
Deutschland wird UniCredits Commerzbank-Übernahme nicht blockieren, sagt Merz, kritisiert aber ‚aggressiven‘ Ansatz
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, die Regierung verhindere die Übernahme durch die italienische Bank nicht, bezeichnete deren Vorgehen jedoch als ‚unpassend und aggressiv‘. Die UniCredit hält nach einem Aktientauschangebot nun 47,59 % an der Commerzbank.
Merz signalisiert: Berlin wird den Deal nicht blockieren
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Mittwoch auf der Bundespressekonferenz, seine Regierung verhindere die Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit nicht. „Wir verhindern diese Fusion oder diese Übernahme nicht und haben es auch nie versucht“, so Merz. Er fügte hinzu, dass die Art und Weise, wie die italienische Bank die Commerzbank ins Visier genommen habe, „nicht unsere Zustimmung findet“ und „unpassend und in mancher Hinsicht aggressiv“ sei. Der deutsche Staat hält noch rund 12 % an der Commerzbank und hat das Angebot zum Verkauf dieser Anteile nicht angenommen. Merz räumte ein, dass ein erheblicher Teil der Aktionäre eine andere Entscheidung getroffen habe, und erklärte, das sei nun einmal die Funktionsweise einer Marktwirtschaft.
Wir verhindern diese Fusion oder diese Übernahme nicht und haben es auch nie versucht.
UniCredit-Anteil steigt auf 47,59 %
Das von UniCredit-CEO Andrea Orcel gestartete freiwillige Umtauschangebot wurde Anfang Juli abgeschlossen, wobei die Aktionäre Aktien im Wert von 17,60 % des Commerzbank-Kapitals einreichten. Zusammen mit dem bestehenden Direktanteil der UniCredit von 26,77 % und Finanzinstrumenten, die das Recht auf physische Lieferung weiterer 3,22 % einräumen, kontrolliert das italienische Kreditinstitut nun 47,59 % der Frankfurter Bank. Weitere 13,2 % in bar abgerechneten Derivaten könnten den Anteil der UniCredit bequem über die 50-Prozent-Schwelle drücken und ihr damit die Mehrheitskontrolle in den Hauptversammlungen sichern.
- UniCredit erwirbt anfänglichen 10%-Anteil an der Commerzbank
- Angebotsfrist endet; UniCredit-Anteil erreicht 47,59 %
- Erwartete EZB-Genehmigung für die Übernahme
- Hauptversammlung; UniCredit gestaltet Führung voraussichtlich um
Politischer Widerstand lässt nach
Das Übernahmeangebot stieß in Berlin auf heftigen Widerstand, seit die UniCredit im September 2024 erstmals einen 10-Prozent-Anteil an der Commerzbank erwarb. Finanzminister Lars Klingbeil hatte das Vorgehen zuvor als „aggressiv und feindselig“ bezeichnet, und ein Bankenverband warnte vor „Chaos“. Merz‘ jüngste Äußerungen markieren eine deutliche Wende: Der Kanzler betont nun die Notwendigkeit des Dialogs. Er sagte, Europa brauche große, wettbewerbsfähige Banken, die mit US-Giganten konkurrieren könnten, und dass Aktionäre, nicht Regierungen, über Eigentumsstrukturen entscheiden sollten.
Wir müssen akzeptieren, dass ein erheblicher Teil der Commerzbank-Aktionäre eine andere Entscheidung getroffen hat. Aber so funktioniert eine Marktwirtschaft.
Wie es weitergeht
Die UniCredit muss die behördlichen Genehmigungen einholen, unter anderem von der Europäischen Zentralbank (EZB), die bis September erwartet wird. Die italienische Bank könnte dann mit der Umgestaltung der Commerzbank-Führung beginnen, voraussichtlich auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2027. Die derzeitige Commerzbank-CEO Bettina Orlopp hat einen Vertrag bis 2029 und hat angedeutet, dass sie nicht zurückzutreten beabsichtigt. Merz betonte, dass die Commerzbank eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung deutscher kleiner und mittlerer Unternehmen spiele, und sagte, er würde es „sehr ungern sehen“, wenn diese Rolle verloren ginge. Orcel wiederum wird voraussichtlich das Geschäftsmodell gründlich überprüfen, was Fragen zur Zukunft des Fokus der Bank auf die Kreditvergabe an den Mittelstand aufwirft.
- Direktbeteiligung
- 26.77 %
- Finanzinstrumente (physische Lieferung)
- 3.22 %
- Im Angebot eingereichte Aktien
- 17.6 %
- Gesamter aktueller Anteil
- 47.59 %
- Bar abgerechnete Derivate (potenziell)
- 13.2 %


