
Hessische Schulen setzen auf Chipkarten und Kunst gegen Klo-Vandalismus
Schulen in ganz Hessen kämpfen mit verwüsteten, verschmutzten Toiletten, die Schüler meiden. Die Gegenmaßnahmen reichen von Chipkarten-Zugang bis zu Kunstprojekten der Schüler.
Ein Dauerproblem
Schultoiletten in Hessen sind oft so schmutzig und beschädigt, dass Schüler sie meiden. Manche Kinder verweigern tagsüber das Trinken, um die Toiletten nicht nutzen zu müssen. Die Stadtverwaltung Wiesbaden bezeichnet die Situation als "Dauerproblem" und berichtet von zunehmendem Vandalismus. In Hanau meldet Oberbürgermeister Maximilian Bieri (SPD) Graffiti in Grundschulen und Sachbeschädigung in weiterführenden Schulen.
Bei vielen Schulen funktioniert diese Rechnung, aber in den letzten Jahren hat sich immer mehr gezeigt, dass auch neue Anlagen von den Schülern selbst sehr schlecht behandelt werden.
Grenzen der Sanierung
Die Stadt Wiesbaden hat mehrere hunderttausend Euro pro Projekt für die Komplettsanierung alter Toilettenblöcke ausgegeben, doch die Annahme, moderne, saubere Toiletten würden zu respektvoller Nutzung motivieren, hat sich nicht bestätigt. Die Überwachung durch ältere Schüler in den Pausen hilft nur in den Pausen, und Versuche, kostenpflichtige Toiletten einzuführen, scheiterten am Widerstand der Eltern. Neubauten werden mit Unisex-Einzelkabinen und kleineren Toilettenclustern ausgestattet, um die Nutzerzahl zu reduzieren.
Chipkarten in Vellmar
An der Ahnatalschule in Vellmar führte Schulleiter Manuel Coote ein Chipkartensystem ein, nachdem eine Reinigungskraft einen Zusammenbruch erlitt und Eltern berichteten, dass ihre Kinder die Toiletten mieden. Die Schule sanierte eine Mädchen- und eine Jungentoilette für 5.000 bis 6.000 Euro mit ehrenamtlichen Helfern. Die Schüler zahlen 20 Euro Kaution für eine Chipkarte, die Zugang gewährt. Die Daten werden 72 Stunden gespeichert, um Missbrauch nachzuverfolgen, doch Coote betont, dass es um Verantwortung und nicht um Überwachung geht.
Es geht nicht um Kontrolle. Es geht darum, Vandalismus zu verhindern und die Verantwortung der Schüler zu stärken.
Rund 300 Karten sind im Umlauf; 600 bis 700 der 1.000 Schüler der Schule sollen teilnehmen. Herkömmliche Toiletten stehen für andere weiterhin zur Verfügung. Die Schüler fühlen sich wohler, und die Schule hat bereits Nachbestellungen aufgegeben.
Andere Ansätze in Hessen
Im Landkreis Marburg-Biedenkopf stellte ein Sprecher fest, dass manche Probleme durch bessere Zielgenauigkeit und konsequente Nutzung von Spülung und Toilettenbürste reduziert werden könnten. Zu den Maßnahmen gehören dort digitale Chipzugänge, verstärkte Aufsicht und Kunstprojekte der Schüler. Das Projekt "Wahre Cunst (WC)" des Landkreises stellt Materialien zur Verfügung, mit denen die Schüler die Anlagen selbst gestalten können. Kostenpflichtige Toiletten wurden ebenfalls erwogen, stießen aber – wie in Wiesbaden – auf Widerstand.


