
Berliner wählen Landesparlament – CDU und Linke in engem Rennen
Rund 2,5 Millionen Wahlberechtigte in Berlin gehen am Sonntag zur Wahl, um das 130 Sitze umfassende Abgeordnetenhaus und 12 Bezirksverordnetenversammlungen zu wählen. Erstmals dürfen dabei 16- und 17-Jährige abstimmen.
Wahlrecht und Wahlverfahren
Rund 2,5 Millionen Wahlberechtigte in Berlin gehen am Sonntag zur Wahl, um das Abgeordnetenhaus, das Landesparlament des Stadtstaates, sowie die Bezirksverordnetenversammlungen in allen 12 Bezirken zu wählen. Die Wähler geben zwei Stimmen ab: eine Erststimme für Direktkandidaten in 78 Ein-Personen-Wahlkreisen und eine Zweitstimme für die Landeslisten der Parteien, die über die Sitzverteilung im Parlament entscheidet. Das Parlament hat eine Grundgröße von 130 Sitzen, wobei Überhang- und Ausgleichsmandate die bisherige Legislaturperiode auf 159 Sitze anwachsen ließen. Eine Fünfprozenthürde gilt für die Zweitstimmen, um eine Fragmentierung des Parlaments zu verhindern und die Stabilität der Regierung zu gewährleisten.
Diese Wahl führt das Wahlrecht für 16- und 17-Jährige bei der Landtagswahl ein, eine Bevölkerungsgruppe, die etwa 2 % der Wahlberechtigten ausmacht und bisher nur auf Bezirksebene wählen durfte. Auch in Berlin lebende Bürger der Europäischen Union sind bei den Bezirksverordnetenwahlen wahlberechtigt. Das Feld der Bewerber hat sich im Vergleich zur vorherigen Wahl deutlich verkleinert: 17 Parteien treten mit Listen an, gegenüber 33 Parteien, die bei der gerichtlich angeordneten Wiederholungswahl 2023 antraten.
- 2023
- 33
- 2026
- 17
Führungswechsel bei der Regierungs-CDU
Die Christlich Demokratische Union (CDU) geht in die Wahl, um ihren Status als Seniorpartner der 2023 mit der Sozialdemokratischen Partei (SPD) gebildeten Koalition zu verteidigen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner tritt nicht zur Wiederwahl an, nachdem er im Juli als CDU-Spitzenkandidat zurückgetreten war. Wegner war zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er im Januar unrichtige Angaben zum Krisenmanagement seiner Verwaltung während eines großflächigen Stromausfalls gemacht hatte.
Die CDU wählte daraufhin den 46-jährigen Berliner Finanzsenator Stefan Evers, der kurzfristig die Spitzenkandidatur übernahm. Evers hatte bereits vor drei Jahren Wegners Wahlkampf geleitet und führt nun die Partei in den Landtagswahlkampf.
- CDU und SPD bilden eine Regierungskoalition nach der gerichtlich angeordneten Wiederholungswahl
- Großflächiger Stromausfall in Berlin
- Kai Wegner tritt nach Krisenenthüllungen als CDU-Spitzenkandidat zurück
- Berliner stimmen bei Landes- und Bezirkswahlen ab
Herausforderer aus dem gesamten politischen Spektrum
Umfragen sehen die CDU in einem engen Rennen mit der Linken, angeführt von der 45-jährigen Anwältin Elif Eralp. Eralp, Mutter von zwei Kindern, die zuvor im Hintergrund als stellvertretende Fraktionsvorsitzende tätig war, hat ihre Kampagne auf die Wohnungspolitik konzentriert. Sie setzt sich dafür ein, die „Miet-Abzocke" zu stoppen und Berlin „wieder bezahlbar" zu machen. Gleichzeitig sieht sie sich mit parteiinternen Kontroversen konfrontiert, da mehreren propalästinensischen Aktivisten innerhalb der Linken offen antisemitische Haltungen vorgeworfen werden.
Die SPD stellte ihre Führungsriege um, indem sie die frühere Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey zugunsten von Steffen Krach absetzte. Krachs Kandidatur steht unter Beobachtung, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Annahme unzulässiger Vorteile während seiner Amtszeit als Regionspräsident in Hannover eingeleitet hat. Krach hat die Vorwürfe zurückgewiesen.
Koalitionsaussichten und bundespolitischer Kontext
Prognosen zufolge hat derzeit kein Zweierbündnis, einschließlich der amtierenden CDU-SPD-Koalition, genügend Rückhalt, um eine Regierungsmehrheit zu bilden. Die Linke und die CDU liegen in den Umfragen dicht beieinander an der Spitze, gefolgt von den Grünen, der Alternative für Deutschland (AfD) und der SPD. Der Wahlkampf folgt auf jüngste Zugewinne der AfD in Sachsen-Anhalt, was die Aufmerksamkeit auf das Berliner Ergebnis lenkt. Berlin wählt am Sonntag zeitgleich mit der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.


