
Tausende protestieren bei Kundgebungen in Berlin gegen militärische Aufrüstung und Wehrpflichtgesetz
Die Polizei zählte 5.800 Teilnehmer, die am Samstag durch Berlin-Mitte zogen, nach einer Kundgebung am Freitag am Brandenburger Tor, während die Organisatoren die Beteiligung am Wochenende auf über 20.000 bezifferten.
Samstagsmarsch durch Berlin-Mitte
Mehrere tausend Demonstranten versammelten sich am Samstag in Berlin, um gegen militärische Aufrüstung und die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht zu protestieren. Ein Aktionsbündnis aus mehreren Friedensinitiativen organisierte die Demonstration unter dem Motto "Nein zur übermäßigen Aufrüstung, Wehrpflicht und Krieg: für Frieden, demokratische Rechte und soziale Sicherheit". Die Polizei meldete am Samstagnachmittag etwa 5.800 Teilnehmer, die vom Brandenburger Tor durch den Bezirk Mitte zogen, mit einer Abschlusskundgebung am Denkmal. Die Organisatoren bestritten die offizielle Zahl und erklärten, dass mehr als 20.000 Demonstranten in der Hauptstadt teilgenommen hätten. Das Bündnis organisierte am selben Tag auch eine separate Demonstration in Stuttgart.
Freitagskundgebung und Mobilisierung der Jugend
Dem Samstagsmarsch war eine Kundgebung am Freitag am Brandenburger Tor vorausgegangen, zu der überwiegend junge Demonstranten zu einer kombinierten Kundgebung und einem Konzert kamen. Die Berliner Polizei schätzte die Teilnehmerzahl um 17:00 Uhr auf rund 2.000 Menschen, nachdem sie im Vorfeld mit bis zu 30.000 möglichen Teilnehmern gerechnet hatte. Unter dem Bündnisnamen "Unbesiegbar: Keine Lust auf Krieg und Wehrpflicht" lief das Programm von 16:00 bis 21:00 Uhr. Musikalische Auftritte boten die Berliner Hip-Hop-Gruppe K.I.Z., der Hamburger Rapper Disarstar, Apsilon und die Punkband Dritte Wahl. Zu den organisierenden und unterstützenden Organisationen gehörten Attac, Greenpeace, Sea-Watch, die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK), IPPNW, das Netzwerk Friedenskooperative, die Naturfreunde, Medico International und Aktivisten der Schulstreiks. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten Diskussionen in sozialen Medien und Musikpublikationen wie Musikexpress die Veranstaltung als kostenloses Konzert am Denkmal beworben.
- Polizeizählung Freitag (17:00)
- 2000 Personen
- Polizeierwartung Freitag
- 30000 Personen
- Polizeizählung Samstag
- 5800 Personen
- Angabe der Organisatoren Samstag
- 20000 Personen
Politische Reden und Protestforderungen
Zu den Bühnenbeiträgen am Freitag gehörten Ansprachen von Schülervertretern, der Greenpeace-Jugend, Friedensaktivisten und dem Europaabgeordneten Martin Sonneborn, der die Satirepartei Die Partei führt. Sonneborn nutzte seinen Redebeitrag, um Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz direkt zu kritisieren.
Ich sage es klar: Merz leckt Eier. Und meinetwegen kann er persönlich an die Ostfront gehen.
Der Slogan auf Sonneborns Banner glich einem Schild, das ein 18-Jähriger bei einem Schülerprotest in Berlin Anfang März 2026 hochgehalten hatte und das eine polizeiliche Ermittlung wegen des Verdachts der Verleumdung von Merz ausgelöst hatte. Demonstranten trugen Banner und skandierten Parolen, die höhere öffentliche Mittel für Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit statt für Verteidigungsausgaben forderten. Das organisierende Bündnis forderte zudem ein Ende der Anwerbung von Minderjährigen durch die Bundeswehr und die umfassende Anerkennung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung.
Der Wehrdienst-Rahmen 2026
Die Demonstrationen in Berlin reagierten auf das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das im Januar 2026 in Kraft trat. Nach dem neuen Rechtsrahmen erhalten deutsche Staatsbürger, die 18 Jahre alt werden, einen Fragebogen der Bundeswehr, mit dem ihre Tauglichkeit und Bereitschaft zum Dienst in den Streitkräften bewertet werden. Die Beantwortung des Fragebogens ist für Männer gesetzlich verpflichtend, während die Teilnahme für Frauen freiwillig ist. Statistiken der Bundeswehr zeigen, dass jährlich etwa 350.000 deutsche Männer 18 Jahre alt werden. Das Gesetz sieht eine verpflichtende Musterung für junge Männer des Jahrgangs 2008 und später vor, um die freiwillige Rekrutierung auszuweiten. Wenn die Ziele der Freiwilligenwerbung hinter den erforderlichen Korridoren zurückbleiben, behält der Bundestag die gesetzliche Befugnis, über die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu entscheiden, die das Parlament 2011 ausgesetzt hatte.
- Der Bundestag setzt die Wehrpflicht in Deutschland aus.
- Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz tritt in Kraft, mit Pflichtfragebögen für 18-jährige Männer.
- Die Polizei ermittelt gegen einen 18-jährigen Demonstranten wegen Verleumdung aufgrund eines wehrpflichtkritischen Banners gegen Friedrich Merz.
- Friedensgruppen und Musikacts veranstalten eine wehrpflichtkritische Kundgebung und ein Konzert am Brandenburger Tor.
- Demonstranten marschieren durch Berlin-Mitte, um gegen Aufrüstung und Wehrpflichtpolitik zu protestieren.

