Hamburger CDU fordert Disziplinarrecht und Exmatrikulationen wegen Campus-Antisemitismus
Die oppositionelle CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft hat ein abgestuftes Disziplinarrecht gefordert, um Antisemitismus an Hochschulen zu ahnden, und schlägt Sanktionen von formellen Verwarnungen bis zur Exmatrikulation vor.
Vorgeschlagener Disziplinarrahmen
Die oppositionelle CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft hat einen Antrag eingebracht, der ein spezielles Landesgesetz zur Ahndung antisemitischen Fehlverhaltens an Hochschulen fordert. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sprach sich die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU, Anna von Treuenfels-Frowein, für die Einführung eines rechtssicheren, abgestuften hochschulischen Disziplinarrahmens aus. Nach dem vorgeschlagenen Modell sollen die Hochschulen die gesetzliche Befugnis erhalten, formelle Verwarnungen auszusprechen und Täter vor drohenden Disziplinarschritten zu warnen. Bei anhaltenden Verstößen könnten Universitäten Einzelpersonen von bestimmten Vorlesungen, Kursen oder ausgewiesenen Einrichtungen ausschließen. Die letzte und schwerste Stufe der vorgeschlagenen Eskalationsleiter erlaubt die Exmatrikulation von Studierenden als letztes Mittel.
- Formelle Verwarnung und Androhung weiterer Disziplinarmaßnahmen
- Ausschluss von Vorlesungen, Kursen und bestimmten Hochschuleinrichtungen
- Exmatrikulation und Ausschluss als letztes Mittel
- Vorübergehende Campusverbote, Kontaktverbote und Ausschluss von digitalen Plattformen
Sofortmaßnahmen und erweiterter Geltungsbereich
Zusätzlich zur abgestuften Disziplinarleiter sieht der Parlamentsantrag dringende Zwischenmaßnahmen vor, um schwere antisemitische Vorfälle sofort zu behandeln. Die Hochschulverwaltungen sollen gesetzliche Befugnisse erhalten, vorübergehende Haus- und Campusverbote durchzusetzen, Kontakt- und Näherungsverbote zu verhängen sowie den Zugang zu Campusveranstaltungen und digitalen Plattformen zu sperren. Die CDU besteht darauf, dass die disziplinarische Verantwortung über die Studierenden hinaus auf alle Personen ausgedehnt werden muss, die in akademischen Umgebungen tätig sind. Nach dem Vorschlag sollen Hochschullehrkräfte, Verwaltungsangestellte, Lehrbeauftragte, externe Gastredner und anerkannte Studierendenvereinigungen alle formelle Sanktionen für antisemitische Handlungen erhalten.
Treuenfels-Frowein betonte die Notwendigkeit eines sofortigen Verwaltungseingreifens bei schwerwiegenden Verstößen.
Bei schwerwiegenden Vorfällen müssen Universitäten auch sofort handeln können, etwa mit vorübergehenden Haus- und Bereichsverboten, Kontakt- und Näherungsverboten oder dem Ausschluss von Veranstaltungen und digitalen Plattformen.
Standardisierte Meldung und Dokumentation
Ein zentraler Bestandteil der CDU-Initiative ist die Einführung eines verbindlichen, landesweiten Dokumentationsstandards in Hamburg. Die Opposition hält fest, dass Hochschulen antisemitische Vorfälle derzeit uneinheitlich erfassen, sodass einige Vorfälle unregistriert bleiben oder der öffentlichen und institutionellen Kontrolle entzogen werden. Ein standardisiertes Meldesystem soll einheitliche Protokollierungsverfahren, transparente Auswertungen und klar definierte administrative Zuständigkeiten an allen staatlichen Hochschulen schaffen. Der Antrag argumentiert, dass eine umfassende Sichtbarkeit unverzichtbar ist, um gezielte Präventionsstrategien zu entwickeln und Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Treuenfels-Frowein erklärte, dass eine systematische Erfassung notwendig sei, um Diskriminierung wirksam zu bekämpfen.
Nur wer Vorfälle systematisch dokumentiert, transparent auswertet und Zuständigkeiten klar benennt, kann wirksam gegen Antisemitismus vorgehen.
Politischer Druck auf den rot-grünen Senat
Der Vorschlag richtet den politischen Fokus direkt auf Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal und die regierende Koalition aus SPD und Grünen. Die CDU argumentiert, dass die Landesregierung bei der Behandlung antisemitischer Vorfälle auf Hamburgs Campus viel zu zögerlich gehandelt habe. Nach Ansicht der Opposition müssen jüdische Studierende durch verbindliche gesetzliche Regelungen Sicherheit an Hochschulen garantiert werden, statt durch administrative Untätigkeit. Die Partei fordert Blumenthal auf, über verbale Erklärungen hinauszugehen und eine definitive rechtliche Verantwortlichkeit zu schaffen, die betroffene Studierende schützt.

