
Netflix veröffentlicht Jan-Borysewicz-Biopic 'Mniej obcy' unter der Regie von Kristoffer Rus
Der Film von Kristoffer Rus beleuchtet die frühen Jahre des Lady-Pank-Frontmanns in Wrocław, seine Musikkarriere und seinen früheren Kampf mit Suchtproblemen.
Netflix-Veröffentlichung und Produktion
Der biografische Spielfilm "Mniej obcy", der das Leben des Lady-Pank-Gründers und Gitarristen Jan Borysewicz nachzeichnet, hatte am 7. Oktober 2026 auf Netflix Premiere. Regie führte Kristoffer Rus, der in Schweden aufwuchs und die Band dort auf Kassetten hörte und zuvor den Familienfilm "Za duży na bajki" inszeniert hatte; das Drehbuch stammt von den Autoren Wiktor Piątkowski und Joanna Kozłowska. Die Produktion besetzt den Gitarristen Mikołaj Bukrewicz in seinem Schauspieldebüt als Borysewicz, der direkt am Drehbuch mitwirkte und seine früheren Kämpfe mit Alkohol- und Drogenabhängigkeit thematisierte. Um bei den Auftrittsszenen historische Authentizität zu wahren, beschaffte das Produktionsteam eine Fender Stratocaster von 1979, die in exakter Farbe und mit denselben Single-Coil-Tonabnehmern dem Instrument entsprach, das Borysewicz in den Jahren von Lady Panks größten Tourneen spielte. Bukrewicz traf Borysewicz vor den Dreharbeiten zudem in dessen Studio, wo der erfahrene Gitarrist seine Instrumentensammlung zeigte.
Regisseur Kristoffer Rus erklärte seine Entscheidung, das Leben des Gitarristen zu verfilmen, in einem Interview mit RMF FM:
Das ist ein großer Teil der polnischen Rockgeschichte. Janek hat ein sehr farbiges Leben. Er hatte Höhen und Tiefen, Skandale und Erfolge, deshalb glaube ich, es wäre eine Sünde, keinen Film über ihn zu machen.
Biografischer Bogen und Amerika-Tournee
Die Handlung verfolgt Borysewicz von seiner Kindheit in Wrocław über seine frühe Karriere in polnischen Rockgruppen, darunter Nurt, Apokalipsa, Katja & Roman, Budka Suflera, Tadeusz Nalepas Breakout und die Sängerin Iza Trojanowska. Die Geschichte schildert sein Aufwachsen im kommunistischen Polen, geprägt von einem abwesenden Vater, einer schwer kranken Mutter und dem Suizid seines Bruders, sowie eine frühe musikalische Anerkennung, die die Aufmerksamkeit des britischen Blues-Musikers Alexis Korner erregte. Erzählt werden auch seine Songwriting-Partnerschaft mit dem Texter Andrzej Mogielnicki, Konflikte mit der Miliz der kommunistischen Ära und der staatlichen Zensur sowie Lady Panks Amerika-Abenteuer Mitte der 1980er Jahre nach der Veröffentlichung eines Albums bei MCA Records. Die Band sagte schließlich geplante Vorprogramm-Termine auf Madonnas Tournee ab, als amerikanische Manager verlangten, ihren Leadsänger durch einen Englischsprecher zu ersetzen und einen amerikanischen Songwriter hinzuzuziehen; erschwerend kamen Sprachbarrieren hinzu.
- Das Produktionsteam beschafft eine Fender Stratocaster von 1979, die zu Borysewicz' Vintage-Gitarre passt
- Lady Pank veröffentlicht ein MCA-Album in den USA und lehnt das Vorprogramm für Madonna wegen kreativer Streitigkeiten ab
- Der biografische Film 'Mniej obcy' feiert Premiere auf Netflix
Mit Blick auf die anhaltende Wirkung des Bandkatalogs sprach Bukrewicz bei Promotion-Terminen über das Material:
Es ist außergewöhnlich, wie sehr diese Texte 40 Jahre nach ihrer Entstehung noch bei mir und bei Menschen meiner Generation nachhallen.
Kritiken und künstlerische Freiheiten
Die am Tag der Premiere veröffentlichten polnischen Rezensionen fielen in der Bewertung von Struktur und biografischer Genauigkeit gemischt aus. Mehrere Kritiker merkten an, dass das Drehbuch erhebliche künstlerische Freiheiten im Privatleben von Borysewicz nimmt, zentrale Beziehungen verändert und Figuren, die auf seiner ersten Ehefrau und seiner Tochter basieren, fiktive Namen gibt. Die Rezensenten kritisierten zudem das Tempo, verglichen einzelne Sequenzen mit Musikvideos und bemängelten Voice-over-Monologe, in denen der Protagonist direkt zu Gott spricht. Kommentatoren aus Wrocław stellten fest, dass die Produktion die lokalen Schauplätze nur minimal nutzte und nur kurze Szenen in Sępolno und am Bahnhof Nadodrze zeigte. Gelobt wurden jedoch durchweg die musikalischen Arrangements und die Darstellung von Borysewicz' kreativer Zusammenarbeit mit Mogielnicki.


