Merz investiert über 100 Millionen Euro in Dessau-Roßlau, da die Nachfrage nach Botulinumtoxin steigt
Das deutsche Pharmaunternehmen Merz investiert mehr als 100 Millionen Euro an seinem Standort Dessau-Roßlau, um die Produktion seines Botulinumtoxin-Produkts Xeomin auszuweiten, angetrieben durch die steigende medizinische und ästhetische Nachfrage.
Medizinische Anwendungen treiben Nachfrage
Botulinumtoxin, oft umgangssprachlich Botox genannt, wird zunehmend über die kosmetische Faltenbehandlung hinaus eingesetzt. Neurologen verschreiben es heute bei chronischer Migräne, Muskelkrämpfen, Spastik nach Schlaganfällen und krankhaftem Speichelfluss. Christopher Weise, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Halle, sagt, es sei die Erstlinientherapie bei dystonen Störungen wie zervikaler Dystonie und Blepharospasmus. Er führt seinen Erfolg auf die gute Wirksamkeit und das günstige Sicherheitsprofil im Vergleich zu Alternativen mit mehr Nebenwirkungen zurück.
Bei dystonen Störungen wie zervikaler Dystonie und Blepharospasmus ist es heute meist die Erstlinientherapie.
Ästhetischer Markt und der 'Zoom-Boom'
Neben den medizinischen Anwendungen ist der ästhetische Markt seit Jahren gewachsen. Merz-Group-CEO Philip Burchard stellt fest, dass die Behandlungsmethoden viel subtiler geworden sind, sodass die Ergebnisse kaum noch sichtbar sind. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist gestiegen, und der nach der Pandemie einsetzende 'Zoom-Boom' hat die Nachfrage weiter angeheizt, da die Menschen sich ständig auf Videoanrufen sahen. Botulinumtoxin bleibt in Deutschland verschreibungspflichtig und muss von approbierten Ärzten verabreicht werden; Fachgesellschaften warnen vor nicht-medizinischen Anbietern.
Der medizinische Bereich wird eigentlich ein bisschen vergessen. Alle reden nur über die Falte.
Investition in Dessau-Roßlau
Merz reagiert auf die weltweite Nachfrage mit einer mehr als 100 Millionen Euro teuren Erweiterung am Standort Dessau-Roßlau. Die Investition umfasst eine neue Verpackungslinie sowie Modernisierungen in Produktion, Verpackung und Logistik. Der Standort stellt das Botulinumtoxin-Präparat Xeomin des Unternehmens her. Burchard betont die enormen Verbesserungen der Lebensqualität und die Schmerzreduktion für schwer kranke Patienten.
Die Lebensqualität und auch die Schmerzreduktion sind im medizinischen Bereich absolut enorm.
Versorgungsengpässe in Sachsen-Anhalt
Trotz der Investition berichtet die Neurologin Laura Danielian vom Universitätsklinikum Magdeburg, dass Patienten aktiver nach Therapiemöglichkeiten suchen und neue zugelassene Indikationen den Kreis der Behandlungsberechtigten erweitern. Sie warnt jedoch, dass Sachsen-Anhalt bereits unter einer Unterversorgung leidet, da die Zahl der Behandlungen nicht mit der Nachfrage Schritt hält. Das Gesundheitssystem der Region steht unter Druck, da immer mehr Patienten eine Botulinumtoxin-Therapie wünschen.


