
Burkina Faso bricht diplomatische Beziehungen mit Frankreich wegen angeblicher neokolonialer Einmischung ab, Paris nennt Entscheidung 'feindselig und unbegründet'
Die Militärjunta Burkina Fasos hat am Freitag die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich abgebrochen und Paris neokoloniale Ambitionen sowie die Unterstützung subversiver Netzwerke vorgeworfen. Frankreich bezeichnete den Schritt als 'feindselig und unbegründet' und prüft Gegenschritte.
Der Bruch
Burkina Faso gab am Freitag den sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich, seiner ehemaligen Kolonialmacht, bekannt. Kommunikationsminister Pingdwendé Gilbert Ouédraogo gab die Erklärung im staatlichen Fernsehen ab und nannte „ungezügelte neo-koloniale Ambitionen und aktive Unterstützung subversiver Netzwerke und Terroristen“. Die Junta legte keine Beweise für die Vorwürfe vor, die Paris wiederholt bestritten hatte.
Die wesentlichen Voraussetzungen für die Förderung von Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Respekts, gegenseitigen Vertrauens und der Achtung des Grundsatzes der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und der nationalen Souveränität sind nicht mehr erfüllt.
Die burkinische Erklärung betonte, dass der Bruch nur den institutionellen Rahmen betreffe, nicht „die historischen, menschlichen, kulturellen und sozialen Bande, die das burkinische und das französische Volk verbinden“.
Anschuldigungen und Reaktion
Frankreichs Außenamtssprecher Pascal Confavreux bezeichnete die Entscheidung als „feindselig und unbegründet“ und sagte, sie zeige „die besorgniserregende Abdrift“ der burkinischen Behörden. Das Quai d'Orsay bestätigte, dass notwendige Gegenmaßnahmen geprüft werden, und forderte die mehr als 2.000 französischen Staatsangehörigen im Land zu erhöhter Wachsamkeit auf.
Frankreich bedauert diese feindselige und unbegründete Entscheidung, welche die besorgniserregende Abdrift der burkinischen Behörden zeigt.
Die Junta warf Frankreich „unablässige Aktivitäten“ gegen ihre Interessen vor und versuche, Burkina Faso international zu marginalisieren. Sie bekräftigte zudem frühere Behauptungen, dass Paris „subversive Netzwerke“ und „Terroristen“ unterstütze, die die Sahelzone destabilisieren.
Eine Beziehung im freien Fall
Die Beziehungen zwischen Ouagadougou und Paris haben sich seit der Machtergreifung von Hauptmann Ibrahim Traoré durch einen Putsch im September 2022 stetig verschlechtert. Frankreich war der wichtigste Sicherheitspartner Burkina Fasos gewesen, das mit Streitkräften gegen einen islamistischen Aufstand kämpfte, der in den letzten zehn Jahren Tausende getötet und Millionen vertrieben hatte. Doch Traoré wies die französischen Truppen aus, beschuldigte sie einer „geheimen Agenda“ und forderte im Januar 2023 die Abberufung des französischen Botschafters. Im Jahr 2024 wurden drei französische Diplomaten wegen angeblicher subversiver Aktivitäten ausgewiesen.
- Hauptmann Ibrahim Traoré ergreift durch einen Putsch die Macht; die Beziehungen beginnen sich zu verschlechtern.
- Burkina Faso fordert Frankreich auf, seinen Botschafter abzuberufen.
- Drei französische Diplomaten wegen angeblicher subversiver Aktivitäten ausgewiesen.
- Junta löst politische Parteien auf; Burkina Faso, Mali und Niger verlassen die ECOWAS.
- Burkina Faso bricht die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab und wirft ihm neokoloniale Ambitionen vor.
Die Junta hatte eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung im Jahr 2024 versprochen, brach dieses Versprechen jedoch und löste im Januar 2025 offiziell alle politischen Parteien auf.
Regionale Neuausrichtung
Der Bruch Burkina Fasos mit Frankreich ist Teil einer breiteren Abkehr von westlichen Partnern. Gemeinsam mit den benachbarten militärgeführten Ländern Mali und Niger löste es sich im Januar 2025 von der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) und gründete die Allianz der Sahelstaaten. Die drei Regime haben die Sicherheits- und militärische Zusammenarbeit mit Russland, China und anderen vertieft. Die Verschiebung verändert die Geopolitik in Westafrika, während der Einfluss Frankreichs schwindet und Moskau und Peking an Boden gewinnen.
Wie geht es weiter?
Das unmittelbare Schicksal der französischen Botschaft in Ouagadougou und der konsularischen Dienste für französische Staatsbürger bleibt unklar. Frankreich hat noch nicht festgelegt, welche Gegenschritte es unternehmen könnte. Beide Seiten haben ihre Staatsangehörigen zur Vorsicht aufgerufen, und die burkinische Regierung versicherte, dass ausländische Einwohner weiterhin geschützt würden.


