in Rumänien und Europa wieder laut ausgesprochen, und warnte davor, dass die Gefahr des Extremismus nicht verschwunden sei.
Zeremonie auf dem jüdischen Friedhof
Die Botschaft des rumänischen Präsidenten Nicușor Dan wurde am Sonntag auf dem jüdischen Friedhof in Iași von Staatsberater Vlad Ionescu verlesen. Der israelische Präsident Isaac Herzog nahm an der Zeremonie teil, die an das Iași-Pogrom vom Juni 1941 vor 85 Jahren erinnerte. Dan bezeichnete das Pogrom als eines der dunkelsten Kapitel der rumänischen Geschichte und eine tiefe Narbe im nationalen Gewissen.
Ein systematisches Massaker
Während dreitägiger Gewalt orchestrierten die Behörden die Ermordung von etwa 13.000 Juden. Opfer wurden auf der Straße erschossen, gefoltert oder in Todeszüge gepfercht. Der Schriftsteller Mihail Sebastian hielt das Grauen in seinem Tagebuch fest.
Das Massaker in Iași ist eine Besessenheit, der wir nicht entkommen können.
Hassrede kehrt in den öffentlichen Raum zurück
Der Präsident wies auf ein erneutes Aufkommen aufhetzender Rhetorik hin.
Das Böse beginnt nicht mit Akten extremer Gewalt, sondern mit der Toleranz gegenüber Diskriminierung, Stereotypen und Ausgrenzung.
Er sagte, die Gedenkfeier sei nicht länger nur eine symbolische Geste des Erinnerns, sondern auch eine Warnung. Extremismus und Geschichtsrevisionismus, oft getarnt in scheinbar legitimer öffentlicher Debatte, blieben reale Versuchungen, und die Gefahr sei weder in Rumänien noch in ganz Europa verschwunden.
Bildung als Prävention
Dan lobte Rumäniens Fortschritte bei der Festigung von Menschenrechtsschutz und Antisemitismus-Gesetzgebung, die europäischen Standards entsprechen. Er betonte, dass diese Errungenschaften den Erinnerungsprozess nicht abschließen, sondern fortsetzen. Er unterstrich, dass Bildung die stärkste Form der Prävention sei und dass junge Menschen die Wahrheit über den Holocaust kennen müssten.
Gemeinsam verpflichten wir uns heute in Iași, nicht in die Falle der 'Banalität des Bösen' zu tappen, ein von Hannah Arendt geprägtes Konzept, und angesichts von Intoleranz, Diskriminierung und Hass wachsam zu bleiben.


