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Verkehr·vor 8 Std.

Brennerblockade: Anwohnerprotest lähmt Alpenarterie mitten im Reisewirrwarr

Anwohner des österreichischen Wipptals blockieren am Samstag die Brennerautobahn aus Protest gegen den jahrelang ansteigenden Transitverkehr. Die Behörden rechnen mit kilometerlangen Staus im gesamten Alpenraum.

Protest gegen das Verkehrsinferno

Anwohner des österreichischen Wipptals stemmen sich verzweifelt gegen den unablässigen Verkehr, der ihre Gemeinden seit Jahrzehnten plagt. Bei 14,4 Millionen Fahrzeugbewegungen pro Jahr über den Brenner, darunter 2,4 Millionen Lkw, hat sich das Verkehrsaufkommen seit der Eröffnung der Autobahn in den 1970er Jahren versiebenfacht. Die 15.000 Bewohner des Tals ertragen ständigen Lärm, Staub und befürchten gesundheitliche Schäden. Sabine Spari-Gaugg, die in Matrei am Brenner direkt an der Bundesstraße wohnt, beschreibt die tägliche Qual.

Wir können tagsüber kein Fenster öffnen, wir können nicht fernsehen, wenn ein Fenster gekippt ist. Können keine Besucher empfangen, weil der ständige Lärm einfach unangenehm ist. Das ist einfach keine Lebensqualität.

Bürgermeister Karl Mühlsteiger von Gries am Brenner hat die Blockade als letzten Hilferuf organisiert. Er besteht darauf, dass das Tal nicht länger dem Transit geopfert werden darf.

Das ist ein Hilferuf aus dem Wipptal, dass es mit dem Transit so nicht weitergehen kann und darf.

Die Demonstranten fordern bessere Lärmschutzwände, die Beibehaltung bestehender Fahrverbote und höhere Lkw-Mauten.

Der Blockadeplan

Am Samstag wird die österreichische A13 Brennerautobahn sowie alle angrenzenden Bundes- und Landstraßen von 11:00 bis 19:00 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt. Lkw über 7,5 Tonnen haben ab 9:00 Uhr ein Fahrverbot in ganz Tirol. Auf italienischer Seite wird die A22 in Richtung Norden ab Sterzing zwischen 10:30 und 20:00 Uhr blockiert. Nur der lokale Verkehr mit Nachweis – Hotelbuchungen oder Lieferscheine – ist erlaubt. Die Rettungsdienste bereiten Notfallpläne vor, darunter einen Rotkreuz-Notfallzug. Der Autobahnbetreiber Asfinag warnt, dass es keine brauchbare Ausweichroute in der unmittelbaren Umgebung gibt.

Verkehrschaos am Freitag vor der Blockade

Die Blockade am Samstag verursacht bereits jetzt erhebliche Beeinträchtigungen. Am Freitag löste sich ein zehn Kilometer langer Stau auf der A13 in Richtung Süden auf, aber es wurden Verzögerungen von bis zu 50 Minuten an der Mautstelle Schönberg und an der Baustelle Luegbrücke gemessen. An der bayerischen Grenze bei Kiefersfelden verloren Autofahrer etwa 25 Minuten. Viele Reisende zogen ihre Fahrten vor, um dem Chaos vergeblich zu entgehen.

Weiteres Reisechaos

Die Brennersperrung fällt mit einem Generalstreik in Italien zusammen, der von der Basisgewerkschaft CUB ausgerufen wurde, seit Donnerstagabend andauert und 24 Stunden dauern wird. Er betrifft Flüge, Züge und Autobahnen. Zudem fällt der Samstag mitten in die Pfingstferien in den deutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg, während Sachsen-Anhalt am Wochenende seine Ferien beendet. Der ADAC warnt, dass der Rückreiseverkehr am Sonntag zu massiven Staus in den Alpen führen wird.

Behörden bereiten sich vor

Die Tiroler Landesregierung hat die Menschen aufgefordert, unnötige Fahrten zu vermeiden und großräumig auszuweichen, und schlägt Routen über Rosenheim oder Verona vor. Das deutsche Außenministerium warnt deutlich: „Es gibt keine Ausweichroute.“ Selbst andere Alpenübergänge wie die Tauernautobahn und die Gotthard-Route werden voraussichtlich stark überlastet sein.

Ein Verkehrschaos zeichnet sich ab; Umleitungen sind nur großräumig möglich.

ADAC
Schlüsselereignisse rund um die Brennerblockade
  1. Verkehrsstaus und Verzögerungen auf der A13; bis zu 50 Minuten Wartezeit an der Mautstelle Schönberg.
  2. Lkw-Transitverbot auf der A13 in Tirol beginnt.
  3. Italienische A22 von Sterzing in Richtung Norden gesperrt.
  4. Protestblockade beginnt: A13 und alle Nebenstraßen für den Transit gesperrt.
  5. Blockade endet; Straßen werden nach und nach geöffnet.
  6. Starker Rückreiseverkehr wird voraussichtlich zu massiven Staus führen.
Matrei am Brenner

8 Quellen

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