
Spanien räumt Migrantenlager am Strand Trampolin in Ceuta vor Königbesuch
Spanische Sicherheitskräfte haben vor einem offiziellen Besuch von König Felipe VI. am 13. Oktober ein Behelfslager mit bis zu 3.500 Migranten am Strand Trampolin in Ceuta geräumt.
Räumung des Lagers am Strand Trampolin
Spanische Polizeikräfte, unterstützt von Militärpersonal, haben am Sonntag die Räumung einer behelfsmäßigen Migrantensiedlung am Strand Trampolin in der nordafrikanischen Exklave Ceuta abgeschlossen. Die spanischen Behörden brachten schätzungsweise 3.000 bis 3.500 Menschen an andere Orte, die mehr als zwei Monate lang in Zelten und Hütten aus Plastikplanen an der Küste gelebt hatten. Ein Sprecher des spanischen Innenministeriums erklärte gegenüber Reuters, die umgesiedelten Migranten würden in vorläufigen Unterkünften untergebracht, um ein förmliches Einwanderungsverfahren zu durchlaufen oder die Rückkehr nach Marokko vorzubereiten. Die Lokalzeitung El Faro berichtete, im Rahmen der koordinierten Operation seien alle Bewohner des Lagers von der Küstenlinie entfernt worden.
Abfertigung am Grenzübergang Tarajal
Die Behörden brachten die Lagerbewohner mit Bussen direkt zum Grenzübergang Tarajal zwischen Ceuta und Marokko. Am Kontrollpunkt stellten die Beamten die Menschen vor die Wahl, entweder freiwillig sofort nach Marokko zurückzukehren oder sich bei den Behörden für eine Unterbringung in provisorischen Zeltaufnahmeeinrichtungen registrieren zu lassen. Der staatliche Sender RTVE berichtete, 600 marokkanische Staatsangehörige hätten am ersten Tag der Räumung die sofortige freiwillige Rückkehr angenommen. Am zweiten Tag flohen zahlreiche Lagerbewohner in umliegende Waldgebiete, um Festnahme und Abfertigung zu entgehen.
Die Migranten versuchten weitgehend, die offizielle Registrierung zu vermeiden, weil sie eine Erfassung biometrischer Daten befürchteten. Sie sorgten sich, dass eine förmliche Registrierung schnelle Abschiebungen nach Marokko erleichtern würde, das als sicherer Herkunftsstaat eingestuft ist. Zudem würden die erfassten biometrischen Informationen es den Behörden ermöglichen, Personen zu identifizieren und sie in ihr erstes Registrierungs- oder Herkunftsland abzuschieben, falls sie später das spanische Festland oder andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union erreichten.
Kritik von humanitären Beobachtern
Der Einsatz stieß auf förmlichen Widerspruch internationaler Nichtregierungsorganisationen, die die Verhältnisse in der Exklave beobachten. Die in Dresden ansässige deutsche Hilfsorganisation Mission Lifeline verurteilte die von den spanischen Sicherheitskräften angewandten Methoden während der Lagerräumung.
Unter Druck und umringt von aggressiver Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen kann von Freiwilligkeit und einem rechtsstaatlichen Verfahren keine Rede sein.
Der Mission-Lifeline-Direktor Nolte Bauer sagte der Deutschen Presse-Agentur, die spanischen Behörden müssten die Abschiebungen einstellen und für jeden Migranten eine Einzelfallprüfung gewährleisten.
Folgen des Grenzandrangs im Juli
Die behelfsmäßige Siedlung an der Küste entstand nach einem massenhaften Grenzübertritt am 30. und 31. Juli, als zwischen 72.000 und 80.000 Menschen von Marokko aus die Grenze nach Ceuta überquerten. Obwohl die Mehrheit der Eingereisten anschließend nach Marokko zurückkehrte, blieben mindestens 10.000 Migranten in der autonomen Stadt. Der lange Aufenthalt Tausender obdachloser Menschen belastete die kommunale Infrastruktur und verstärkte die Spannungen in der lokalen Bevölkerung. Am Samstag veranstalteten Einwohner von Ceuta eine Straßendemonstration und forderten, dass alle verbliebenen Migranten die Exklave verlassen.
- Bis zu 80.000 Migranten überqueren innerhalb von zwei Tagen von Marokko aus die Grenze nach Ceuta
- Einwohner von Ceuta demonstrieren und fordern den Abzug der Migranten
- Spanische Polizei schließt die Räumung des Lagers am Strand Trampolin ab
- König Felipe VI. beginnt seinen zweitägigen offiziellen Besuch in Ceuta
Diplomatischer Hintergrund und der Königbesuch
Die Räumungsaktion fand vor einem geplanten zweitägigen Besuch des spanischen Königspaares am 13. und 14. Oktober statt. Die Reise ist der erste offizielle Besuch von König Felipe VI. in Ceuta seit seiner Thronbesteigung im Jahr 2014. Das Gebiet bleibt ein Streitpunkt zwischen Madrid und Rabat, da Marokko Gebietsansprüche auf Ceuta und Melilla erhebt, Spaniens zwei autonome Exklaven an der nordafrikanischen Küste.


