
Matthieu Blazy zeigt dehnbaren Tweed und 83 Looks bei Chanel-Show in Paris
Kreativdirektor Matthieu Blazy hat am Montag sein erstes Jahr bei Chanel mit einer 83-Look-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2027 im Pariser Grand Palais markiert und dabei neben Archiventwürfen auch einen flexiblen, gerauchten Tweed vorgestellt.
Grand-Palais-Kulisse und Archivkonzept
Die Präsentation fand am Montagabend im Grand Palais in Paris statt und markierte den ersten Jahrestag von Matthieu Blazys Ernennung bei Chanel. Ein Schwarm von 95 riesigen weißen Vögeln hing unter der Glaskuppel, während der Boden mit einem reflektierenden Harzfinish in Grün und Orange versehen war. Blazy entwickelte das visuelle Konzept während eines Urlaubs in Süditalien, als er über dem Fluss Crati ziehende Vögel beobachtete. Für den Soundtrack der Show las Schauspielerin Nicole Kidman eine Passage über Zeit und Freiheit aus Virginia Woolfs Roman „To The Lighthouse“. Model Dyanira Hurbuscher eröffnete und schloss die Schau mit den 83 Looks und trug dabei Gabrielle Chanels persönliche 2.55-Handtasche aus dem Hausarchiv. Schwarz-weiße Werbebilder des britischen Fotografen David Bailey begleiteten die Kollektion.
Es ist keine historische Show, es ist eine Show über die Geschichten von Chanel.
Tweed-Innovationen und Prêt-à-porter-Silhouetten
Die Kollektion erkundete die Entwicklung von Gabrielle Chanels persönlicher Garderobe von der edwardianischen Korsettierung bis zum modernen Tailoring. Die wichtigste technische Neuerung war ein flexibler, gerauchter Tweed, der aus komprimierter Organza und Seide gefertigt wurde, sodass er sich wie Sportbekleidung dehnt und wieder in Form bringt – in den letzten 15 Looks. Blazy veränderte traditionelle Silhouetten, indem er Bleistiftröcke mit vorderen und hinteren Gehschlitzen verkürzte und die Bundhöhe auf die Hüfte senkte. Das Tailoring orientierte sich an Herrenmode: roh abgeschlossene Westen, dekonstruierte Anzüge und kurze Tweed-Jacken, die direkt auf nackter Haut getragen wurden. Transparente Röcke, bestickter Tüll und von Degas inspirierte Tutus setzten den strukturierten Stücken leichtere Texturen entgegen. Ein perlenbesticktes Korsett-Top in Kombination mit einer schwarzen Hose veranschaulichte den anhaltenden Dialog zwischen Einschränkung und körperlichem Komfort.
Farbpalette und Accessoires
Kräftige Farbschemata und ausdrucksstarke Muster wichen den gedämpften Tönen, die für die jüngsten Luxuszyklen typisch waren. Auf dem Laufsteg waren Tigerprint-Tweeds in Rot und Weiß, Fenstermuster mit Mesh-Einsätzen und geschichtete Seidenstoffe zu sehen, die an ziehende Wolkenformationen erinnerten. Chanels traditionelle zweifarbige Pumps erschienen in Leopardenprint, Zebrastreifen, gelben Polka Dots und babyblauem Leder mit metallisch silbernen Spitzen. Zum Schuhwerk gehörten auch klobige Sandalen mit großen, ineinandergreifenden goldenen C-Logos auf der Vorderseite. Stepp-Flap-Bags kamen in klassischem Burgunderrot und Schwarz sowie in kontrastierenden Zebramustern. Nach dem Finale begrüßte Blazy das Publikum zu den Synthie-Klängen von Britney Spears' Song „Gimme More“.
Chanel wirkte lebendig wie nie. Die maskuline Garderobe, die fließenden Kleider, die Dessous, der befreite Körper brachten eine neue Sinnlichkeit in das Haus.
Geschäftliche Entwicklung und Gäste auf dem Laufsteg
Die Präsentation bildete den Abschluss von Blazys erstem vollen Jahr an der Spitze des französischen Hauses, nachdem er 2025 als Nachfolger von Virginie Viard berufen worden war. Chanel belegt derzeit Platz eins im Lyst-Index der angesagtesten Modemarken. Das in Privatbesitz befindliche Chanel veröffentlicht einmal im Jahr vollständige Finanzberichte, doch von Bloomberg veröffentlichte Daten verzeichneten einen Umsatzanstieg von 16 % im ersten Halbjahr 2026. Blazy war zudem der einzige Modedesigner in Vanity Fairs jährlichem Ranking der 50 mächtigsten Menschen der Welt. In der ersten Reihe im Grand Palais saßen Pedro Pascal, Dua Lipa, Olivia Wilde, Rosie Huntington-Whiteley und John Malkovich.
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