KI-generiert·Mehr erfahren
© stern.de
Lokal·vor 2 Std.

Heiner Wilmer als Bischof von Münster eingeführt – appelliert an Katholiken, nicht wegzusehen bei Missbrauch und Ausgrenzung

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, wurde am Sonntag in einem Gottesdienst im Dom mit rund 1.000 Gästen, darunter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, feierlich als Bischof von Münster eingeführt. Der 65-jährige Wilmer rief dazu auf, bei Machtmissbrauch und Gewalt nicht wegzusehen, und forderte die Gläubigen auf, an der Seite der Verletzten zu stehen.

Heiner Wilmer, zuvor Bischof von Hildesheim und seit Februar 2026 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, wurde als 76. Nachfolger des heiligen Liudger, des ersten Bischofs von Münster, eingeführt. Der Gottesdienst im St.-Paulus-Dom zählte rund 1.000 geladene Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft, während eine ähnliche Anzahl die Live-Übertragung auf einer Großleinwand auf dem Domplatz verfolgte, wo normalerweise der Wochenmarkt stattfindet.

Gottesdienst im St.-Paulus-Dom

Der dreiteilige Ritus begann damit, dass der Apostolische Nuntius in Deutschland, der niederländische Erzbischof Hubertus van Megen, das päpstliche Ernennungsschreiben von Papst Leo XIV. überreichte. Der Dompropst Hans-Bernd Köppen prüfte zunächst die Rechtmäßigkeit des Dokuments und wandte sich dann mit den traditionellen Worten an Wilmer:

Wir stellen mit Freuden fest, dass Sie der rechtmäßige Bischof von Münster sind.

Anschließend trugen Laienvertreter des Bistums, die die Bischofswahl vorbereitet hatten, den Bischofsstab durch den Mittelgang. Sie übergaben ihn dem emeritierten Bischof Felix Genn, der 2025 altersbedingt in den Ruhestand getreten war. Genn reichte den Stab mit dem Auftrag an seinen Nachfolger weiter:

Empfangen Sie den Stab des heiligen Liudger. Sorgen Sie für die Kirche von Münster, sorgen Sie für die ganze Herde Christi. Der Heilige Geist, der Sie zum Bischof bestellt hat, möge Ihnen helfen, das Volk Gottes zu führen.

Wilmer, sichtlich bewegt, ging dann gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zu seinem Bischofsstuhl und vollendete so die Amtseinführung.

Aufruf gegen Missbrauch und Ausgrenzung

In seiner ersten Predigt als Bischof von Münster fragte Wilmer die Gemeinde: „Wofür stehen wir? Was bekennen wir?“ Er versicherte ihnen, das Bistum kenne die Antworten – „nicht abstrakt, sondern gelebt.“ Er berief sich auf die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848), Autorin der „Judenbuche“, als Vorbild: Sie sei dorthin gegangen, wo es weh tue, habe Schuld, Gewalt und Ausgrenzung beschrieben und „auf der Seite derer gestanden, die keine Stimme haben.“

Sie steht, leise, aber unüberhörbar, auf der Seite derer, die keine Stimme haben.

Wilmers zentraler Appell war, bei Machtmissbrauch und Gewalt nicht wegzusehen, die Wahrheit zu ertragen und an der Seite der Verletzten zu stehen. Bereits im März hatte er den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche thematisiert und gesagt: „Viele der Verantwortlichen haben viel zu lange weggesehen. Das darf sich nie wiederholen, und ich …“

Größtes Bistum Deutschlands

Das Bistum Münster zählt 1,6 Millionen Katholiken und ist damit das mitgliederstärkste Bistum Deutschlands. Sein Gebiet umfasst das Münsterland, den nördlichen Rand des Ruhrgebiets, Teile des Niederrheins sowie in Niedersachsen den Oldenburger Raum. Zu den anwesenden politischen Würdenträgern gehörten Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Landtagspräsident André Kuper und Julia Willie Hamburg, stellvertretende Ministerpräsidentin von Niedersachsen.

Hintergrund des neuen Bischofs

Heiner Wilmer wurde in Schapen im Emsland geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Nach dem Abitur trat er in den Orden der Herz-Jesu-Priester ein. Von 2018 bis zu seiner Versetzung nach Münster leitete er das Bistum Hildesheim. Im Februar 2026 wählten ihn seine Mitbischöfe zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Papst Leo XIV. ernannte ihn am 26. März 2026 zum Bischof von Münster.

Münster

7 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft