
Belgische Staatsanwälte enthüllen Halbleiter-Spionageermittlungen gegen den bankrotten Chip-Hersteller Belgan
Die belgischen Behörden halten einen ehemaligen leitenden Forscher der Mikrochip-Firma Belgan in Untersuchungshaft, weil er verdächtigt wird, Galliumnitrid-Technologie an einen chinesischen Konkurrenten weitergegeben zu haben.
Verhaftung am Flughafen und strafrechtliche Vorwürfe
Die belgischen Bundesstaatsanwälte bestätigten am 7. September 2026, dass ein 52-jähriger doppelter belgisch-chinesischer Staatsbürger aufgrund des Verdachts der Halbleiterspionage inhaftiert wurde. Der in Peking 1974 geborene und in Löwen wohnhafte Verdächtige wurde am 10. Mai 2026 am Flughafen Brüssel-Zaventem abgefangen, als er versuchte, einen Flug nach Peking zu besteigen. Ein Untersuchungsrichter erließ am folgenden Tag einen formellen Haftbefehl und überstellte ihn in Untersuchungshaft im Gefängnis von Oudenaarde. Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Spionage, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Missbrauch von Unternehmensvermögen, verbotener Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen und Insolvenzverstößen. Die Justizbehörden bestätigten, dass die Polizei mehrere Durchsuchungen von Liegenschaften durchgeführt und elektronische Kommunikationsmittel und Datenspeichergeräte zur forensischen Untersuchung beschlagnahmt hat.
Beziehungen zum Konkurrenten aus Fujian
Der Verdächtige hatte eine hochrangige wissenschaftliche Forschungsposition bei Belgan inne, einem in Oudenaarde ansässigen Chiphersteller, wo er laut Personalakten seit August 2022 tätig war. Die belgischen Ermittler vermuten, dass er kurz nach seinem Eintritt bei Belgan eine parallele Rolle als Führungskraft bei GaNkool übernommen hat, einem identischen Chiphersteller in der chinesischen Provinz Fujian. Öffentliche Mitteilungen der Verwaltung des neuen Stadtgebiets Fuzhou zeigen, dass der Verdächtige im März 2023 als Hauptredner und Technischer Leiter von GaNkool auf einer Konferenz über Halbleiter der dritten Generation auftrat. Er trat gemeinsam mit Alan Zhen Zhou auf, dem Geschäftsführer des Belgan-Werks in den Flämischen Ardennen. Zhou wird als zweiter Verdächtiger in den Ermittlungen geführt und ist weiterhin flüchtig.
Bestimmte Hinweise deuten darauf hin, dass die betreffende Person, die eine leitende Forschungsposition in dem belgischen Unternehmen innehatte, gleichzeitig als Führungskraft eines chinesischen Unternehmens tätig war, das eine ähnliche Produktionstätigkeit ausübte, wenige Monate nach seinem Amtsantritt gegründet und von einem chinesischen Investmentfonds finanziert wurde.
Strategischer Wert von Galliumnitrid
Die strafrechtlichen Ermittlungen konzentrieren sich auf den angeblichen unbefugten Transfer von spezialisiertem geistigem Eigentum in Bezug auf Galliumnitrid-Halbleiter. Galliumnitrid ist eine kritische Technologie, die in kommerziellen und militärischen Anwendungen eingesetzt wird, insbesondere in Elektrofahrzeugen, der Luftfahrt, der Raumfahrt und militärischer Hardware. Die Ermittler prüfen, ob die Übernahme von Belgan durch chinesische Investoren im Jahr 2021 speziell dazu diente, technisches Know-how nach China abzuziehen und abzuschöpfen, anstatt die europäische kommerzielle Produktion aufrechtzuerhalten.
Die Ermittlungen könnten den illegalen Transfer von spezialisiertem geistigem Eigentum und Geschäftsgeheimnissen im Zusammenhang mit der Herstellung von Galliumnitrid-Chips ins Ausland aufdecken, eine Technologie, die insbesondere in den Bereichen Elektrofahrzeuge, Luftfahrt und Raumfahrt sowie im militärischen Bereich Anwendung findet.
Bankrott und wirtschaftliche Folgen
Belgan stellte den Betrieb ein und wurde am 31. Juli 2024 für bankrott erklärt, was zur Entlassung von mehr als 400 Mitarbeitern in seinem Werk in Ostflandern führte. Die Ermittler untersuchen, ob in den Monaten vor der Zahlungsunfähigkeit systematisch Vermögenswerte und geschützte Baupläne entfernt wurden. Der Verdächtige befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess, während die Ermittler weiterhin versuchen, Zhou zu lokalisieren. Die chinesische Botschaft in Belgien reagierte nicht sofort auf Anfragen zur Stellungnahme zu den Verfahren.
- Chinesische Investoren übernehmen den belgischen Chiphersteller Belgan.
- Der 52-jährige Verdächtige tritt als leitender Forschungsspezialist bei Belgan ein.
- Verdächtige sprechen auf einem Halbleitersymposium in Fuzhou für die chinesische Firma GaNkool.
- Belgan wird für bankrott erklärt, was zu mehr als 400 Arbeitsplatzverlusten führt.
- Verdächtiger wird am Flughafen Brüssel-Zaventem festgenommen, bevor er einen Flug nach Peking besteigt.
- Belgische Bundesstaatsanwälte bestätigen öffentlich die Untersuchungshaft und die Spionageermittlungen.


