
Bern entschuldigt sich, nachdem Polizei Transfrau aus Nacktbereich im Freibad entfernt
Die Stadt Bern hat eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben, nachdem am Sonntag eine Transfrau aus dem Frauen-Nacktbereich des Freibads Marzili entfernt wurde. Sie sei berechtigt gewesen, sich dort aufzuhalten.
Vorfall im Schwimmbad
Am Sonntag betrat eine Transfrau das Paradiesli, den Frauen-Nacktbereich des Berner Freibads Marzili. Andere Badende beschwerten sich, da sie aufgrund körperlicher Merkmale wie Körperbehaarung und sichtbarer Genitalien als männlich wahrgenommen wurde. Das Schwimmbadpersonal forderte sie zum Gehen auf, doch sie weigerte sich. Zunächst wurde privater Sicherheitsdienst, dann die Polizei gerufen. Laut Le Parisien trafen Beamte kurz vor 17:30 Uhr ein. Die Frau leistete Widerstand, was zu einem körperlichen Eingriff führte. Sie wurde gefesselt, auf eine Polizeiwache gebracht und etwa zwei Stunden festgehalten, bevor sie freigelassen wurde. Eine Polizistin erlitt beim Handgemenge leichte Verletzungen.
Reaktion der Stadt
Einen Tag später räumte die Stadt Bern ein, dass die Bademeister die Situation falsch eingeschätzt hätten. Die Transfrau habe die Zugangsregeln erfüllt: Alle Personen, die sich als weiblich identifizieren und als solche leben, dürfen den Bereich nutzen; im Zweifel gilt die offizielle eingetragene Geschlechtszugehörigkeit.
Die Stadt kündigte Personalschulungen und klarere Informationen zu den Zugangsregeln an.Am Sonntagabend wurde eine Frau, die sich im Marzili aufhielt, von anderen Badenden aufgrund bestimmter körperlicher Merkmale nicht als solche wahrgenommen. Aus heutiger Sicht hat sich dieser Entscheid als falsch erwiesen. Die Direktion bedauert diesen Entscheid ausdrücklich und entschuldigt sich bei der betroffenen Person.
Augenzeugenberichte
Anna, die das Paradiesli seit 15 Jahren besucht, sagte gegenüber CH Media, sie habe sich aufgrund eines früheren sexuellen Übergriffs unwohl gefühlt.
Sie und eine Freundin verließen das Bad, bevor die Polizei eintraf. Die Mitbewohnerin der Transfrau warf der Polizei hingegen übermäßige Gewaltanwendung vor und sagte, die Beamten hätten Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt und nackte Badende zur Seite gestoßen.Wir sind tolerant. Wir unterstützen auch sichere Räume für Transpersonen. Aber die Situation hat mich unwohl fühlen lassen.
Breitere Debatte
Der Vorfall hat in der gesamten Schweiz eine Debatte neu entfacht. Eine Blick-Leserin sagte, sie wolle „keine Penisse im Frauen-FKK-Bereich sehen“, während Aktivistinnen „transphobe Gewalt“ anprangerten. Nach der Freilassung der Frau versammelten sich spontan etwa 50 Menschen vor der Polizeiwache. Das feministische Streikkollektiv und die Antifa kritisierten die Polizei dafür, den Frauenbereich betreten zu haben, und bezeichneten den Einsatz als „transphobe Gewalt“.
Regelungen andernorts
Schweizer Städte haben unterschiedliche Regeln für Frauenräume. Zürich gewährt „weiblich gelesenen Personen“ Zutritt, wobei das Personal die Entscheidung trifft, aber das Risiko eines Irrtums einräumt. Basel stellt eher auf das Verhalten als auf das Erscheinungsbild ab. Sauna- und Fitnessverbände berichteten von sehr wenigen Problemen und überlassen die Regelungen den einzelnen Betreibern. Der Vorfall hat Bern dazu veranlasst, seine Verfahren zu überprüfen.


