
Mindestens 67 Tote bei Migrantenansturm in Ceuta; Spanien: 48.000 nach Marokko zurückgebracht
Der spanische Innenminister erklärte am Samstag, dass mindestens 67 Menschen bei dem Versuch, die nordafrikanische Enklave zu erreichen, ums Leben kamen, während die Behörden mitteilten, dass 48.000 der rund 60.000 Einreisenden bereits zurückgeschickt worden seien.
Massenankunft mit tödlichem Ausgang
Seit Anfang letzter Woche begann ein Ansturm von Migranten, überwiegend Marokkanern, auf die spanische Enklave Ceuta an der nordafrikanischen Mittelmeerküste. Sie kamen aus der benachbarten marokkanischen Stadt Fnideq, überwanden oder umgingen die hohen Stacheldraht-Grenzzäune oder schwammen auf dem Seeweg daran vorbei. Die Schätzungen der Gesamtzahl variieren: Juan Jesús Vivas, der Präsident der Regionalregierung von Ceuta, sprach von mehr als 60.000 Einreisenden, während das spanische Innenministerium von rund 50.000 ausging. Die meisten waren junge Männer und Teenager, viele nutzten baufällige Plastikbojen. Auf dem Höhepunkt am Donnerstag, dem 30. Juli, überquerten Augenzeugen zufolge etwa 200 Menschen pro Minute die Grenze.
Die menschlichen Kosten waren hoch. Am Samstagmorgen gab Innenminister Fernando Grande-Marlaska aus Ceuta bekannt, dass mindestens 67 Menschen gestorben seien, und bezeichnete die Ereignisse als „traurig, dramatisch“. Die meisten Todesfälle waren Ertrinkungsunfälle; frühere Zählungen waren niedriger ausgefallen. Die lokalen Behörden hatten am Freitag 34 Tote gemeldet, während ein Franceinfo-Bericht vom späten Freitag von 57 Toten sprach. Eine von 7sur7 zitierte Polizeiquelle gab an, dass 18 Menschen ertrunken seien. Es wird erwartet, dass die endgültige Zahl noch steigt, da die Suchaktionen fortgesetzt werden. Am Strand nahe der Grenze sammelten sich erschöpfte Überlebende und die Leichen derer, die es nicht geschafft hatten.
Ein Überlebender, der 42-jährige Marokkaner Soufiane, sagte der AFP, er habe einen Tipp bekommen, dass die Grenze offen sei. Er schwamm in „drei, fünf Minuten“ hinüber, in der Hoffnung, nach Madrid zu gelangen, um seine Mutter zu sehen, die, wie er sagte, wegen Leukämie behandelt werde. Der Ansturm zeige, „dass alle nach oben (nach Spanien) wollen und sich eine gute Zukunft wünschen, die sie in Marokko nicht haben.“
Ein Freund rief mich an und sagte mir, die Grenze sei offen.
Schnelle Rückführungen unter Armee-Aufsicht
Fast so schnell, wie sie ankamen, wurde die überwältigende Mehrheit zurückgeschickt. Bis Freitagabend erklärte die spanische Regierung, die „quasi Gesamtheit“ der nach Ceuta Eingereisten sei nach Marokko zurückgebracht worden, eine Zahl, die sie mit 48.000 angab. Außenminister José Manuel Albares bestätigte das Ausmaß der Rückführungen.
Fast alle, die nach Ceuta eingereist sind, sind bereits nach Marokko zurückgekehrt.
Soldaten patrouillierten am Ufer und drängten Zögernde zur Grenze. AFP-Reporter am Strand sahen zwei Männer, die von Ceuta zurückgekehrt waren, vor Erschöpfung auf dem Sand zusammenbrechen. Viele Migranten kehrten freiwillig um, nachdem sie festgestellt hatten, dass die Enklave überfüllt war und es weder Unterkünfte noch Essen gab. Einer sagte der AFP: „Es sind zu viele Leute hier, alles ist voll.“ Die Anwohner wurden zunehmend unruhig; ein Ladenbesitzer sagte, Kunden bäten um Hauszustellungen, weil sie Angst hätten, nach draußen zu gehen.
- In Ceuta eingereist (Schätzung des Präsidenten)
- 60000 Personen
- Bis 31. Juli nach Marokko zurückgebracht
- 48000 Personen
Eine Sperre und eine verstärkte Grenze
Um weitere Überfahrten auf dem Seeweg zu unterbinden, kündigte das spanische Innenministerium am Samstagmorgen die Installation einer 500 Meter langen pneumatischen Sperre im Mittelmeer entlang der von Schwimmern genutzten Route an. Die Maßnahme war eine Notfallreaktion. Unterdessen erklärte Frankreich, es werde die Zahl der Polizisten und Gendarmen an seiner Grenze zu Spanien verfünffachen – ein Zeichen der allgemeinen europäischen Besorgnis über den plötzlichen Zustrom.
Politische Untertöne und Proteste
Die Krise entstand nicht im luftleeren Raum. France 24 wies darauf hin, dass es in der Vergangenheit ähnliche Episoden gegeben habe, die oft mit politischen Spannungen zwischen Madrid und Rabat zusammenhingen. Diese Episode ereignete sich kurz nachdem Premierminister Pedro Sánchez am 20. Juli Algerien, den regionalen Rivalen Marokkos, besucht hatte – eine Reise, die von einigen Beobachtern mit einer Lockerung der marokkanischen Grenzkontrollen in Verbindung gebracht wurde. Zudem hatte der spanische Oberste Gerichtshof kürzlich die sofortige Ausweisung von auf dem Seeweg ankommenden Personen für illegal erklärt, ein Faktor, der den Ansturm begünstigt haben könnte.
In Madrid versammelten sich am Freitagabend mehrere hundert fremdenfeindliche Demonstranten, viele in Schwarz gekleidet, vor der marokkanischen Botschaft. Sie skandierten „Spanien, christlich und nicht muslimisch!“ und hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Remigration“ hoch, ein von Europas rechtsextremen Parteien propagiertes Konzept. Sánchez, der Ceuta am Freitag besuchte, sah sich Kritik von Anwohnern ausgesetzt, die ihm vorwarfen, die Enklave nicht zu schützen. Grande-Marlaska sagte, eine Krisensitzung habe für Ruhe gesorgt: „In weniger als 48 Stunden hat sich die Situation in Ceuta grundlegend geändert, und die Rückkehr zur Normalität ist im Gange.“
- Zustrom aus Fnideq beginnt
- Höhepunkt der Grenzübertritte: 200 Personen pro Minute
- 48.000 Migranten nach Marokko zurückgebracht
- Zahl der Toten steigt auf mindestens 67; pneumatische Sperre angekündigt


