
CDU führt bei Kommunalwahlen in Niedersachsen, AfD steigt auf 16,5 % und SPD verliert
Hochrechnungen in Niedersachsen sehen die CDU mit 27,7 % auf Platz eins und die SPD mit 24,5 % auf Platz zwei, während die Wahlbeteiligung bei über 50 % lag – bei mehr als 29.000 Gemeinderatssitzen.
Hochgerechnete landesweite Ergebnisse
Hochrechnungen von Infratest dimap für den NDR um 22:00 Uhr sahen die Christlich Demokratische Union (CDU) bei den niedersächsischen Kommunalwahlen mit 27,7 % vorn. Die Sozialdemokratische Partei (SPD) folgte mit 24,5 % auf Platz zwei, ein Rückgang von 30,0 % bei den Wahlen 2021, während die CDU von 31,7 % abnahm. Die Alternative für Deutschland (AfD) verzeichnete den größten Stimmenzuwachs: sie stieg von 4,6 % im Jahr 2021 auf 16,5 %. Die Grünen belegten mit 13,6 % den vierten Platz, ein Minus von 15,9 %, gefolgt von der Linken mit 5,9 % und der Freien Demokratischen Partei (FDP) mit 3,6 %. Die Wahlbeteiligung erreichte um 16:30 Uhr 50,67 % in den Wahllokalen, ein Anstieg um rund 6,7 Prozentpunkte im Vergleich zur persönlichen Wahlbeteiligung 2021. Die endgültigen vorläufigen Endergebnisse werden für Montagmorgen erwartet.
- CDU
- 27.7 %
- AfD
- 16.5 %
- SPD
- 24.5 %
- Grüne
- 13.6 %
- Die Linke
- 5.9 %
- FDP
- 3.6 %
Ergebnisse der Oberbürgermeister- und Kreistagswahlen
Die Kommunalwahl entschied über mehr als 29.000 Sitze in Kreistagen, Stadträten und der Regionsversammlung Hannover aus einem Pool von über 68.000 Kandidaten. Im Autostandort Wolfsburg sicherte sich der amtierende Oberbürgermeister Dennis Weilmann (CDU) 50,1 % der Stimmen und setzte sich gegen Karsten Schneider (SPD) mit 15,5 % und Thomas Schick (AfD) mit 14,1 % durch. In Wilhelmshaven gewann die parteilose Kandidatin Eva Maria Haarmann mit über 55 % die Wahl zur ersten Oberbürgermeisterin der Stadt. In der Landeshauptstadt Hannover zeigte die Auszählung von mehr als drei Viertel der Stimmzettel, dass der amtierende Grünen-Oberbürgermeister Belit Onay vor dem SPD-Kandidaten Axel von der Ohe liegt und eine Stichwahl in zwei Wochen bevorsteht. Der CDU-Kandidat Peter Karst räumte am frühen Abend nach ersten Auszählungen seine Niederlage ein.
Wenn ich auf die Tafel hier schaue, ist die Wahl in Hannover aus meiner Sicht vorbei.
- Dennis Weilmann (CDU)
- 50.1 %
- Karsten Schneider (SPD)
- 15.5 %
- Thomas Schick (AfD)
- 14.1 %
Bundestrends und Partei-Reaktionen
Die niedersächsische Wahl fand eine Woche nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und eine Woche vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September statt. In Mecklenburg-Vorpommern sah die jüngste Umfrage die CDU vor der Wahl bei 7 %. Der niedersächsische CDU-Landeschef Sebastian Lechner erklärte, die Partei sei auf deutliche Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Bundespolitik unter Bundeskanzler Friedrich Merz gestoßen. Lechner stellte im Wahlkampf ein Glaubwürdigkeitsproblem fest und forderte die Bundeskoalition auf, ihren politischen Kurs anzupassen. Insbesondere forderte er Maßnahmen zur Senkung der Treibstoffpreise nach den anstehenden Landtagswahlen.
Wir kämpfen geeint vor den Landtagswahlen am 20. September, danach muss es politische Veränderungen in Berlin geben.
Lokaler Fokus und Sicherheitshintergrund
Die Wahl war der erste landesweite Stimmungstest seitdem der 59-jährige Ministerpräsident Olaf Lies 2025 die Nachfolge von Stephan Weil als Chef der von der SPD geführten Landesregierung antrat. Lies gab seine Stimme in seiner Heimatgemeinde Sande in Friesland ab und forderte die Einwohner auf, sich auf kommunale Themen statt auf nationale Debatten zu konzentrieren.
Ich hoffe, dass die Wähler bewusst auf die lokalen Kandidaten schauen. Es ist keine Mini-Bundestagswahl, sondern eine echte Persönlichkeitswahl. Und es geht um die eigene Gemeinde, Stadt oder den eigenen Landkreis.
Der niedersächsische Verfassungsschutz hatte den Landesverband der AfD vor der Wahl als extremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft, was zu rechtlichen Anfechtungen durch die Partei führte. Wahlbeamte disqualifizierten vier AfD-Kandidaten wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue, darunter den stellvertretenden Landesvorsitzenden Stephan Bothe im Rennen um das Landratsamt Lüneburg. Die nächste Landtagswahl in Niedersachsen ist für den 26. September 2027 angesetzt.


