
Burnham sagt, Russland habe in das Brexit-Votum 2016 eingegriffen, Downing Street erklärt das Ergebnis für gültig
Premierminister Andy Burnham hat in einem Podcast erklärt, Russland habe in das Brexit-Referendum 2016 eingegriffen – als erster britischer Regierungschef, der dies offen sagt. Downing Street erklärte später, Moskau sei damit nicht erfolgreich gewesen, das Ergebnis bleibe legitim.
Was Burnham sagte
Andy Burnham, der im Juli britischer Premierminister wurde, sagte, Russland habe in das Brexit-Referendum 2016 eingegriffen. Er äußerte diese Behauptung in einem Interview mit dem Podcast The Rest Is Politics, das am Sonntag, dem 11. Oktober, veröffentlicht wurde; Reuters bezeichnete es als das erste Mal, dass ein britischer Premierminister offen sagte, es gebe Belege für russische Einflussnahme auf das Votum. Burnham sagte, er habe die Frage bei seinem Amtsantritt in der Downing Street gestellt und eine klare Antwort erhalten.
Ich habe die Frage gestellt, als ich in die Downing Street kam: Gab es 2016 eine Einflussnahme aus Russland auf das Referendum? Und ich habe die klare Antwort erhalten: Ja, die gab es.
Burnham erklärte nicht, wie Russland eingegriffen habe, was Moskau getan habe oder auf welchen Belegen seine Aussage beruhe. Die russische Botschaft in London reagierte nicht auf eine Reuters-Anfrage um Stellungnahme; Russland hat eine Einmischung in das Votum in der Vergangenheit bestritten. Burnham hatte im September zudem gesagt, Großbritannien könne einen Wiedereintritt in die Europäische Union in der Zukunft erwägen.
Reaktionen aus Downing Street und von Ministern
Ein Sprecher der Downing Street sagte, es sei „undenkbar“, dass Russland nicht versucht habe, das Referendum zu seinem Vorteil zu nutzen, doch der Premierminister glaube, dass es nicht gelungen sei, das Ergebnis zu beeinflussen. Am Montag, dem 12. Oktober, mehrfach darauf angesprochen, sagte der Sprecher, die Regierung halte das Referendumsergebnis für „legitim“ und der Premierminister „akzeptiere das Referendumsergebnis absolut“. Minister Stephen Doughty sagte Sky News, Russland sei mit einer Einflussnahme „nicht erfolgreich“ gewesen, und erklärte gegenüber Rundfunksendern, Russland habe „versucht, in eine Reihe demokratischer Ereignisse einzugreifen“, ohne näher auf das Votum einzugehen.
Behauptungen zu Deutschland und Frankreich
Burnham sagte, er habe bei einem Besuch in Berlin Anfang Oktober mit Bundeskanzler Friedrich Merz über russische Einflussnahme auf europäische Wahlen gesprochen. Merz habe ihm gesagt, die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) sei eindeutig mit Russland verbunden und erhalte nach seinem Kenntnisstand Finanzmittel aus Moskau. Für diese Finanzierung legte Burnham keine unabhängigen Belege vor, wie tagesschau berichtete. In dem Podcast sagte er, es gebe „sicherlich Fehlinformationen, Desinformation, die aus Russland in die deutsche Politik strömt“.
Ich meine, diese Dinge müssen jetzt klar zu Protokoll gegeben werden, und ich glaube, sie helfen Wählern in Deutschland und Frankreich zu verstehen, dass ein Teil dieser Politik über unsere Feinde – namentlich Russland – angestiftet wird.
De Morgen wies darauf hin, dass Frankreich 2027 Präsidentschaftswahlen und Deutschland 2029 Parlamentswahlen abhält – die Wahlen, auf die Burnhams Warnung zielt.
Politische Reaktionen
Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK und prominenter Brexit-Wahlkämpfer, wies die Behauptung scharf zurück.
Der Premierminister ist ein Lügner, ja, ein Lügner.
Farage sagte zudem, es habe keine russische Einflussnahme gegeben, und der „Russland-Schwindel“ habe sich durch die gesamte Debatte gezogen; er nannte Burnham weltfremd mit „allerlei bizarren Ideen“. Die Konservativen erklärten, Burnham sei „bestenfalls … fahrlässig vage“ gewesen, und Schattenministerin Katie Lam sagte, er „riskiere, Zweifel am Ergebnis einer professionell durchgeführten, unabhängig überwachten demokratischen Wahl zu säen“. Der Vorsitzende der Liberal Democrats, Sir Ed Davey, unterstützte die Aussage und sagte, sie habe Mut erfordert nach Jahren, in denen die Konservativen die Wahrheit unterdrückt hätten. Britain Unbound, eine Brexit-Kampagnengruppe, erklärte, es gebe keinen guten Grund anzunehmen, dass russische Einflussnahme das Ergebnis von 2016 beeinflusst habe.
Hintergrund aus dem Bericht von 2020
Das Votum von 52 zu 48 Prozent für den Austritt aus der EU stürzte Großbritannien in das, was Reuters als seine größte politische Krise seit dem Zweiten Weltkrieg beschrieb. Ein Bericht des Intelligence and Security Committee des Parlaments aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass das Vereinigte Königreich eines der wichtigsten westlichen Ziele russischer Geheimdienste sei, beschuldigte Moskau laut De Morgen jedoch nicht, in das Referendum eingegriffen zu haben. Der Ausschuss kritisierte aufeinanderfolgende Regierungen dafür, die Bedrohung nicht vollständig bewertet oder bekämpft zu haben. Unter Boris Johnson, der für den EU-Austritt geworben hatte, erklärte die Regierung in ihrer Antwort, sie habe keine Belege für eine erfolgreiche Einflussnahme auf das Referendum gesehen. Burnhams Äußerungen weichen von dieser Position ab.
- Die Briten stimmen im Referendum mit 52 zu 48 Prozent für den Austritt aus der EU
- Der Bericht des Intelligence and Security Committee des Parlaments stellt fest, dass Großbritannien ein wichtiges Ziel russischer Geheimdienste war, ohne Moskau der Einflussnahme zu beschuldigen
- Andy Burnham übernimmt das Amt des Premierministers
- Burnham sagt, Großbritannien könne einen Wiedereintritt in die EU in der Zukunft erwägen
- Burnham besucht Berlin und spricht mit Friedrich Merz über Russland und die AfD
- Podcast-Interview veröffentlicht, in dem Burnham sagt, Russland habe in das Votum von 2016 eingegriffen
- Downing Street erklärt, das Referendumsergebnis sei legitim gewesen
- Austritt
- 52 %
- Verbleib
- 48 %
