
Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Todesdrohung gegen jüdische Führungspersönlichkeit Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg
Die Münchner Staatssicherheit und die Staatsanwaltschaft haben Ermittlungen eingeleitet, nachdem im Englischen Garten eine Todesdrohung mit Bezug zur Alternative für Deutschland entdeckt wurde, die die 93-jährige Charlotte Knobloch dazu veranlasste, einen öffentlichen Auftritt abzusagen.
Bedrohung im Münchner Englischen Garten entdeckt
Behörden in München haben ein Strafverfahren eingeleitet, nachdem eine Todesdrohung gegen Charlotte Knobloch, die 93-jährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, im Englischen Garten der Stadt entdeckt wurde. Ein Passant bemerkte die auf einer Parkbank und einem angrenzenden Mülleimer im südöstlichen Teil des öffentlichen Parks angebrachte Nachricht. Der Täter verwendete einen wasserfesten weißen Marker, um die Drohung zu schreiben, die politische Slogans mit antisemitischen Symbolen, darunter einem Davidstern, kombinierte. Das Graffiti erklärte, dass die Alternative für Deutschland gewonnen habe und dass Knobloch am folgenden Tag gehängt werde. Die Münchner Polizei sicherte den Tatort und rief die Öffentlichkeit auf, Zeugen zu melden, die im südlichen Bereich des Parks verdächtiges Verhalten beobachtet haben.
Absage einer Kulturveranstaltung
Knobloch zog sich am Donnerstagabend von einem geplanten öffentlichen Auftritt zurück, unmittelbar nachdem Münchner Sicherheitsbeamte sie über die Entdeckung informiert hatten. Die 93-jährige Holocaust-Überlebende sollte an einer Podiumsdiskussion im Kulturzentrum Fat Cat teilnehmen, das sich im ehemaligen Gasteig-Komplex der Stadt befindet. Die Veranstaltung war für den Süddeutschen Zeitung-Journalisten Ronen Steinke organisiert, der sein neuestes Buch vorstellte. Ein Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde bestätigte, dass der Rückzug eine direkte Reaktion auf die genannte Drohung gegen sie war. Beamte der Organisation erklärten, dass die Absage ausschließlich diese eine Veranstaltung betraf und sich nicht auf zukünftige öffentliche Termine erstreckte. Die Münchner Polizei erklärte, dass ihre Einsatzbewertung keine Anzeichen einer akuten, unmittelbaren Bedrohung für Knobloch am Veranstaltungsort ergeben habe.
Strafrechtliche Ermittlungen durch die Staatssicherheit
Die Ermittlungen wurden formell der Münchner Staatssicherheitsabteilung und der Münchner Generalstaatsanwaltschaft übertragen. Der leitende Oberstaatsanwalt Andreas Franck, der als zentraler Antisemitismus-Beauftragter der bayerischen Staatsanwaltschaft fungiert, bestätigte, dass Ermittlungen wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Sachbeschädigung eingeleitet wurden. Franck erklärte, dass der Fall eine der prominentesten Führungspersönlichkeiten des jüdischen Lebens in Deutschland betrifft. Die Ermittler prüfen den genauen Zeitpunkt der Graffiti, die zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstag entdeckt wurden, und haben Besucher des Englischen Gartens gebeten, etwaige relevante Foto- oder Zeugenbeweise zu liefern.
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Politischer Kontext und frühere Warnungen
Das Graffiti bezog sich direkt auf die Alternative für Deutschland, nachdem die Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vorangegangenen Sonntag den ersten Platz belegt hatte. Knobloch, die zuvor Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland war, reagierte auf den Wahlausgang mit Erklärungen, die tiefe Besorgnis über die demokratische Stabilität ausdrückten.
Das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt ist ein Zeichen dafür, dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert, und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.
In späteren Kommentaren erklärte Knobloch, dass sie ihre Heimat nicht wiedererkenne, wenn rechtsextreme Parteien Wahlen gewinnen, und rief demokratische Bürger und Verfassungsorgane auf, die Rechtsnormen zu verteidigen. Ihre Äußerungen nach der Wahl folgten auf ein Interview mit dem Stern-Magazin im August, in dem sie historische Vergleiche zur politischen Entwicklung der Partei zog. In diesem Interview erklärte sie, dass sie in vielen Bereichen keinen Unterschied zwischen der AfD und der NSDAP vor deren Machtübernahme sehe, und wies darauf hin, dass frühere extremistische Bewegungen ebenfalls im Kleinen begonnen hätten, bevor sie ihre Ambitionen ausweiteten.


