
Berliner Bürgermeisterkandidaten liefern sich in letzter TV-Debatte Schlagabtausch zu Wohnungsfragen und Enteignung
Sechs Bürgermeisterkandidaten debattierten am Mittwoch in Berlin vor der Landtagswahl am 20. September und stritten sich vor einem Live-Studiopublikum über die Kosten der Wohnungsenteignung, Verkehrssicherheit und Antisemitismus.
Wohnungsdebatte und Vergesellschaftungsstreit
Vier Tage vor der Berliner Landtagswahl am 20. September 2026 debattierten sechs Bürgermeisterkandidaten in einer 105-minütigen Sendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RBB über bezahlbares Wohnen. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, bekräftigte ihre Zusage, den Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne unmittelbar nach Amtsantritt umzusetzen. Sowohl CDU-Kandidat Stefan Evers als auch SPD-Kandidat Steffen Krach lehnten die Politik entschieden ab und warnten vor immensen finanziellen Folgen für die Hauptstadt. Krach erklärte, die Auszahlung der Wohnungskonzerne würde die städtischen Ressourcen erschöpfen, und schätzte die Gesamtentschädigung auf 20 bis 30 Milliarden Euro.
Ich will nicht, dass der größte Scheck in der Geschichte Berlins an Vonovia geht.
CDU-Kandidat Stefan Evers stellte ebenfalls in Frage, wie Berlin eine Entschädigung von über 30 Milliarden Euro finanzieren könnte, ohne die Mieten weiter in die Höhe zu treiben. AfD-Kandidatin Kristin Brinker wies den Enteignungsvorschlag als undurchführbar und kostspielig zurück und argumentierte, er würde keine neuen Wohnungen schaffen. Der Grünen-Kandidat Werner Graf schlug unterdessen vor, Gewerbeimmobilien umzuwidmen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten, und wies darauf hin, dass derzeit zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer stehen. Michael Lüders (BSW) kritisierte den früheren Verkauf städtischer Wohnungen durch SPD- und Linke-Regierungen als Ursache der Krise.
Koalitionsperspektiven und Umfragen
Die Debatte spiegelte scharfe Rivalitäten wider, da die Parteien sich für mögliche Regierungskoalitionen über das gesamte politische Spektrum hinweg positionierten. Stefan Evers und Elif Eralp lieferten sich in der Sendung einen engen Wettstreit um die Führung der nächsten Landesregierung, während die SPD- und Grünen-Kandidaten in der Wählergunst zurücklagen. Krach griff Eralp während der Debatte wegen ihrer haushaltspolitischen Versprechungen an und verglich ihre Wahlkampfstrategie mit den Bundeszusagen von Kanzler Friedrich Merz.
Sie sind der Friedrich Merz des Berliner Wahlkampfs.
Eralp wies den Vergleich lachend zurück und konterte, es würden gerade bundespolitische konservative Gesetze entworfen, um ihre Wohnungsagenda zu blockieren. Eine Insa-Umfrage vom 14. September 2026 sah CDU und Die Linke bei den Wählerabsichten gleichauf an der Spitze, vor AfD, Grünen, SPD und BSW.
- CDU
- 20 %
- Die Linke
- 20 %
- AfD
- 18 %
- Grüne
- 16 %
- SPD
- 12 %
- BSW
- 5 %
Infrastruktur, Drogen und Verkehrssicherheit
Über das Wohnungsthema hinaus drängten rund 90 Berliner im Studiopublikum, darunter Vertreter des Bürgerrats Die 12, die Kandidaten zu Fragen der täglichen Stadtverwaltung. Alle sechs Kandidaten stimmten geschlossen dafür, eine zentrale Baustellenkoordinierungsbehörde mit ausreichend Personal und Dateninfrastruktur einzurichten. Uneinigkeit herrschte bei der Verkehrssicherheit, wo Krach vorschlug, vor Schulen ein Tempolimit von 10 km/h einzuführen, um Unfälle zu verhindern, und darauf hinwies, dass 700 Schulkinder im Straßenverkehr verletzt worden seien. In der Drogenpolitik forderte Brinker die Polizei auf, sich eher auf Großhändler als auf einzelne Konsumenten zu konzentrieren. Graf entgegnete, die bloße Verlagerung von Konsumenten zwischen öffentlichen Parks löse nichts, und plädierte für Drogenkonsumräume.
Spannungen wegen Antisemitismus im Studio
Die Debatte wurde angespannt, als das Studiopublikum Sascha Suden Bedenken wegen des zunehmenden Antisemitismus in Berlin äußerte. Suden sagte dem Podium, jüdische Einwohner der Stadt hätten zunehmend Angst, in der Öffentlichkeit den Davidstern zu tragen, und verwies auf die für den 17. September geplante Kampagne „Berlin trägt Davidstern“. Suden trat vor und legte Davidstern-Anstecknadeln direkt auf die Podeste der sechs Kandidaten. Moderatorin Andrea Vannahme griff sofort gemeinsam mit Co-Moderator Sascha Hingst ein, sammelte die Anstecker ein und erklärte, politische Aktionen seien während der Sendung nicht gestattet. Die Diskussion folgte auf eine Prüfung kontroverser Positionen in den eigenen Reihen, darunter Aufkleberkampagnen der Linken-Jugend in Neukölln und ein Palästina-Anstecker, den BSW-Kandidat Michael Lüders trug.

