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Wirtschaft·vor 4 Std.

BMW senkt Gewinnprognose für 2026 drastisch – China-Einbruch und Iran-Krieg belasten, Aktie fällt um 7 %

Der Münchner Autobauer senkte am späten Dienstag seine Gewinnprognose für 2026 und verwies auf den einbrechenden chinesischen Verbrennermarkt sowie gestiegene Energiepreise infolge des Iran-Konflikts. Dies löste einen breiten Ausverkauf im europäischen Automobilsektor aus.

Die Gewinnwarnung

BMW gab am Dienstagabend eine Ad-hoc-Gewinnwarnung heraus und senkte erstmals unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Milan Nedeljković, der erst vor vier Wochen sein Amt antrat, die Prognose für 2026. Der Konzern erwartet nun einen „deutlichen“ Rückgang des Vorsteuergewinns – intern definiert als ein Rückgang von mehr als 15 Prozent – nachdem zuvor nur ein „moderater“ Rückgang prognostiziert worden war. Die operative Marge im Kerngeschäft Automobil wird nun bei 1 bis 3 Prozent gesehen, gegenüber der von Vorgänger Oliver Zipse festgelegten Spanne von 4 bis 6 Prozent. Auch die Prognose für den Free Cashflow in der Autosparte wurde von zuvor über 4,5 Milliarden Euro auf mehr als 2,5 Milliarden Euro gesenkt.

Es geht um Geschwindigkeit und Effizienz.

China und der Iran-Konflikt

BMW nannte zwei Hauptgründe. In China habe sich der Abschwung im zweiten Quartal beschleunigt, insbesondere bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Der Branchenverband CPCA hatte seine Marktprognose erst am Montag erneut gesenkt. Ein stärkeres Verkaufsergebnis in Europa und den USA habe den chinesischen Einbruch nicht ausgleichen können, so das Unternehmen. Allein im Mai schrumpfte der chinesische Automarkt um mehr als ein Fünftel. Der zweite Faktor ist der Iran-Krieg, der die Energiepreise in die Höhe treibt und die Verbraucherstimmung in mehreren Märkten belastet. BMW hatte ursprünglich erwartet, dass die Auswirkungen des Konflikts schneller abklingen; nun geht man davon aus, dass die Gegenwinde länger anhalten.

Dass eine so scharfe Gewinnwarnung so kurz nach der Übergabe kommt, ist überraschend und zeigt, dass zuvor vieles übersehen wurde.

Kostensenkungen und mögliche Arbeitsplatzverluste

Das Unternehmen erklärte, es werde die laufenden Kostensenkungen durch zusätzliche strukturelle und Effizienzmaßnahmen „intensivieren und beschleunigen“. Diese werden in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu einmaligen Belastungen führen, während Einsparungen in den Folgejahren wirksam werden. Teilnehmer einer Kapitalmarkt-Telefonkonferenz am Dienstag deuteten an, dass die einmalige Belastung rund eine Milliarde Euro betragen könnte, wobei unklar ist, wie viel davon auf den Personalabbau entfällt. Die Belegschaft von BMW war bereits 2025 um rund 3.000 Mitarbeiter geschrumpft, hauptsächlich in Deutschland und China. Die derzeitige Formulierung im Geschäftsbericht – „leichter Rückgang“ – impliziert eine Reduzierung von 1 bis 5 Prozent, was bei knapp 155.000 Beschäftigten mehrere tausend Arbeitsplätze bedeuten könnte.

Zeitstrahl zur BMW-Gewinnwarnung
  1. Milan Nedeljković löst Oliver Zipse nach der Hauptversammlung als BMW-CEO ab
  2. BMW gibt nach Börsenschluss eine Ad-hoc-Gewinnwarnung heraus und senkt die Gewinnprognose für 2026
  3. BMW-Aktie eröffnet in Frankfurt 7 % tiefer; mehrere Analysten senken Kursziele; branchenweiter Ausverkauf folgt

Marktreaktion

BMW-Aktien fielen am Mittwoch im Frankfurter Handel um knapp 7 Prozent und zogen die Rivalen Mercedes-Benz und Volkswagen mit Verlusten von 3,5 bzw. 2,5 Prozent nach unten. Analysten der Deutschen Bank Research, der DZ Bank, von Jefferies und Barclays senkten ihre Kursziele auf eine Spanne von 70 bis 90 Euro, wobei die Bewertungen von „Kaufen“ bis „Untergewichten“ reichten. Die Aktie, die bei 62,82 Euro schloss, liegt deutlich unter ihrer 200-Tage-Linie von 83,69 Euro und hat in den letzten zwölf Monaten 14 Prozent verloren, während der DAX um 5 Prozent zulegte. Die annualisierte Volatilität von 29 Prozent und ein maximaler Verlust von über 35 Prozent in 128 Tagen unterstreichen das erhöhte Risikoprofil der Aktie.

Ein Weckruf für die Automobilindustrie.

Branchenweite Auswirkungen

RBC warnte, dass die Schwäche in China in erster Linie marktbedingt sei und als negatives Signal für andere europäische Automobilhersteller dienen könnte, die ebenfalls zu Gewinnwarnungen gezwungen sein könnten. JPMorgans Asumendi sagte, BMW müsse seine Strategie im Kompaktsegment in China völlig überdenken, wo europäische Premiummarken preislich nicht mehr wettbewerbsfähig seien. Die grundsätzlichere Sorge sei, ob die aktuellen Entwicklungen eine grundlegende Überprüfung des Geschäftsmodells signalisieren, die möglicherweise eine stärkere Lokalisierung von Produktion und Beschaffung in Nordamerika und China beinhalten könnte.

Wichtige Prognoseänderungen von BMW für 2026 · Prozent
Auto-EBIT-Marge (alt)
5 Prozent
Auto-EBIT-Marge (neu)
2 Prozent
RoCE (alt)
8 Prozent
RoCE (neu)
3 Prozent
Free Cashflow Auto (alt, Mrd. €)
4.5 Prozent
Free Cashflow Auto (neu, Mrd. €)
2.5 Prozent
München · Peking

8 Quellen

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