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Deutsches Gericht verkündet Urteil im afghanischen Brudermordfall unter stellvertretender Strafrechtspflege

Das Landgericht Hanau verkündet am Montag sein Urteil im Prozess gegen einen 70-jährigen Afghanen, der beschuldigt wird, 2015 seinen Bruder in Kandahar erschossen zu haben – ein Fall, der in Deutschland aufgrund einer Sonderklausel zur stellvertretenden Strafverfolgung verhandelt wird.

Ein fast ein Jahr laufender Prozess geht heute zu Ende: Das Landgericht Hanau verkündet sein Urteil in einem tödlichen Familienstreit, der im Süden Afghanistans begann. Der Angeklagte, ein 70-jähriger afghanischer Staatsangehöriger, der im Hanauer Stadtteil Großauheim lebte, wird beschuldigt, im Oktober 2015 seinen jüngeren Bruder in Kandahar ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem vorsätzlichen Tötungsdelikt aus, motiviert durch Habgier im Zusammenhang mit einem Erbstreit um Grundstücke.

Die Anklage

Die Staatsanwaltschaft stützt sich maßgeblich auf die Aussage eines Zeugen, der zum Tatzeitpunkt elf Jahre alt war. Der heute 22-Jährige gab vor Gericht an, die Schüsse in Kandahar direkt beobachtet zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe durchgängig seit Prozessbeginn Mitte 2025.

Wie der Fall ans Licht kam

Die Ermittlungen begannen, nachdem der Sohn und die Tochter des Opfers ihren Onkel, den Angeklagten, zufällig in einer Moschee in Frankfurt erkannten. Die Geschwister, die nach Deutschland übergesiedelt waren, alarmierten daraufhin die Behörden, was ein Rechtsverfahren auslöste, das in das deutsche Justizsystem überführt wurde.

Warum der Prozess in Deutschland stattfand

Deutschland kann den Fall aufgrund einer Bestimmung im Strafgesetzbuch verfolgen, die die „stellvertretende Strafrechtspflege“ ermöglicht. Die deutschen Behörden stellten fest, dass in Afghanistan ein faires, rechtsstaatliches Strafverfahren nicht möglich ist, sodass der übliche Grundsatz der territorialen Gerichtsbarkeit außer Kraft gesetzt wurde. Diese rechtliche Möglichkeit wurde bisher nur selten angewandt und verdeutlicht die Herausforderungen, schwere Straftaten in konfliktbetroffenen Regionen zu verfolgen.

Was am Montag zu erwarten ist

Das Urteil soll um 13:00 Uhr am Landgericht Hanau verkündet werden. Der Prozess hat zwar nur begrenzte öffentliche Aufmerksamkeit erregt, doch er unterstreicht das Zusammenspiel von transnationaler Justiz, familiärer Tragödie und inländischen Rechtsmaßnahmen, die dazu dienen, Lücken in der internationalen Strafverfolgung zu schließen. Ein Schuldspruch wegen Mordes würde nach deutschem Recht eine lebenslange Freiheitsstrafe nach sich ziehen.

Hanau · Kandahar

2 Quellen

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