
Polnische Aktivisten von Berliner Polizei an Gedenkstätte verprügelt; Tusk nennt Bąkiewicz' Aktionen 'peinlich'
Mitglieder der ‚Ruch Obrony Granic‘ versuchten am 16. Juni ein Kreuz an einem Berliner Gedenkstein für polnische Opfer des Zweiten Weltkriegs aufzustellen. Die deutsche Polizei griff mit Gewalt ein und löste damit einen politischen Aufruhr in Warschau aus.
Der Vorfall in Berlin
Am 16. Juni 2026 kamen Aktivisten der Bewegung zur Verteidigung der Grenzen (Ruch Obrony Granic, ROG) unter der Führung von Robert Bąkiewicz zu einem Gedenkstein nahe dem Bundestag in Berlin, der den polnischen Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist. Die Gruppe plante, ein hölzernes Kreuz zur Gedenkstätte zu tragen und Blumen niederzulegen, doch die Berliner Polizei blockierte den Zug und bot einen alternativen Ort oder einen einreihigen Ansatz an. Mehreren Berichten zufolge rückten die Aktivisten nach dem Singen der „Rota“ mit dem Kreuz vor, woraufhin Beamte mit körperlicher Gewalt reagierten. Zeugenaussagen und Videoaufnahmen zeigten, wie Polizisten die Teilnehmer traten, schlugen und zu Boden drückten. Sechs Personen wurden vorübergehend festgenommen; einige benötigten eine Krankenhausbehandlung. Die ROG erklärte später, sie seien „gewürgt und überwältigt“ worden.
Unserer Einschätzung nach war es kein würdiges Denkmal, das das Ausmaß des Leids der polnischen Nation widerspiegelt. Es war vielmehr ein Ersatzsymbol – ein Stein statt echter Erinnerung, echter Wiedergutmachung und echter Verantwortung.
- ROG-Aktivisten versuchen, ein Kreuz an der Berliner Gedenkstätte aufzustellen; Polizei greift ein
- Sechs Aktivisten festgenommen, einige nach körperlicher Auseinandersetzung im Krankenhaus
- Premierminister Tusk nennt Bąkiewicz' Aktionen 'peinlich', Vorfall eine 'Berliner Ruchawka'
- Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz sagt, Provokationen dienten russischen Interessen
- Ex-Botschafter Byrt bezeichnet Aktion als 'grobe Provokation'
Regierung spielt herunter, Opposition fordert Antworten
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk wies die Ereignisse auf einer Pressekonferenz am 17. Juni als eine „Berliner Ruchawka“ (berlińska ruchawka) zurück und bezeichnete Bąkiewicz' Aktionen als „peinlich“. Tusk sagte, er habe „keine Erwartungen“ an Bąkiewicz und hoffe, dass die gegen ihn anhängigen Gerichtsverfahren zu einem Abschluss kämen. Außenminister Radosław Sikorski postete auf X von „unbesonnenem Verhalten“, und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte im Parlament, dass „Provokationen von Herrn Bąkiewicz der Russischen Föderation dienen“ und die NATO untergraben.
Was Bąkiewicz tut, ist peinlich. Ich muss die polnische Polizei, die Grenzschützer immer öfter gegen Bąkiewicz verteidigen.
Der stellvertretende Vorsitzende von Recht und Gerechtigkeit (PiS), Przemysław Czarnek, forderte eine parlamentarische Erklärung, die Aufklärung und Bestrafung des „Banditenangriffs auf polnische Patrioten“ verlangt. Der linke EU-Abgeordnete Krzysztof Śmiszek postete derweil in den sozialen Medien: „Endlich hat sich jemand auf angemessenem Niveau um Bąkiewicz und seine Verrückten gekümmert. Bravo!“ Der frühere polnische Botschafter in Deutschland, Andrzej Byrt, bezeichnete die Aktion als „ordynarna prowokacja“ (grobe Provokation) und forderte die polnische Kirche auf, auf den Gebrauch des Kreuzes in einem solchen politischen Schachzug zu reagieren.
Diplomatischer Hintergrund
Der Vorfall ereignete sich einen Tag vor dem Polnisch-Deutschen Forum in Berlin und der geplanten Unterzeichnung eines bilateralen Verteidigungskooperationsabkommens durch die Minister Kosiniak-Kamysz und Boris Pistorius. Er fiel zudem auf den 35. Jahrestag des Polnisch-Deutschen Nachbarschaftsvertrags. Der deutsche Botschafter in Polen, Miguel Berger, erwähnte den Zusammenstoß in den sozialen Medien nicht, sondern postete stattdessen über den Jahrestag und das Forum der „guten Nachbarschaft“. Sein Beitrag war mit deaktivierten Kommentaren versehen. Das polnische Außenministerium erklärte, der Konsul in Berlin kläre die Umstände des Polizeieinsatzes.

