
Berlin verhängt elektronische Fußfesseln für vier islamistische Gefährder nach tödlichem Pride-Anschlag
Vier als gefährliche Islamisten eingestufte Personen in Berlin müssen für 30 Tage elektronische Fußfesseln tragen, nach einem Anschlag mit einem Fahrzeug und einer Klinge auf die Christopher-Street-Day-Parade der Stadt, bei dem eine Frau getötet und 31 Menschen verletzt wurden.
Der Anschlag und seine Folgen
Ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger libanesischer Abstammung fuhr am Abend des 25. Juli mit einem Fahrzeug in die Menschenmenge der Christopher-Street-Day-Parade (CSD) in Berlin, verließ dann das Auto und griff Umstehende mit einer Klingenwaffe an. Eine Frau wurde getötet und 31 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Der Verdächtige, vom Tagesspiegel als Abdul Ballout identifiziert, war den Sicherheitsbehörden als IS-Sympathisant bekannt und als "Gefährder" eingestuft worden. Trotz einer früheren 22-monatigen Haftstrafe, die ein Jugendgericht verhängt hatte, blieb er auf freiem Fuß. Er floh zunächst vom Tatort und wurde einen Tag später bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Die Enthüllung, dass der Angreifer als bekannte Gefahr galt und dennoch frei war, hat eine Debatte über die Lücken zwischen Risikobewertung, Überwachung und tatsächlicher Prävention sowie über die Behandlung des Falles durch die Jugendgerichtsbarkeit ausgelöst.
Sofortige Sicherheitsmaßnahmen
Am Montag gab Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bekannt, dass vier als islamistische Gefährder eingestufte Personen nun elektronische Fußfesseln tragen, nachdem ein Polizeiantrag am Freitag von einem Gericht genehmigt worden war. Die Maßnahme dauert 30 Tage und ermöglicht eine kontinuierliche Standortverfolgung. Drei der Überwachten sind Männer und eine ist eine Frau, so der Tagesspiegel. Eine der vier Personen wurde zudem in Unterbindungsgewahrsam genommen, eine vorübergehende Freiheitsentziehung zur Abwendung einer unmittelbar bevorstehenden Straftat. Der Tagesspiegel berichtete, dass dieser Gewahrsam mit Blick auf den Hamburger CSD angeordnet wurde, der am Wochenende stattfand, und die Person bis Montagabend freigelassen wurde.
Ich begrüße es sehr, dass das zuständige Gericht sich unserer Einschätzung angeschlossen hat.
Spranger betonte, dass die in den letzten Monaten verabschiedeten Reformen des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes und des geänderten Verfassungsschutzgesetzes den Sicherheitsbehörden neue Instrumente an die Hand gegeben haben. "Es ist richtig und unbedingt notwendig, dass sie konsequent angewendet werden", sagte sie.
Wandel in der Justiz
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel hatte dem Innenausschuss eine Woche zuvor mitgeteilt, dass die Aussichten für solche Polizeianträge gering und die rechtlichen Hürden hoch seien. Laut Tagesspiegel hat der CSD-Anschlag einen Wandel in der Haltung der Justiz ausgelöst. Die Fußfessel und der Unterbindungsgewahrsam sind nach dem reformierten Berliner Polizeigesetz, das von der schwarz-roten Koalition verabschiedet wurde, unter gerichtlicher Kontrolle möglich, wurden aber bislang selten angewendet.
Politische Vorschläge über Berlin hinaus
In Nordrhein-Westfalen hat der FDP-Landesvorsitzende und Fraktionschef Henning Höne ein Positionspapier vorgelegt, das strukturelle Änderungen im Justiz- und Einbürgerungssystem fordert. Er schlug vor, dass Terrorfälle immer von spezialisierten Staatsschutzkammern an den Landgerichten verhandelt werden sollten, auch wenn die Verdächtigen Jugendliche oder Heranwachsende sind, und forderte höhere Mindeststrafen ohne Bewährungsmöglichkeit.
Die Justiz darf Gefährder nicht wie Kleinkriminelle behandeln.
Höne will außerdem, dass Antragsteller für Aufenthaltstitel und die deutsche Staatsbürgerschaft alle ihre Social-Media-Konten und Benutzernamen offenlegen, damit die Behörden öffentlich zugängliche Inhalte prüfen können. Beiträge, die terroristische Organisationen wie Hamas oder IS unterstützen, sollten aufenthaltsrechtliche Konsequenzen haben, auch wenn sie nicht strafbar sind, argumentiert er in seinem Papier. Durch Täuschung erlangte Staatsbürgerschaften, einschließlich Betrug bei Sprachprüfungen, sollten rückwirkend entzogen werden können. "Wer lügt, fliegt", sagte Höne gegenüber RP Online.
Politischer Druck in Berlin
Berlins CDU-Spitzenkandidat für die kommende Landtagswahl, Stefan Evers, hat argumentiert, dass die Hürde für die Anordnung einer Fußfessel auch nach der Polizeigesetzreform extrem hoch bleibt. "Es muss eine dringende Gefahrenlage vorliegen, damit ein Richter darüber entscheidet", sagte er der Berliner Morgenpost. "Ich halte die Einstufung als Gefährder für ausreichend." Spranger hatte sich bereits am Mittwoch im Innenausschuss für eine engmaschigere elektronische Überwachung von Gefährdern ausgesprochen.
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