
Berliner Volksbühne eröffnet kostenloses Freibad inmitten der Debatte über Theaterfinanzierung
Matthias Lilienthal, neuer Intendant der Berliner Volksbühne, hat auf dem Rosa-Luxemburg-Platz ein kostenloses 25-Meter-Schwimmbecken eröffnet, finanziert mit 300.000 Euro aus den Theatersubventionen und geöffnet bis zum 1. Oktober.
Ein Becken auf dem Platz
Am Freitag, den 7. August, eröffnete Matthias Lilienthal, der neue Intendant der Berliner Volksbühne, auf dem Rosa-Luxemburg-Platz direkt vor dem Theater ein temporäres Freibad. Das Becken heißt „Volksbad“, ist 25 Meter lang, 5 Meter breit und 1,30 Meter tief, sodass es auch für Nichtschwimmer geeignet ist. Der Eintritt ist kostenlos, es gibt keine Ausweiskontrollen, wie sie in anderen Berliner Freibädern üblich sind. Besucher reservieren online drei Tage im Voraus Zeitfenster, und die kommenden Tage sind bereits ausgebucht. Das Becken bleibt bis zum 1. Oktober geöffnet. Ein Pommesstand steht in der Nähe, von dem Lilienthal verspricht, dass er die billigsten Pommes in ganz Berlin verkauft.
Lilienthal sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Stadt zwei Wochen lang darüber debattiert habe, ob das Volksbad eine großartige Idee oder lächerlich sei. Eine Anwohnerin sprach ihn Tage vor der Eröffnung an und sagte im Berliner Dialekt etwa: „Ich glaube, du hast sie doch nicht mehr alle.“ Lilienthal bedankte sich für das Kompliment, und sie sagte daraufhin, dass sie das Volksbad liebe. Ein Paar aus Dresden reiste eigens für das Becken nach Berlin und nannte es „eine großartige Initiative und typisch Berlin“.
Die Kosten und die Kontroverse
Das Projekt kostet etwa 300.000 Euro, die aus den öffentlichen Subventionen des Theaters stammen. Davon entfallen 90.000 Euro auf die Beckenkonstruktion selbst und 210.000 Euro auf Personal, Projektplanung und Sicherheit. Die Volksbühne erhält jährlich über 20 Millionen Euro an Subventionen. Kritiker haben infrage gestellt, ob der Bau eines temporären kostenlosen Schwimmbeckens eine angemessene Verwendung von Theatergeldern sei, und wiesen darauf hin, dass 300.000 Euro für ein oder zwei Theaterproduktionen ausreichen könnten.
- Beckenkonstruktion
- 90000 €
- Personal, Planung, Sicherheit
- 210000 €
Lilienthal nannte das Volksbad „das neue Wunder von Mitte“ und stellte das Becken als politisches Statement gegen die marode Infrastruktur Berlins dar. Er stellte die 720 Millionen Euro, die in Autobahnbrücken investiert werden, der Vernachlässigung von Schulen und Theatern gegenüber. Die Volksbühne selbst muss 1,25 Millionen Euro aus ihrem Budget streichen – eine Kürzung um 5,5 Prozent –, während andere Berliner Theater mit Kürzungen von 3 Prozent konfrontiert sind. Nur das Gorki Theater trägt eine ähnliche Last.
- Volksbühne
- 5.5 %
- Andere Berliner Theater
- 3 %
Theater als Stadtleben
Für Lilienthal ist die Grenze zwischen Theater und Stadtleben nicht starr. Er sagte, dass zwei Menschen, die sich vor der Volksbühne gegenseitig bespritzen, bereits einen theatralischen Akt darstellen.
Für mich ist es auch Theater, wenn sich zwei Leute vor der Volksbühne gegenseitig bespritzen. Das ist für mich bereits ein theatralischer Akt.
Das Projekt ist inspiriert von der Performancekünstlerin Florentina Holzinger, die derzeit den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig betreibt und zuvor „Ophelia’s Got Talent“ mit einem Wasserbecken an der Volksbühne inszenierte. Lilienthal widmete die Aktion auch dem Andenken des Regisseurs Christoph Schlingensief, der sich ständig über die Bildsprache in Wim Wenders‘ Film „Der Himmel über Berlin“ beklagt hatte. Lilienthal sagte, als er Rückenschwimmen machte und nach oben schaute, fand er den Himmel über Berlin doch nicht so dumm. Er bezog sich auch auf Frank Castorf, an dessen Arbeit an der Volksbühne das Volksbad anknüpft. Über Schlingensief sagte Lilienthal:
Ich weiß, er sitzt jetzt im Himmel und sagt: So ein Mist, dass ich da nicht dabei bin.
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remmlinger von Bündnis 90/Die Grünen stand bei der Eröffnung neben Lilienthal und lobte das Projekt.
Danke, dass Sie zeigen, dass Kunst immer noch Debatten auslösen kann.
Was als Nächstes kommt
Lilienthals erste offizielle Theatersaison beginnt im Oktober, wenn das Becken schließt und die renovierte Hauptbühnenmaschinerie im Inneren der Volksbühne voraussichtlich bereit ist. Er tritt die Nachfolge von René Pollesch an, der vor zwei Jahren unerwartet verstarb. Die Hauptbühnenmaschinerie der Volksbühne wird derzeit renoviert, weshalb Lilienthal das Wasserspektakel vor der Saison organisierte. Bis Oktober können Berliner und Besucher kostenlos vor einem der prominentesten Theater Deutschlands schwimmen.
- Volksbad eröffnet am Rosa-Luxemburg-Platz
- Becken schließt nach dem letzten Betriebstag
- Lilienthals erste Theatersaison beginnt offiziell


