
CDU fliegt aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Linke gewinnt Berlin-Wahl
Die endgültigen Wahlergebnisse zeigen, dass die CDU von Kanzler Friedrich Merz in Mecklenburg-Vorpommern auf 4,9 Prozent abrutschte und alle Sitze verlor, während Die Linke in Berlin mit 25,7 Prozent gewann.
Aus in Mecklenburg-Vorpommern
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die Christlich Demokratische Union erstmals in ihrer 81-jährigen Geschichte unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen. Nach der vollständigen Auszählung aller Wahlbezirke erreichte die CDU 4,9 Prozent der Stimmen und verlor damit ihre parlamentarische Vertretung in Schwerin. Die Alternative für Deutschland wurde mit 38,2 Prozent erstmals stärkste Kraft und konnte ihren Stimmenanteil im Vergleich zur Wahl 2021 mehr als verdoppeln, was 32 Sitzen im Landtag entspricht. Die Sozialdemokratische Partei, angeführt von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, landete mit 35,5 Prozent und 29 Sitzen auf dem zweiten Platz. Schwesig führte einen gezielten Wahlkampf gegen den AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm und lag bei den Direktstimmen mit 61 zu 30 Prozent vor ihm. Die Linke erzielte 6,5 Prozent und die Grünen erreichten 5,7 Prozent, wobei beide jeweils fünf Sitze erhielten, während das Bündnis Sahra Wagenknecht mit 4,8 Prozent knapp den Einzug ins Parlament verpasste und die FDP 1,0 Prozent erhielt. Schwesig wird voraussichtlich eine Dreier-Koalition mit der Linken und den Grünen bilden, nachdem ihre bisherige rot-rote Regierungskoalition ihre parlamentarische Mehrheit verloren hat.
- AfD
- 38.2 %
- SPD
- 35.5 %
- Die Linke
- 6.5 %
- Die Grünen
- 5.7 %
- CDU
- 4.9 %
- BSW
- 4.8 %
Linke feiert Sieg in Berlin
In Berlin wurde Die Linke bei der Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent unter Spitzenkandidatin Elif Eralp erstmals stärkste Kraft. Das Ergebnis bedeutete eine Steigerung um 12,9 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Wahl und brachte die Partei vor der CDU, die auf 18,8 Prozent abrutschte. Die AfD belegte in der Hauptstadt mit 16,3 Prozent den dritten Platz, gefolgt von den Grünen mit 14,3 Prozent und der SPD mit 12,1 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht erreichte in ersten Hochrechnungen 5,0 Prozent, während die Freie Demokratische Partei mit 2,4 Prozent den Einzug ins Parlament verpasste. Da die CDU im Vergleich zur letzten Wahl mehr als neun Prozentpunkte verlor, verlor die Regierungskoalition aus CDU und SPD ihre Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus.
- Die Linke
- 25.7 %
- CDU
- 18.8 %
- AfD
- 16.3 %
- Die Grünen
- 14.3 %
- SPD
- 12.1 %
Merz wehrt sich gegen Bundesführungsdruck
CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz wandte sich dreizehn Minuten nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin an Journalisten. Merz räumte die Niederlage im Nordosten ein, betonte jedoch seine Entschlossenheit, seine bundespolitische Reformagenda zusammen mit der SPD in der Koalition fortzusetzen.
Wir dürfen das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern nicht schönreden: Das ist eine Katastrophe.
Merz verließ die Parteizentrale am Sonntag um 21:40 Uhr, bevor die endgültigen Ergebnisse nach Mitternacht die Fünf-Prozent-Marke bestätigten. Er berief für Montagmorgen um 9:00 Uhr Krisensitzungen mit dem CDU-Präsidium und dem Bundesvorstand ein. Vor der Wahl hatte der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, die Bundesparteiführung kritisiert und erklärt, dass die Kandidaten im Land unter den fehlenden Entscheidungen aus Berlin litten. Der Schweriner CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Heinz merkte an, dass die Suche nach Regierungsmehrheiten zu Kompromissen gezwungen habe, die die Parteigrundsätze verwässerten, was bei den Wählern auf Kritik gestoßen sei.
Historischer Abwärtstrend in Ostdeutschland
Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern folgt einem stetigen jahrzehntelangen Rückgang des CDU-Stimmenanteils in der Region, von 38,3 Prozent im Jahr 1990 über 30,2 Prozent im Jahr 1998, 19,0 Prozent im Jahr 2016, 13,3 Prozent im Jahr 2021 bis auf 4,9 Prozent im Jahr 2026. Die Niederlage kommt zwei Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD 43,8 Prozent erreichte, während die CDU auf 17,2 Prozent fiel. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte bemerkte im ZDF, dass die traditionellen Volksparteien in der gesamten Parteienlandschaft zu Ruinen zerfielen, abgesehen von der anhaltenden Stärke der SPD in Mecklenburg-Vorpommern. In der Schwesterpartei erklärte der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann auf BR24extra, dass die CSU keine Personaldebatten über die Bundesführung führe.
- 1990
- 38.3 %
- 1994
- 37.7 %
- 1998
- 30.2 %
- 2002
- 31.4 %
- 2006
- 28.8 %
- 2011
- 23 %
- 2016
- 19 %
- 2021
- 13.3 %
- 2026
- 4.9 %


